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Kerzen, Gebete und Tränen für Karin

Gedenkfeier am Jahrestag der Hörder Haus-Explosion

Mit einer emotionalen Gedenkfeier haben am Samstagmorgen Freunde und Nachbarn an die Frau erinnert, die bei der Haus-Explosion in der Teutonenstraße in Hörde vor genau einem Jahr ums Leben kam. Es bleibt die Frage nach dem „Warum?“

HÖRDE

, 31.03.2018
Kerzen, Gebete und Tränen für Karin

Hendrik Münz, Notfallseelsorger der Evangelischen Kirche und bis vor kurzem Gemeindepfarrer in Hörde, leitete die Gedenkfeier für Karin, die vor genau einem Jahr bei der verheerenden Haus-Explosion in Hörde gestorben war. © Stephan Schütze

8.45 Uhr, es ist der Zeitpunkt des Unglücks, als am Karsamstag 30 Menschen im Stadtteiltreff B3 an der Niederhofener Straße in Hörde zusammenkommen, um an Karin zu erinnern.

Karin, die Frau, die bei der Explosion ums Leben kam, die ein psychisch kranker Mann am gleichen Tag des Vorjahres mutwillig herbeigeführt hatte. Hendrik Münz, Notfallseelsorger der Evangelischen Kirche und bis vor kurzem Gemeindepfarrer in Hörde, lädt zu einer Schweigeminute. „Denken wir an das, was wir erlebt haben, an jenem Tag und in der Zeit danach.“

„Es kann nicht sein, es darf nicht sein.“

Freunde sind gekommen, Nachbarn, der Lebensgefährte von Karin, Norbert Pahlke (51). Da ist Ramona (36), da sind Burkhard (58) und Regina (53). Sie haben Gedanken und Erinnerungen aufgeschrieben, die sie nun vortragen. „Sie war eine Kämpferin, die immer klare Worte fand, aber einem nichts übel nahm.“

Eng stehen die Freunde beieinander. „Was für ein Schock, als die Situation im Kopf ankam“, sagt der Lebensgefährte. „Es kann nicht sein, es darf nicht sein.“ Er schildert die Fassungslosigkeit der ersten Stunden und Tage, erinnert sich an den Moment, als er zur Identifizierung den toten Körper sah, „überdeckt vom Staub des zerborstenen Hauses“. Es ist absolut still im Raum, nur das ein oder andere Papiertaschentuch raschelt.

Weinkrämpfe in der Nacht, Trauer bis heute

Auch Burkhard, der eng mit Karin befreundet war, sagt sehr persönliche Worte. „Wir hatten uns schon verabredet für die nächste Woche, Spaziergehen und dann zum Chinesen.“ Stattdessen der Schock, Weinkrämpfe in der Nacht, Trauer bis heute. „Ich kannte Karin erst seit acht, neun Jahren“, wird Burkhard nach der Trauerfeier sagen. „Mir ist erst nach ihrem Tod klar geworden, wie viel sie mir bedeutet hat.“

Regina berichtet von der Starre nach den ersten Meldungen, dieser „irrsinnigen Sorge, als Nachrichten unbeantwortet blieben“, der quälenden Ungewissheit, weil Karin nicht sofort geborgen werden konnte. „Als ich am nächsten Tag um 5 Uhr 30 aufwachte und den Song Legendary der Band Welshly Arms hörte, da wusste ich schon, dass Karin tot war.“

Anschließend singt Ramona den Gospel „Oceans where feet may fail“. Viele der Trauergäste können nun ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Hendrik Münz findet aber auch tröstende Worte, spricht von der Hoffnung des Osterfestes, und das gerade dieses Fest ein guter Moment für die Erinnerung an Karin sei.

Ex-Bewohnerin hat bei Haus-Explosion alles verloren

Ursula Olschewski stehen die Tränen noch in den Augen. Sie wohnte im Haus nebenan, als die Explosion geschah. „Ich wollte erst nicht zur Trauerfreier kommen“, sagt die 76-Jährige. „Doch jetzt fühle ich mich besser.“

Nun bricht sie mit dem Pfarrer und den Freunden auf zur Ruine, um Kerzen aufzustellen. Sie hakt ihre Freundin und Nachbarin Rosemarie Lamodke (73) unter, die über Karin im Haus an der Teutonenstraße 3 wohnte. „Ich habe bei der Explosion wirklich alles verloren, zum Glück hatte ich damals einen Termin bei der Physiotherapie.“

Nachbarn loben die Notfallseelsorge

Beide loben das Notfallmanagement von Polizei und Feuerwehr in jenen Tagen, auch die Wohngenossenschaft gws habe pragmatisch und schnell geholfen. „Wir wohnen nun an der Alfred-Trappen-Straße im selben Haus und sind glücklich darüber.“

Es sind dies die Zeichen der Hoffnung, von denen Münz gesprochen hat. Die Sonne scheint, Amseln und Finken tschilpen. Es ist ein schöner Tag, wie im Jahr zuvor. An der Ruine erinnert der Lebensgefährte an Karins Lebensmotto. „Wenn du glücklich sein willst, dann sei glücklich.“

Die Wohngenossenschaft gws plant einen Neubau, um die Lücke an der Teutonenstraße 3 zu schließen. Die Fassade soll so gestaltet werden wie das frühere Haus. Geplant sind 13 Wohnungen mit bis zu 110 Quadratmetern Größe, 2019 soll alles fertig sein. Die schöne Siedlung im Hörder Süden ist fast 120 Jahre alt.
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