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Kein Beifall, wenn die Kreissäge zum Einsatz kommt

Baumfällmaßnahmen der Stadt Dortmund

Die Kreissäge wird in diesem Jahr in Dortmunds Wäldern seltener zum Einsatz kommen als geplant. Friederike macht’s möglich. Für Forst- und Grünpflegearbeiten der Stadt gelten nämlich eigentlich klare Regeln. Trotzdem kommt es bei Baumfällmaßnahmen immer wieder zu Konflikten mit Bürgern und Naturschützern.

Dortmund

, 18.02.2018
Kein Beifall, wenn die Kreissäge zum Einsatz kommt

Wie hier im Dorneywald in Kley sorgen Baumfällarbeiten bisweilen für Ärger. © Stephan Schütze (A)

Der Sturm "Friederike" hat Mitte Januar so viel Bäume „gefällt“, dass geplante Baumfällmaßnahmen zurückgestellt werden, wie Stadtsprecherin Heike Thelen auf Anfrage mitteilte.

Weniger Holz gefällt als nachwächst

Trotzdem werden in Dortmund weiter Bäume gefällt – nach einem auf zehn Jahre angelegten Betriebsplan. 10.500 Kubikmeter Holz sollen demnach pro Jahr gefällt werden. Für diese Menge gibt es entsprechende Holzkaufverträge mit der Holzwerkstoffindustrie, mit Sägewerken und Holzhändlern – ein Teil davon wird jetzt durch das „Sturmholz“ gedeckt.

Der städtische Forstbetrieb spricht generell von einer „nachhaltigen Waldbewirtschaftung“. So werde weniger Holz gefällt als nachwächst. Die Durchforstung einzelner Waldbereiche trage außerdem dazu bei, dass die Bäume, die stehen bleiben, mehr Standraum, Licht und Nährstoffe erhalten. „Licht und Wärme am Waldboden sind die Voraussetzung für das Aufwachsen einer neuen Waldgeneration unter dem Schirm der alten Bäume – ein wesentliches Element der naturnahen Forstwirtschaft, begründen die Förster die Fällarbeiten.

Es gibt regelmäßige Sitzungen

Das freilich stößt nicht überall auf Beifall. Schon mehrfach kam es etwa im Bereich Bolmke und am Dorneywald zu Protesten von Bürgern. Und auch die Naturschutzverbände kritisierten allzu rigoros erscheinende Durchforstungsmaßnahmen. Inzwischen hat sich das Verhältnis aber deutlich gebessert, wie Meike Hötzel, Waldexpertin des Naturschutzbundes (Nabu) berichtet. 2016 hatte die Stadt zu einem Expertenforum zu Naturschutz und Forstwirtschaft mit Vertretern der Naturschutzverbände eingeladen, um die Wogen zu glätten.

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Man sei sich einig, dass Forstwirtschaft nötig und sinnvoll ist, hieß es danach. Und es wurde ein dauerhafter Dialog vereinbart. Der findet nun in regelmäßigen Arbeitskreis-Sitzungen statt. „Die Zusammenarbeit ist viel konstruktiver und verbindlicher geworden“, berichtet Meike Hötzel. Ein Ergebnis ist das Pilotprojekt zur ökologischen Waldbewirtschaftung im Kurler Busch. Auf der Wunschliste der Naturschützer steht vor allem noch die Forderung, den Waldboden bei Forstarbeiten besser zu schützen.

Feste Kriterien für die Grünpflege

Bürgerbeschwerden in Sachen Grünpflege und Baumfällarbeiten kennt auch Martin Rüthers, Bereichsleiter Grün im städtischen Tiefbauamt. Wobei es nach seiner Erfahrung durchaus unterschiedliche Befindlichkeiten gibt. Einige seien froh, wenn ein Straßenbaum vor der Haustür verschwinde, andere kämpften um jeden Baum.

Ähnlich wie in der Forstwirtschaft gibt es aber auch für die Grünpflege in der Regie des Tiefbauamtes feste Kriterien. „Vorrangiges Ziel ist die Erhaltung einer funktionellen Bepflanzung unter besonderer Berücksichtigung der Verkehrssicherheit“, drückt es Tiefbauamtsleiterin Sylvia Uehlendahl streng bürokratisch aus.

Bäume am Wall werden ersetzt

Soll heißen: Einschreiten muss das Amt immer dann, wenn von Bäumen Gefahren für den Verkehr ausgehen – immer im Spagat mit der ökologischen Bedeutung des Straßengrüns, erklärt Rüthers. Stehen sogar Fällungen an, werden die Bezirksvertretungen jeweils informiert. In der Regel zweimal im Jahr werden die Straßenbäume kontrolliert, ältere Bäume öfter. Um die Übersicht zu behalten, erarbeitet die Verwaltung zurzeit ein „Grünflächen-Infosystem“.

