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Juicy Beats lockte 25.000 Besucher

Westfalenpark

DORTMUND Als am frühen Samstagabend alles für eine Schweigeminute stoppte und ein Pastor an die Toten von Duisburg erinnerte, hatte das 15. Juicy Beats-Festival seinen stillen Moment des Gedenkens. Um sich dann wieder zu verwandeln in die große Sommerparty, die die Loveparade hätte sein sollen.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 01.08.2010

25.000 Gäste zählte der Veranstalter, und die verwandelten den Westfalenpark in ein Mittelding zwischen Picknickwiese und Freiluftbühne für Hunderte Musiker und DJs.

Die Sicherheitsleute hatten einen vergleichsweise ruhigen Tag. Um großem Geschiebe vorzubeugen, waren erstmals "Wellenbrecher" im Publikum vor der Hauptbühne platziert, das mit den Belgiern 2ManyDJs einen Top-Act sah, der Augen und Ohren aufgehen ließ. Eingetrudelt beim Juicy Beats-Festival hören wir den Sirenengesang pumpender Bässe. Kurze Orientierung, Blick zum Himmel: Bedeckt, kein Regen, alles bestens für den Start zur fruchtigen Sause.

Ein wilder Ritt durch die Musikgeschichte: Da wurden AC/DC, die Bee Gees, Guns'n Roses, Beethoven und The Prodigy mit Elektrobeats verquirlt, während LED-Bilder passgenau im Takt flackerten: Großes Tennis! Großer Spaß. Großer Jubel.

Ab zur FZW-Stage, wo Egotronic satten Elektrobratzen-Sound vorlegen und die Parole ausgeben: "Wir machen durch die ganze Nacht!" Vorne bewegt sich die Meute im Remmidemmi-Modus, hinten lagern viele auf Decken. Aber die kriegen wir auch noch... Weiter zur Festwiese, wo viele Besucher die Kinder ausführen und es sich bequem machen. Die Rapper von Blumentopf stehen auf den Brettern und stellen die Frage aller Fragen: "Habt ihr Bock, mit uns zu feiern?" "Klar sind wir dabei!", antwortet der Chor und reißt die Arme hoch. Die Magie wirkt Mono & Nikitaman knüpfen mit ihrem Ragga nahtlos an die Partylaune an. Schals werden gewedelt, Refrains wie "Alles außer Kontrolle" feuern zusätzlich an. "So lang die Sonne scheint, ist alles gut!" Kaum ist das ins Mikro gesungen, da schiebt sich die Sonne durch die Wolken. Teufel auch, die Magie wirkt!

18.30 Uhr. Stopp mit Bratwurst, dann zurück zur Himbeer-Bühne des FZW. Turbostaat spielen Punk'n'Roll in deutscher Zunge. Das Feld ist nach 30 Jahren Tote Hosen abgegrast. Uninteressant. Tocotronic auf der Hauptbühne servieren ihre Deutsch-"Chansons" mit Schrammelgitarren. Schlaue Texte, die das Feuilleton liebt. Uns aber egal. Hoch die Wiese zu Zoot Woman. Man hört gleich, dass das Trio aus England stammt: Weltläufiges Songwriting, soulige Vocals, hymnischer Synthiepop im Geist der 80er. Ganz prima. Gegen 21 Uhr, Worldbeat-Stage: Funkhaus Europa präsentiert La Brass Banda, Bläser-Polka-Elektro-Dub aus Bayern: Sensationell! Tuba, Posaune, Trompete, Bass, Schlagzeug. Die Jungs treten eine Lawine der Begeisterung los. Das kickt, hat Drive, das ist das Beste vieler Welten.

Nouvelle Vague Stärkste Band des Festivals. Ortswechsel: Nouvelle Vague mögen es sanft, doch ihre Wave-Klassiker im Bossa Nova-Gewand haben einfach Charme. Und passen gut zur Dämmerstunde. Die Nacht gehört den DJs. Doch warum wird ein Könner wie DJ Dash auf halbe Lautstärke gepegelt? Wann kriegt der Mann die große Bühne, die er verdient? - Sonst nichts zu nörgeln an einem tollen Festival.

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