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Klaus Müller geht nach Lübeck

Zeit der Schwebe

Reinoldikantor Klaus Eldert Müller gibt seine Stelle auf und wird Domkantor in Lübeck. Zurück lässt er unter anderem den Bachchor, den er sehr geprägt hat.

DORTMUND

, 03.07.2018
Klaus Müller geht nach Lübeck

Klaus Müller verlässt Reinoldi und wird Domkantor in Lübeck. © Dieter Menne Dortmund

Es war eine schockierende Nachricht für die Sänger des Bachchores: Ihr Chorleiter Klaus Müller (51), Reinoldikantor seit 13 Jahren, verlässt die Stadt und geht nach Lübeck. So wenig verwunderlich es ist, dass ein guter Kirchenmusiker woanders eine gute Stelle angeboten bekommt – damit hatte dennoch niemand gerechnet. „Ich war komplett entsetzt, als er es mir gesagt hat“, sagt Susanne Lorf, 1. Vorsitzende des Bachchores. „Er ist mein Jahrgang – ich dachte, in seinen Fünfzigern geht man nicht mehr weg.“

Als Müller es in der Probe dem gesamten Chor sagte – der letzten Probe vor dem Jubiläumskonzert zum 125-jährigen Bestehen des Chores – herrschte „große Überraschung“, sagt Lorf. „Aber als er dann sagte, wohin es für ihn geht, gab es Applaus.“ Kein Wunder: Lübecks Kirchenmusik hat eine jahrhundertealte Geschichte und einen exzellenten Ruf. Unter anderem war Dieterich Buxtehude von 1668 bis zu seinem Lebensende Organist an St. Marien, einer der vier großen Lübecker Kirchen.

Gegen 48 Mitbewerber durchgesetzt

Müller setzte sich laut Information des Doms zu Lübeck gegen 48 Mitbewerber durch. Er wird gleichzeitig Domkantor und Kirchenkreiskantor. Der Chor, sagt Lorf, reagierte „ganz großartig, sehr hochachtungsvoll“, wenn der Verlust auch schwer ist: „Beim letzten Konzert, unserem Weihnachtsoratorium, sind auf allen Seiten Tränen geflossen“, sagt sie.

Mittlerweile konnte die Nachricht schon zwei Monate lang sacken, die Chormitglieder seien nun „neugierig auf das, was kommt, trotz allen Bedauerns“. Anders als der letzte Wechsel, als Gerolf Jacobi nach 25 Jahren in Rente ging und alles weit im Vorhinein geplant werden konnte, geht es dieses Mal ziemlich schnell: Am 28. Februar endet Müllers Vertrag offiziell, sein letztes Konzert hat er bereits dirigiert, sein offizieller Abschiedsgottesdienst, den er selbst musikalisch gestaltet, ist am 17. Februar (Samstag) um 15 Uhr.

Übergangs-Lösung steht

Es wird bis Mai dauern, bis eine Nachfolge gefunden ist, und die wird vermutlich erst Ende des Jahres ihre Stelle antreten. Es wird eine Zeit der Schwebe für die Kirchenmusik in der Stadtkirche, eine Zeit der Schwebe vor allem auch für den Bachchor, auch wenn Klaus Müller für eine Übergangs-Lösung gesorgt hat: Kommissarisch hat der freiberufliche Kirchenmusiker Ansgar Kreutz die Leitung des Konzertchores übernommen. Die erste gemeinsame Probe ist schon am Freitag (2.2.): „Es ist ein bisschen so, als würde der Kapitän den Tanker im Anflug auf den nächsten Hafen verlassen“, sagt Kreutz. „Und dann braucht es einen Lotsen, der die nächsten drei Häfen ansteuert, bis eine Nachfolge kommt.“

Mit Häfen meint Kreutz die großen Konzerte, die der Bachchor jedes Jahr gibt, und die er nun vorerst leiten wird: eines im Frühjahr und eines im Herbst – und vor allem das Weihnachtsoratorium in der Adventszeit. Im besten Fall hat bis dahin die Nachfolge ihr Amt angetreten, sonst dirigiert Kreutz auch dieses Konzert. Selbst auf die Stelle bewerben wird und kann er sich nicht – denn er ist katholisch.

Was unter Müllers Leitung für den Chor vor allem prägend war, war die Durchsetzung einer Altersgrenze von 65 Jahren, mit dem Ziel, den Klang des Chores zu verbessern: „Die gab es vorher auch schon“, sagt Lorf, „und wir haben sie, weil das Rentenalter gestiegen ist, auf 67 Jahre hochgesetzt.“ Wirklich durchgesetzt wurde die Grenze jedoch nie, Müller änderte das.

Das passte nicht allen: Manche Menschen sangen zu diesem Zeitpunkt schließlich schon viele Jahre im Bachchor und mussten ihn dann verlassen. Zeitgleich baute Müller für diese Leute aber die Seniorenkantorei auf, die sie auffangen sollte. Mittlerweile ist die Seniorenkantorei von anfangs knapp über 10 auf fast 70 Mitglieder gewachsen, das Repertoire ist nach wie vor anspruchsvoll, nur gibt es keine regelmäßigen großen Konzerte mehr. Dass das alles so gut über die Bühne ging, liegt für Susanne Lorf an Müllers „großer menschlicher Kompetenz“.

Ausschreibung bis Mitte März

Seit Mitte des Monats ist die Stellenausschreibung in der einschlägigen Zeitschrift „Musik und Kirche“ (MuK) veröffentlicht, am 1. Februar folgt die Veröffentlichung in „Forum Kirchenmusik“, sie läuft bis Mitte März. Nach und nach dürften die Bewerbungen eintrudeln für diese A-Stelle, die exakt gleich bezahlt wird wie beispielsweise die Stelle am Hamburger „Michel“. Es ist eine attraktive Stelle für Kirchenmusiker: Sie umfasst die Arbeit mit dem Bachchor, die musikalische Gestaltung der Gottesdienste an der Orgel und „die Weiterentwicklung des kirchenmusikalischen Profils“, wie es in der Ausschreibung heißt.

„Der Nachfolger oder die Nachfolgerin tritt da in große Fußstapfen“, sagt Superintendent Ulf Schlüter, seit 1994 Pfarrer in Dortmund, der seit 2014 mit Klaus Müller regelmäßig die Gottesdienste in der Stadtkirche gestaltet hat: „Der vergleichbar gute Besuch der Gottesdienste in Reinoldi hat aus meiner Sicht besonders mit der musikalischen Gestaltung durch Klaus Müller zu tun“, sagt er.

Kommunikationsfähigkeit und Wille zu Kooperationen

Die Wünsche, die Schlüter an Müllers Nachfolge hat, sind neben „höchstem Niveau im Orgelspiel“ die musikalisch fachliche Leitung der Chöre – „und auch die Gabe, die Leute zu motivieren“. Wichtig sei außerdem die Fähigkeit, ein Orchester zu leiten, und – was auch Susanne Lorf betont – Kommunikationsfähigkeit und der Wille zu stadtweiten musikalischen Kooperationen. „Wir suchen hier natürlich keinen Klaus-Müller-Klon“, sagt Schlüter. „Auch nicht im Hinblick auf das, was er alles gemacht hat. Wir suchen eine neue Person, jemanden, der kreativ ist und ein eigenes Profil mitbringt, jemanden, der Akzente setzt in der Freiheit, die er oder sie hier bekommt.“

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