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Hoesch-Arbeiter jubelten Gorbatschow zu

Heute vor 20 Jahren

DORTMUND Vor genau 20 Jahren stand Dortmund im Mittelpunkt der Weltpolitik als der spätere Friedens-Nobelpreisträger Michail Gorbatschow die Stadt besuchte - genauer gesagt die Hoesch-Stahlarbeiter auf der Westfalenhütte.

von Von Oliver Volmerich

, 15.06.2009

Es war einer der letzten Festtage für die Hoeschianer. Ein Tag für die Geschichtsbücher. Entsprechend groß waren Jubel und Enthusiasmus als Michail Gorbatschow begleitet von seiner Frau Raissa und weiteren Ehrengästen am Mittag des 15. Juni 1989 die riesige Halle der Conti-Glühe auf der Westfalenhütte betrat. „Die Hoesch-Mitarbeiter grüßen Generalsekretär Gorbatschow“ stand auf einem riesigen weißen Transparent in deutsch und kyrillisch. 8500 Stahlarbeitern empfingen die Gäste mit „Gorbi, Gorbi“-Sprechchören, winkten mit ihren weißen Helmen.   Sie hatten sich diesen Festtag verdient. Denn Gorbatschow, der Reformer aus Moskau, ist auf persönliche Einladung der Betriebsräte nach Dortmund gekommen. „Diplomatie von unten“ nannte sich die Initiative für Frieden, Abrüstung und wirtschaftliche Zusammenarbeit, die 35 Betriebsräte und Gewerkschaftsfunktionäre der Konzerne Hoesch, Thyssen, Krupp und Mannesmann zwei Jahre zuvor mit einem Brief an Gorbatschow gestartet hatten. Einer der engagiertesten Vertreter ist der Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende von Hoesch Werner Nass, der die Einladung nach Dortmund bei einem Moskau-Besuch der Betriebsräte persönlich ausgesprochen hatte. Ihm wird denn auch besondere Ehre zuteil. Nach seiner umjubelten Rede geht Gorbatschow auf Nass zu, umarmt ihn und gibt ihm den Bruderkuss.

  Nass selbst hatte sich gewissermaßen schon im Vorfeld revanchiert. „Wenn es nach den Stahlarbeitern ginge, hieße der Friedens-Nobelpreisträger 1989 Michail Gorbatschow“, hatte er schon bei der Begrüßung unter dem Jubel der Hoeschianer erklärt. Ein Jahr später bekam Gorbi für seine Politik der Perestroika und die Öffnung des Eisernen Vorhangs tatsächlich den Friedens-Nobelpreis.   Am Ende des Besuches, der nur eine gute Stunde dauerte, waren nicht nur die Stahlarbeiter, sondern auch Dortmunds erster Bürger begeistert. „Man könnte pathetisch werden, weil in unserer Stadt heute der Atem der Geschichte wehte“, stellte Oberbürgermeister Günter Samtlebe fest. Welche Folgen die Perestroika-Politik Gorbatschows bis hin zum Fall der Mauer hatte, konnte damals noch niemand ahnen. Am Dienstag erinnern wir an ein

, dass sich zum 20. Mal jährt: Die Eröffnung des Rathauses am Friedensplatz.

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