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Kann man einfach 17,4 Millionen Euro überweisen?

Faktencheck zum Dortmund-Tatort

Beim Dortmund-Tatort ging es vordergründig um terroristische Bedrohung und Erpressung durch gewalttätige Islamisten mit Toten, Verletzten und einer explodierenden Autobombe. Hintergründig um Bankbetrug. Wäre das alles im realen Leben so möglich? Ein Faktencheck.

DORTMUND

, 17.04.2017
Kann man einfach 17,4 Millionen Euro überweisen?

In "Sturm" schießen Islamisten scharf. Doch wie steht es um die Islamistenszene in Dortmund in der Realität?

Im Tatort sitzt ein Bankmitarbeiter mit Zugriffsrechten für ausländische Konten und Depots und einen Sprengstoffgürtel um den Bauch morgens um vier Uhr in der Filiale einer Privatbank und tätigt Überweisungen auf Bankkonten in arabischen Ländern in einer Höhe von insgesamt 17,4 Millionen Euro. Ist es denkbar, dass ein einzelner Bankangestellter so etwas in der Nacht tun kann?

Nein, sagen die Dortmunder Sparkasse und die Volksbank. Auch tagsüber nicht. Laut Sparkassensprecher Jörg Pinnau gilt bei der Sparkasse das sogenannte „Vier-Augen-Prinzip“. Pinnau: „Eine von einem Mitarbeiter veranlasste Buchung muss von einem zweiten Mitarbeiter geprüft und dann im System freigeschaltet werden.“

Britta Schumacher von der Volksbank bestätigt: „Das geht grundsätzlich nicht.“ Und ohne Vorbereitung, wie im Tatort, sei das noch unwahrscheinlicher.

Die Filiale der „Westhafen Bank“ liegt im Dortmund-Tatort zwischen Kleppingstraße und Betenstraße. Dort hat bekanntlich die Dortmunder Volksbank ihren Sitz. Doch sind die Szenen auch dort gedreht worden?

Nein, das Geschehen auf dem Außenschauplatz rund um die Bank wurde nicht in Dortmund gedreht. Auch die U-Bahn-Station "Dortmund Mitte", die dort im Film ausgeschildert ist, gibt es nicht. Ebenso wenig stimmt das Stadtmobiliar wie die Straßenlaternen und Papierkörbe, die zu sehen sind.

Gibt es eine Westhafen-Bank?

Nein. In der ursprünglichen Fassung von „Sturm“ hieß die Westhafen-Bank noch Westfalen-Bank. Die gab es bis 2010, und sie hatte ihren Hauptsitz in Bochum.

Als Faber sich mit dem Bankangestellten einschließen lässt, um ihn zur Aufgabe zu überreden, spricht der Einsatzleiter davon, das der „VG“ zu überlassen. Gibt es eine VG?

Ja, das ist die Verhandlungsgruppe, bestätigt Polizeisprecher Gunnar Wortmann, eine Spezialeinheit bei der Polizei.

Ist es denkbar, dass sich wie im Film bei solchen Bedrohungen das Landeskriminalamt (LKA) einschaltet?

Ja, sagt Wortmann. Bei terroristischen Bedrohungen auch das Bundeskriminalamt (BKA).

Im Tatort fotografiert Oberkommissar Daniel Kossik einen Verdächtigen, als dieser die Stieftochter des Bankangestellten entführt. Das Bild schickt er direkt von der Fotokamera an seine Kollegen. Ist das möglich?

Ja, sagt Zeitungsfotograf Dieter Menne. Es gibt Kameras mit einer Wlan-Einrichtung, die das Foto an das Smartphone schickt. Die im Film eingeblendete Kamera-Marke gibt es allerdings nicht.

Der Verdächtige hat sein Opfer auf den ehemaligen Campingplatz Ruhrblick in Geisecke verschleppt. Gab es mal so einen Campingplatz?

Nein, sagt Heiko Mühlbauer, Ruhr-Nachrichten-Redakteur in Schwerte, solch einen Campingplatz gab es nicht.

Gibt es eine Islamistenszene in Dortmund?

Ja, leider. Aus Polizeikreisen heißt es, dass es hier eine Handvoll Gefährder gibt und noch mal doppelt so viele Verdächtige.

Kommissarin Bönisch ermittelt in der  Al-Umma-Moschee. Gibt es in Dortmund eine Moschee mit diesem Namen?

Nein, die gibt es nicht.  Schon um nicht eine konkrete Moschee-Gemeinde zu diskreditieren, haben die Drehbuchautoren einen Namen erfunden. Es ist nicht bekannt, wie viele Moscheen es in Dortmund gibt. Die Stadt geht davon aus, dass es rund 40 sind.

Am Anfang des Tatorts fährt Kommissar Faber Auto und hört in den Lokalnachrichten den Wetterbericht. Dort ist von unterschiedlichem Wetter in Hombruch und Scharnhorst die Rede. Differenziert Radio 91.2 seinen Wetterbericht derart?

„Nein, das stimmt nicht“,  winkt  Thomas Grevenbrock vom Marketing ab. „Wir sagen höchstens, wie die Temperatur bei uns in der Silberstraße ist, weil wir hier ein geeichtes Thermometer haben.“

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