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Kioske kämpfen ums Überleben

Ruhrgebiets-Tradition

DORTMUND Eine Ruhrgebiets-Tradition ist akut bedroht: Die Trinkhalle, der Kiosk oder auch Büdchen genannt. Längere Öffnungszeiten im Einzelhandel, Dumpingpreise bei den Lebensmitteln und hohe Pachten lassen die Betreiber immer öfter verzweifeln.

von Von Patrick Klepping

, 06.08.2010
Kioske kämpfen ums Überleben

Die längeren Öffnungszeiten der Konkurrenz machen Kiosk-Besitzer Ali Yigit zu schaffen.

Die meisten kennen „die Bude“ noch aus ihren Kindheitstagen: Für ein paar Groschen bzw. Cent lassen sich heute wie damals Süßigkeiten, Überraschungstüten oder die neuesten Klatschzeitungen erstehen. Schätzungsweise 18.000 Kioske gibt es im gesamten Ruhrgebiet. Davon alleine 223 in Dortmund.

Wer heutzutage eine solche Trinkhalle betreibt, muss viel Durchhaltevermögen und Lebenskraft beweisen. „Als die modernen Tankstellen vor einigen Jahren begannen, den Kunden nicht nur Kraftstoff und Autowäschen zu verkaufen, sondern auch Bier und Tiefkühlpizza, war das der Zeitpunkt, ab dem ich begann, schlecht zu schlafen“, meint der 62-jährige Budenbesitzer Ali Yigit. Er betreibt eine dieser Trinkhallen an der Brunnenstraße / Ecke Mallinckrodtstraße in der Nordstadt. Hier kennt ihn jeder. Für viele ist Yigit die erste Anlaufstation am Morgen. Die Kunden bekommen frisch gebrühten Kaffee und nutzen den Platz vor dem Kiosk, um den neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen. Ali ist stolz auf seinen Kiosk. Seit nunmehr 23 Jahren verkauft er Spirituosen, Zigaretten, Zeitungen und alles, was man sonst noch fürs tägliche Leben auf die Schnelle gebrauchen könnte.

Meistens trifft man ihn sitzend vor seinem Kiosk in der Hoffnung, heute noch etwas zu verkaufen. „Es gibt Tage, da habe ich zwischen 300 bis 400 Kunden. Da rennt man mir regelrecht die Bude ein. Leider gibt es auch solche Tage wie heute, an denen die Geschäfte einfach schleppend laufen und ich nicht weiß, wie ich am Ende des Monats die hohe Pacht zahlen soll“, erklärt Yigit. Kopfzerbrechen machen ihm auch die Öffnungszeiten der umliegenden Einkaufsmärkte. 150 Meter Luftlinie entfernt befindet sich starke Konkurrenz: Die Verbrauchermärkte Lidl, Fruchtbörse oder Kaufland. Letzterer feierte im Frühjahr 2009 seine Eröffnung im neu entstandenen Westfalen-Einkaufszentrum. „Alleine Kaufland hat täglich außer sonntags bis 24 Uhr geöffnet. Da entscheiden sich die Kunden, lieber dorthin zu gehen. Es ist günstiger und diese Läden haben mehr Auswahl. Da kann ich einfach nicht mithalten“, so Yigit. Doch aufgeben will er nicht. So ein Schlag Mensch sei er nicht. Er hat noch drei Jahre bis zur wohlverdienten Rente. Die will er überstehen.

Dann will er seinen Kiosk verkaufen und zurück gehen in die Türkei. „Wenn dies nicht klappen sollte, befürchte ich, dass wieder ein Stückchen Ruhrgebiet verschwinden wird“, sagt Yigit und zieht das schwere Eisengitter herunter. Für heute ist Schluss in seiner Bude.

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