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Hooligans rufen zu Demonstration in Dortmund auf

Polizei sieht Gefahr

Deutsche Hooligans rufen für den 8. Oktober 2016 zu einer Demonstration in Dortmund auf. Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz mit gewaltbereiten Hools und Rechtsextremisten vor und versucht, einen Aufmarsch durch zwei Innenstadt-Bezirke "aus Sicherheitsgründen" zu verhindern.

DORTMUND

, 30.09.2016
Hooligans rufen zu Demonstration in Dortmund auf

Die Polizei rechnet mit gewaltbereiten Hooligans und Rechtsextremisten und bereitet einen Großeinsatz vor.

Marcel Kuschela gibt sich großzügig: "Bei der Antifa drücke ich immer ein Auge zu!", schreibt er im Kurznachrichtendienst Twitter und präsentiert ein Foto, das einen mit Zielfernrohr und Maschinengewehr auf der Lauer liegenden schussbereiten Scharfschützen zeigt. Kuschela trägt in seiner Szene den harmlos klingen Namen "Captain Flubber". Jener Flubber meldete schon vor Monaten mit ebenfalls harmlos klingendem Ruhrgebiets-Vokabular ("Schicht im Schacht") eine Demonstration für die südliche Innenstadt und das Gerichtsviertel an. 300 Teilnehmer sollen angeblich erscheinen. Die Polizei rechnet mit deutlich mehr Hooligans, die "Gemeinsam gegen den Terror" - so lautet das Motto - auf die Straße gehen wollen.

Polizei erteilt Aufmarsch eine Absage

Freitag (30.9.2016) erhielt Marcel Kuschela, der gern auch mit der Rechtsrock-Band "Kategorie C" auf Tour ist, von der Dortmunder Polizei einen Auflagenbescheid. Einen Aufmarsch durch die Innenstadt will Polizeipräsident Gregor Lange verhindern. Das erfuhr der Demonstrations-Anmelder bereits in einem Kooperationsgespräch. Demnach ist die Demonstration insgesamt nicht verboten. Die Verfügung untersagt lediglich den Aufmarsch durch die Innenstadt. Eine Standkundgebung ist also möglich. Den Ort nannte die Polizei am Freitag (30.9.) nicht. Sie verweist auf ein Pressegespräch am 5. Oktober.

Der Polizeipräsident teilte in einer Presseinformation mit: "Nach unserer konkreten Gefahrenprognose werden sich die Versammlungsteilnehmer aus der bundesweit gewaltsuchenden Hooliganszene und aus der rechtsextremistischen Szene zusammensetzen. Deshalb halte ich es für nicht verantwortbar, dass diese Versammlung einen Aufzug durch Dortmunder Straßen durchführt. Daher habe ich mich nach gründlicher Prüfung im Interesse der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dazu entschieden, lediglich eine stationäre Kundgebung anzuordnen. Wir gehen derzeit von deutlich mehr Versammlungsteilnehmern aus, als dass der Anmelder gegenüber der Polizei angegeben hat."

Eventuell entscheiden Richter

Via Internet teilte der Verein "Gemeinsam Stark" mit, dass er seine Route einklagen wolle. Es ist also nicht mehr auszuschließen, dass Verwaltungsrichter darüber entscheiden werden, ob die Demonstration auf eine Standkundgebung eingedampft oder mit großem Hooligan-Tamtam und Rechtsrockmusik durch zwei Innenstadtbezirke führen wird.

Auf die Straße gegen teils mehrfach verurteilte Gewalttäter, die entweder als ausschließlich gewaltbereite Fußball-Hooligans durchgehen oder mit beiden Beinen auch in der Rechtsradikalenszene verwurzelt sind. Den Demo-Aufruf unterstützt der bei der rechtsextremen Partei Pro NRW rausgeflogene Dominik Roeseler. Roeseler hatte sich im September 2014 bei einer Gründungsversammlung von "Hooligans gegen Salafisten" (HoGeSa) in der Dortmunder Innenstadt in Szene gesetzt. Hier ein Video zu dem Treffen, an dem auch Mitglieder der Nazi-Partei "Die Rechte" teilgenommen hatten. 

Gewaltbereite Nazi-Hooligans

Darstellungen von "gewaltbereiten Nazi-Hooligans" bezeichnet der Verein "Gemeinsam Stark" als "Propaganda der Lügenpresse". Doch es sind Dortmunder Nazis selbst, die freimütig Verbindungen zum Rechtsextremismus herstellen. So unterstützt der von der NPD zur Partei "Die Rechte" übergewechselte Evinger Sascha Rudloff den Aufruf. Der Borussenfrontler rührt kräftig die Werbetrommel für "Gemeinsam stark Deutschland". Dubios: Gegründet wurde der Verein in Fulda. Seinen Sitz hat er in Nürnberg - und eine Postfachanschrift in Wolfenbüttel.

Das Bundeskriminalamt berichtet von "Widerstand gegen polizeiliche Maßnahmen" bei Demonstrationen. Auch der Verfassungsschutz beobachtet den Verein. "Gemeinsam Stark Deutschland" ist eine Abspaltung der "Hooligans gegen Salafisten" (HoGeSa). Vor der Abspaltung soll es unter Mitgliedern zu Streit gekommen sein. Dominik Roeseler ruft jetzt zu Einigkeit auf. 

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