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Islamische Gemeinde plant modernes Zentrum

Gebetsraum in Lindenhorst?

An der Lindenhorster Straße/Ecke Lütge Heidestraße in Dortmund-Lindenhorst soll ein islamisches Gemeindehaus mit Gebetsraum, Wohnungen und Kindergarten für die bosnische Gemeinde entstehen. Das Minarett spielt eine sekundäre Rolle.

Lindenhorst

, 16.02.2018
Islamische Gemeinde plant modernes Zentrum

Das 3300 Quadratmeter große Gelände an der Lindenhorster Straße / Ecke Lütge Heidestraße erwarb die Bosnische Gemeinde im vergangenen Jahr, um darauf ein Gemeindezentrum mit Gebetsraum zu bauen. © Michael Schuh

So mancher spekulierte bereits, warum die Ansammlung an Schuppen auf dem Gelände an der Ecke Lindenhorster Straße/Lütge Heidestraße abgerissen und die Fläche anschließend gerodet wurde. Ins Kraut schießende Mutmaßungen wurden nun in der Sitzung der Bezirksvertretung aus dem Wege geräumt: Die bosnische Gemeinde möchte auf dem 3300 Quadratmeter großen Areal schräg gegenüber der Hem-Tankstelle ein Gemeindehaus mit Gebetsraum und Minarett sowie ein Mehrfamilienhaus mit etwa 18 Wohneinheiten errichten.

Der Bauaufsicht liege eine solche Bauvoranfrage vor, teilte Ludger Wilde, städtischer Beigeordneter für Umwelt, Planen und Wohnen, auf Anfrage der Grünen schriftlich mit. „Das Antragsgrundstück liegt im Bereich eines rechtskräftigen Bebauungsplanes, der dort ein Mischgebiet festsetzt“, so Wilde. „In Mischgebieten sind Wohngebäude sowie Anlagen zu kirchlichen, kulturellen und sozialen Zwecken allgemein zulässig.“ Eine abschließende Beurteilung der Zulässigkeit könne aber noch nicht erfolgen.

Momentan ist die bosnische Gemeinde noch an der Derner Straße 96 beheimatet. Das Gebäude entspricht aber nicht mehr den Anforderungen.

„Wir haben das Grundstück im vergangenen Jahr gekauft, weil wir dort ein Gemeindezentrum planen“, sagt Amir Aletic, Mitglied der bosnischen Gemeinde. Das alte Gebäude an der Derner Straße 96, das die Gemeinde derzeit als islamisches Kulturzentrum nutzt, befinde sich nämlich in keinem guten Zustand und sei nicht repräsentativ.

In dem geplanten Neubau, der unter anderem einen Schulungsraum, eine Caféteria, eine Bibliothek und einen Kindergarten besitzen soll, sieht Aletic indes einen Mehrwert für den Stadtteil: „So werden zum Beispiel Kindergärten dringend benötigt.“ Anwohnern, die um ihre Ruhe fürchten, kann er bereits jetzt beruhigen: „Nein, einen Muezzin wird es nicht geben.“ Und ein Minarett sei zwar angedacht, damit das Gebäude als Gemeindehaus erkannt werde, spiele in den Planungen derzeit aber nur eine sekundäre Rolle.

Haus als Stätte der Kommunikation

Ängste oder Vorbehalte möchte Aletic, selbst Beiratsmitglied der Organisation „Wegweiser“, die sich gegen extremen Salafismus wendet, gar nicht erst aufkommen lassen. „Es ist eine neutrale und offene religiöse Gemeinde auf dem Boden des Grundgesetzes; geplant von Menschen aus Bosnien und Herzegowina, die seit über 35 Jahren in Dortmund beheimatet sind.“ So sieht Aletic in dem Zentrum auch eine Stätte zur Kommunikation: „Jeder Bürger, egal welchen Glaubens, ist herzlich zu uns eingeladen.“

330 Mitglieder zählt die Gemeinde momentan, zum Freitagsgebet kommen laut Aletic durchschnittlich 60 bis 80 Gläubige, an besonderen Feiertagen auch mal 100. Finanziert werde das Projekt ausschließlich mit eigenen Mitteln – und aus den Einnahmen des ebenfalls geplanten Wohnkomplexes. Aletic zeigt sich in Sachen Genehmigung der Maßnahme sehr optimistisch, weiß aber zugleich, dass bis zur Fertigstellung wohl noch einige Jahre ins Land ziehen werden.: „Damit legen wir einen Grundstein für unsere Nachkommen.“

Islamische Gemeinde plant modernes Zentrum

Momentan ist die bosnische Gemeinde noch an der Derner Straße 96 beheimatet. Das Gebäude entspricht aber nicht mehr den Anforderungen. © Michael Schuh

SPD-Bezirksbügermeister Oliver Stens begrüßt das Projekt auf jeden Fall: „Das ist eine Art der Kennenlern-Kultur.“ Zudem habe sich die bosnische Gemeinde stets als sehr guter Ansprechpartner erwiesen, mit dem es nie Probleme gab.

Das bestätigt auch die CDU-Fraktionsvorsitzende in der BV, Michaela Uhlig, die sich allerdings eine offenere Kommunikation gewünscht hätte: „Es wäre besser gewesen, wenn die Politik früher involviert worden wäre.“ So hätte man auch schneller Gerüchten entgegenwirken können, die in Lindenhorst die Runde machten. Nicht unterschätzen will die Christdemokratin zudem die Verkehrsproblematik: „Wie sieht die Verkehrsführung aus? Wo parken die Besucher? Für uns als CDU ist es wichtig, dass diese Punkte im Vorfeld geklärt werden.“

1982 wurde in Dortmund eine Gemeinde für Muslime aus Jugoslawien gegründet. 1993 kam es dann zu einer Trennung, und es entstand eine eigene bosnische Gemeinde. Die bosnische Gemeinde ist inzwischen vor allem wegen ihres großen Sport- und Familientages bekannt, den sie regelmäßig im Volksgarten Mengede, Eckei 96, feiert.
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