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In Dortmund „erbt“ die Stadt das Zahngold Verstorbener

Metallrückstände bei Einäscherungen

Dortmund verwertet bei Einäscherungen Edelmetallüberreste aus der Asche von Verstorbenen. Wegen gestiegener Rohstoffpreise kommen dabei hohe Summen zusammen. Noch.

Dortmund

, 13.02.2018
In Dortmund „erbt“ die Stadt das Zahngold Verstorbener

Werden Verstorbene hier eingeäschert, „erbt“ die Stadt manchmal mit: das Krematorium am Hauptfriedhof. © Dieter Menne (Archiv)

Wenn Verstorbene im städtischen Krematorium am Hauptfriedhof eingeäschert werden, „erbt“ die Stadt mit – sofern der Tote Zahngold im Mund, Palladium in Kronen oder sonstige wertvolle Edelmetalle aus Prothesen im Körper hatte. Angehörige, die ihren Verstorbenen in Dortmund einäschern lassen, müssen unterschreiben, dass die Stadt das Edelmetall verwertet. Oder sie müssen es vorher entfernen lassen.

In der Dortmunder Friedhofssatzung ist festgelegt, dass die Stadt Metallrückstände bei Einäscherungen aussortieren kann, und dass die Angehörigen „mit der Leiche fest verbundene Körperimplantate“ wie Zahngold und Hüftprothesen nicht zurückfordern dürfen. Ansonsten gibt es keine Einäscherung.

Rund 100.000 Euro im Jahr kann die Stadt so an Einnahmen aus der Totenasche generieren, berichtet Ulrich Heynen, stellvertretender Betriebsleiter der städtischen Betriebshöfe auf Anfrage. Im letzten Jahr waren es aufgrund gestiegener Edelmetalpreise und verbesserter Technik sogar 118.000 Euro. Geld, das nicht dem allgemeinen Haushalt zufließt, sondern auf Ratsbeschluss in den Gebührenhaushalt der Friedhöfe.

Gebührenzahler entlastet

Andere Städte wie Hamm und Werl zum Beispiel, spenden das Geld an gemeinnützige Einrichtungen. Meik Hibbeln, Geschäftsführer der Bestattungen Hibbeln GmbH, äschert nur teilweise in Dortmund und meist in Werl ein. Er sagt, jede Kommune entscheide für sich selbst, was sie mit den Einnahmen mache. Er selbst sei eher ein Freund von wohltätigen Zwecken: „Ich fände es besser, wenn das Geld einer Kinderkrebsstiftung oder einem Kinderhospiz zur Verfügung gestellt würde.“

In Dortmund sei der politsche Beschluss eben ein anderer, sagt Ulrich Heynen: „Unsere ist die sauberste aller Lösungen, weil der Erlös so allen Gebührenzahlern zugute kommt.“ Denn die Gebühren können mit den Einnahmen aus Edelmetallen weitgehend stabil gehalten werden. 81 Prozent der Beisetzungen auf den städtischen Friedhöfen Dortmunds sind Urnenbestattungen, wenn auch nicht alle Toten im Dortmunder Krematorium eingeäschert wurden.

Gold ist für den Laien in der Asche nicht erkennbar

Das Gold wird von den Friedhofsmitarbeitern nicht selbst im Detail aus der Asche gesiebt. Es schimmert auch nicht. „Für einen Laien ist das Gold nicht erkennbar“, sagt Ulrich Heynen, „wir sammeln alle nicht magnetischen Metalle und geben sie in die Asche-Aufbereitung von Scheide-Anstalten. Die separieren dann die Metalle und zahlen uns den aktuellen Tagespreis.“

In Hamburg hatte es vor Jahren „Mundraub“ in großem Stil gegeben. Friedhofsmitarbeiter hatten dort über Jahre Goldplomben aus der Asche von kremierten Leichen geklaubt.

In Dortmund seien höchstmögliche Sicherheitsstufen eingebaut, sagt Heynen. So werde die Asche nach einem Vier-, beziehungsweise Sechs-Augenprinzip eingesammelt. Hin und wieder werde die Asche sogar testweise geteilt und in zwei unterschiedliche Scheide-Anstalten geschickt, „um zu festzustellen, ob die Preise identisch sind.“

Ein Teil verdampft

Es ist auch nicht so, dass das Gold eins zu eins aus dem Mund in der Asche landet. Ein Teil verdampfe beim Verbrennungsvorgang, erläutert Heynen, und setze sich im Ofen ab. Auch deshalb lasse sich in keinem Krematorium in Deutschland das Edelmetall eindeutig einem bestimmten Verstorbenen zuordnen.

Doch nicht nur Zahngold landet im Krematorium. Was ist, wenn eine Verstorbene oder ein Verstorbener sich mit dem Ehering oder anderen Schmuckstücken einäschern lassen wollte und die Angehörigen dem Wunsch tatsächlich nachkommen? Das geschehe nicht häufig, sagt Heynen, „aber wenn so etwas ist, geht das nur auf ausdrücklichen Wunsch der Angehörigen.“ Das werde dann dokumentiert und von den Angehörigen unterschrieben.

Weil die Preise für Edelmetall in letzter Zeit gestiegen sind, steigt auch der Erlös der Stadt von Jahr zu Jahr. So waren es 2013 noch 50.000 Euro weniger als 2017, die von den städtischen Friedhofsbetrieben mit Zahngold und anderen Metallrückständen eingenommen wurden. Der stellvertretende Betriebsleiter Ulrich Heynen rechnet wie Meik Hibbeln mit zurückgehenden Einnahmen aus Edelmetallen, da immer weniger Gold als Zahnersatz verwendet werde. Auch sei das Gold nicht immer das hochwertigste.
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