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Investor steckt 57 Millionen in Amazon-Standort

Westfalenhütte in Dortmund

Amazon eröffnet im Herbst 2017 ein Logistikzentrum in Dortmund. Das Gebäude baut die Garbe Industrial Real Estate GmbH: Sie steckt samt Grundstück auf der Westfalenhütte, Gebäude und Infrastruktur 57 Millionen Euro in den Standort. Unterdessen wenden sich Verdi und Mieterverein Dortmund mit Forderungen an Amazon.

DORTMUND

, 29.10.2016
Investor steckt 57 Millionen in Amazon-Standort

Noch ist an dieser Stelle auf der Westfalenhütte in Dortmund nicht viel zu sehen – das ändert sich bald: Hier baut die Firma Garbe für den Versandhändler Amazon ein neues Logistikzentrum. Im Hintergrund links zu sehen ist das Gebäude, in dem bereits DB Schenker für verschiedene Kunden arbeitet.

Der Online-Versandhändler Amazon bezieht Ende 2017 ein neues Logistikzentrum in Dortmund – das teilte das Unternehmen unter der Woche mit. Amazon mietet ein Gebäude auf der Westfalenhütte an, das die Hamburger Garbe Industrial Real Estate GmbH erst noch errichtet. Laut Garbe-Geschäftsführer Jan Dietrich Hempel investiert sein Unernehmen rund 57 Millionen Euro.

Amazon selbst investiert 27 Millionen Euro

Garbe baut nicht nur das Gebäude für Amazon, sondern steckt auch Geld in den weiteren Ausbau des Straßen- und Kanalnetzes auf der Westfalenhütte. Amazon selbst teilte mit, zum Start 27 Millionen Euro in die technische Ausstattung seines Logistikzentrums zu stecken.

Die Bekanntgabe von Amazon, ein neues Logistikzentrum in Dortmund zu bauen, hatte am Dienstag (25. Oktober) für Jubel gesorgt. Es ist für die Stadt einer der größten Ansiedlungserfolge der jüngeren Zeit, da Amazon in den ersten zwölf Monaten 1000 Arbeitsplätze schaffen will. Später könnten es bis zu 2000 werden.

Auch bei der Gewerkschaft Verdi in Dortmund freue man sich auf die in Dortmund neu entstehenden Jobs, sagt Verdi-Sekretär Karsten Rupprecht. Allerdings ist Verdi bekanntlich kein uneingeschränkter Amazon-Freund: Die Gewerkschaft fordert das Unternehmen seit langem bundesweit auf, es solle seine Beschäftigten nach dem Versandhandelstarif bezahlen. Denn auch wenn die Mitarbeiter logistische Tätigkeiten erledigten, sei Amazon ein klassischer Versandhändler wie Otto.

Verdi: "Amazon reagiert auf unseren Arbeitskampf"

Amazon hingegen orientiert sich – außertariflich – an den  jeweils ortsüblichen Löhnen im Logistikbereich und lehnt Gespräche mit Verdi ab. Was schon häufiger zu Streiks bei Amazon, unter anderem auch in Werne, führte. Und „Amazon reagiert auf unseren Arbeitskampf“, sagt Rupprecht. Das könne man daran sehen, dass das Unternehmen Leistungen wie das Weihnachtsgeld eingeführt hat.

In der Pressemitteilung zur Ansiedlung seines bundesweit zehnten Logistikzentrums in Dortmund erklärte Amazon ausschweifend, was man den künftigen Mitarbeitern des Logistikzentrums alles biete: ein Durchschnittsgehalt von mindestens 10,30 Euro brutto pro Stunde, Prämien, Weihnachts-Sonderzahlung, Mitarbeiter-Aktienbeteiligungen, Rabatte, Kantine, und, und.

Trotzdem bleibt Verdi bei der Forderung, Amazon solle nach dem Tarif des Einzel- und Versandhandels zahlen. Rupprecht: "Tarifverträge bringen planbare Gehälter und Löhne." Alles andere könne jederzeit wegfallen.

Große versus kleine Ansiedlungen in Dortmund

Bei der Dortmunder Wirtschaftsförderung freut man sich auf Amazon, weil dort - neben Arbeitsplätzen für Manager, Ingenieure, IT-Experten - auch Jobs für gering qualifizierte Menschen entstehen.

Es gibt jedoch auch Stimmen, die sich statt großer Ansiedlungen solche kleinerer Firmen mit durchweg besser bezahlten Arbeitsplätzen wünschen würden. So meldete sich auf unsere Berichterstattung zu Amazon hin einer der vielen nach wie vor arbeitsuchenden, ehemaligen Mitarbeiter von Hoesch Spundwand und Profil (HSP).

Dort, sagt er, habe er über 18 Euro pro Stunde verdient. "Ich schraube meine Ansprüche schon runter" – aber nicht auf 10,30 Euro.

Amazon antwortet prompt auf Forderung des Dortmunder Mietervereins

Der Mieterverein Dortmund hat die Nachricht über viele neue Arbeitsplätze in Dortmund grundsätzlich positiv aufgenommen. Jedoch würden es ja kaum 1000 Arbeitsplätze „für Dortmunder“, sagt Mietervereins-Geschäftsführer Rainer Stücker.

Auch Auswärtige kämen sicher zum Zuge – "und einige werden nach Dortmund ziehen". Wo der Wohnungsmarkt enger wird. Das müsse die Stadt bei so einem Ansiedlungserfolg "mitdenken", sagt Stücker. Der Mieterverein hatte direkt am Dienstag Amazon aufgefordert, Werkswohnungen für seine Mitarbeiter zu bauen.

Stücker war selbst ein wenig überrascht, als sich Amazon prompt zurückmeldete: Man könne bei nächster Gelegenheit gerne einmal miteinander über den Wohnungsmarkt in Dortmund reden.

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