Kein Beifall, wenn die Kreissäge zum Einsatz kommt

Baumfrei sind zurzeit der Burgwall und ein Teil des Königswalls. Die Rosskastanien waren krank und musste gefällt werden. Als Ersatz werden Eichen gepflanzt. © Dieter Menne

Ein wichtiger Aspekt bei der Grünpflege ist dabei nicht immer nur das Alter der Bäume. Vor allem Krankheiten machen den Bäumen in einer Großstadt zu schaffen. Beispiel dafür ist die prächtige Kastanien-Allee am Wall. Sie ist schon deutlich geschrumpft, seitdem im Januar alle Bäume am Burgwall und dem östlichen Teil des Königswalls gefällt wurden. Die Rosskastanien waren von dem aggressiven Bakterium Pseudomonas syringae befallen, das die Bäume von innen heraus verfaulen lässt. Alle befallenen Bäume werden deshalb gefällt – nach Burg- und Königswall bald auch am Ostwall.

Als Ersatz werden möglichst noch in diesem Frühjahr Trauben- und Stileichen gepflanzt, am Ostwall später Winterlinden. Sie gehören zu den sogenannten Zukunftsbäumen, die die Grünexperten der Verwaltung als geeignete Baumarten für Großstadt-Bedingungen ausgemacht haben. Zugleich bemüht man sich, generell bessere Lebensbedingungen für die Straßenbäume zu schaffen. „Wir tauschen im kompletten Mittelstreifen den Boden aus, setzen neue Einfassungen ein und erhöhen den Bordstein auf 18 Zentimeter“, sagt Rüthers. Das schützt den Boden und damit auch neue Bäume vor dem Streusalz auf den Straßen – das verträgt kaum eine Baumart gut.


Das sagen die Bürger:

Anton Hinrichs kennt jedes Laubblatt im Evinger Süggelwald: Schon als Kind spielte er hier im Unterholz, fuhr mit seinem Schlitten die verschneiten Abhänge hinunter und streifte auch durch abgelegene Pfade des Waldes. Wenn es jemanden stört, wenn sich hier etwas ändert, müsste es eigentlich Hinrichs sein.

Doch wenn hier in seinem Wald ein Baum gefällt wird, trauert der Naturfreund dem nicht nach, er findet es nicht einmal schade: „Es ist einfach notwendig“; sagt er. „Viele Bäume sind alt und kaputt, andere vom Sturm zerstört“, sagt er. Auch das manche Wälder in Dortmund derzeit aus Sicherheitsgründen gesperrt sind, kann er deshalb gut nachvollziehen.

Volkhard Linnemann sieht das genau so: „Natürlich ist das notwendig, aber auch blöd, wenn so viel liegen bleibt“, findet er. Linnemann trägt die Gummistiefel eines leidenschaftlichen Waldgängers, mit seiner Hündin Branko streift er am liebsten über die versteckten Trampelpfade des Süggelwaldes. „Da liegen noch viele schöne Stämme – die könnte man doch verwerten“, meint er. Ab und zu kämen auch Leute vorbei, verrät er, um hier im Dickicht Holz zu sammeln.

„Und die haben hier ja auch echt viel platt gemacht“, findet Ute Albrecht. Aber auch für sie, die täglich mit ihrem Hund Gordon Gassi geht im Wald, steht eines im Vordergrund: „Wenn die Bäume krank oder kaputt sind, stellen die nun mal eine Gefahr dar.“

Vor einiger Zeit seien zwei Bäume direkt auf den Gehweg gekippt – dort, wo sie normalerweise mit Gordon spazieren geht. „Wenn ich zu der Zeit genau dort gewesen wäre – das wäre richtig gefährlich geworden.“

Waldspaziergänge sind in weiten Teilen Dortmunds weiterhin tabu. Nach Sturm Friederike laufen noch immer die Aufräumarbeiten. Für die Wälder südlich der B1 gilt noch bis zum 18. Februar ein Betretungsverbot, erlassen vom Landesbetrieb Wald und Holz. Die Sturmschäden seien in einigen Bereichen größer als vermutet, heißt es. Für die Dortmunder Wälder nördlich der B1 – also in den Stadtbezirken Huckarde, Mengede, Eving, Scharnhorst und Brackel – wurde das Betretungsverbot etwas gelockert. Hier können die Wälder auf den Waldwegen betreten werden. Auch hier gibt es aber eine Ausnahme: Teilbereiche des Hoeschparks sind bis auf Weiteres komplett gesperrt.
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