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Klangkünstler machen aus dem Sound der Brückstraße Musik

Process-Festival

Für das Process-Festival haben am Samstag zwei Klangkünstler den Sound der Brückstraße hörbar gemacht. Mit dabei: grölende Junggesellenabschiede, türkische Popsongs und Starkregen.

Dortmund

, 22.07.2018
Klangkünstler machen aus dem Sound der Brückstraße Musik

Timm Stobbe (l.) und Philipp Pfeffermann (2.v.l.) nahmen auf, was die Brückstraßenpassanten in ihre Mikros riefen, und machten daraus in Echtzeit ein sieben Stunden langes Musikstück.Abegg

Die Brückstraße hat einen besonderen Rhythmus. Er ist ruhiger als der des temperamentvollen Walls und leichtfüßiger als der der erwachsenen Kampstraße. Unermüdlich fließt und fließt er in einem hellwachen Allegro. Wie der Puls entspannter Tanzmusik.

121 Schläge pro Minute pumpte am Samstag die Soundanlage von Timm Stobbe und Philipp Pfeffermann in das Treiben der Fußgänger vor dem Brückcenter. Die Musiker gaben damit den Herzschlag vor für einen Song, der sich den ganzen Tag über sieben Stunden hinweg entwickelte und stetig veränderte – mit Klängen und Geräuschen, die die Vorbeiflanierenden erzeugten.

Als eine von mehreren Satelliten-Veranstaltungen war dieser „Prozess eines Songs“ Teil des Process-Festivals am Hafen. Im Oktober sprechen die Besucher dort über das Thema Interaktion zwischen Mensch und Maschine – und Experimente wie dieses bilden eine Grundlage und Inspiration für die späteren Diskussionen.

Geräusche gleiten in Echtzeit hinein in den Fluss des Brückstraßen-Rhythmus

Wer nun also zwischen 15 und 22 Uhr, zwischen Konzerthaus und Baguetterie d’Angelo, Orchesterzentrum und Ägypter an dem mitten auf der Straße platzierten Mikrofon vorbei kam, konnte hinein singen oder sprechen oder rufen oder etwas auf der Triangel, Rassel, Trommel, Ratsche, dem Vibraslap oder Tambourin spielen. Stobbe und Pfeffermann nahmen alles auf, schnitten die Spuren in kleinere Elemente und ließen die Wörter, Töne, Geräusche in Echtzeit hineingleiten in den Fluss des Brückstraßen-Rhythmus.

Der Sound, der sich so in den nachtschwärmerischen 121er-Beat ergoss und sich mit ihm bewegte, war einerseits eine typische glatte Tanzmusik-Mischung, andererseits aber eine erstaunlich prototypische Dortmunder Stimmungskulisse: Da singt ein älterer Mann das Steigerlied und begleitet sich dabei mit einer Trommel. Etwas später dann betritt ein blondes Mädchen erst etwas verschüchtert den Platz am Mikro und schmettert dann „Hände hoch“ aus dem Film „Bibi und Tina“.

Tanzende Bräute und grölende Männer

Und natürlich: Junggesellenabschiede. Tanzende Bräute, die die Namen ihrer Mädels aufzählen, und junge Männer, die auf Schwäbisch ein Sauflied grölen. Je später es wurde, desto mehr rappten Leute ins Mikro: englischsprachigen Hip-Hop, improvisiert von einem hochgewachsenen Jugendlichen mit Cap, oder einen schnell auf dem Smartphone getippten Vierzeiler, der endet mit: „Ich liebe Dortmund, ich meine, wie ich es sag.“

Und dazwischen eine kleine Frau in silbernen Turnschuhen, die mit dunklem Timbre die melismatischen, vierteltönigen Linien eines türkischen Popsongs malt.

Der Sound der Brückstraße – „irgendwie genau, wie man es sich vorgestellt hat“, sagt Organisator Daniel Edelmeier. Er hält ein Bier in der Hand und lächelt begeistert. Timm Stobbe kennt er aus der Schule in Dortmund, mittlerweile lebt der Elektro-Soundkünstler aber in Berlin. Von dort brachte er Philipp Pfeffermann mit.

Regen kommt wie bestellt

Klangkunst ist ihr Ding, so etwas war trotzdem neu, solch eine interaktive Mischung aus „Regenwaldgeplätscher, Menschengeräuschen, afrikanischem Drumsound, Kindergesang“, wie Stobbe sagt. Beiden ist wichtig, nicht als „DJs“ bezeichnet zu werden – ihre Modularen Synthesizer nämlich sind keine Abspielvorrichtungen, sondern Instrumente. Sie erzeugen den Klang selbst, der am Ende nichts anderes ist als das hörbar gemachte und gefilterte Rauschen des Stroms im Metallgehäuse.

Was für eine Allegorie ist da das Rauschen des Regens, der wie bestellt um kurz nach 17 Uhr niederging – und selbstverständlich auch in dem Song zu hören ist. Das Ergebnis, das am 6. Oktober vorgespielt wird, ist dennoch nicht so wichtig wie die fünf Stunden zwischen d’Angelo und Ägypter an der Brückstraße.

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