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Lebensgefahr auf der Kronen-Brache

Dortmunds gefährlichster Ort

Für die Polizei ist es einer der gefährlichsten Orte Dortmunds - das Kronen-Gelände an der Märkischen Straße. Es liegt seit Jahren brach, doch fast jedes Wochenende muss die Polizei Jugendliche vom Dach des Turms holen, in diesem Jahr bereits 18 Mal.

DORTMUND

von Von Peter Bandermann

, 14.06.2012
Lebensgefahr auf der Kronen-Brache

Der Abgrund ist tief: Wer hier abstürzt, kommt nur mit schweren Verletzungen davon. Polizei und Eigentümer warnen davor, hier ein Abenteuer zu suchen.

Der Besitzer hingegen sieht das Gelände ausreichend gesichert. Er besteht darauf, dass er seinen Sicherungspflichten nachgekommen sei. 

Um in 60 Metern Höhe auf dem Dach des früheren Fasslagers ihre Partys zu feiern oder einen romantischen Ausblick zu haben, haben die Eindringlinge sogar Stahltüren aufgebrochen und Mauern zum Einsturz gebracht.Wer betrunken ist und seinen „siebten Sinn“ verloren hat, kann schnell abstürzen: Aufzug-Türen schließen nicht mehr oder sind aufgerissen. Ein Fehltritt reicht für ein Desaster. Am vergangenen Wochenende war ein junger Mann drei Meter tief in einen Schacht gestürzt, hatte sich aber nur leicht verletzt. 

 Eine 71-Jährige hatte im vergangenen September weniger Glück: Die betrunkene Frau fiel fünf Meter in die Tiefe. Höhenretter der Feuerwehr konnten sie schwer verletzt retten. Polizeisprecher Manfred Radecke berichtet von weiteren Verletzten, „brandgefährlicher“ Abenteuerlust, Randale und Suizid-Versuchen.  

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Der alte Kronen-Turm an der Märkischen Straße

Der alte Kronen-Turm an der Märkischen Straße ist laut Polizei „einer der gefährlichsten Orte Dortmunds“. Wir haben uns dort am Mittwoch umgeschaut.
13.06.2012
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Bauzäune sollen den Zugang zum Kronen-Turm versperren - die Betonung liegt auf "sollen", denn diese Hindernisse sind schnell überwunden.© Foto: Peter Bandermann
Der Kronen-Turm (links) und das alte Wenker-Gebäude sind Nachbarn. Jugendliche veruschen, die versperrten Zugänge zwischen den Gebäuden immer wieder zu öffnen.© Foto: Peter Bandermann
Überall lauern die Gefahren: Dieser Schacht führt gut fünf Meter in die Tiefe.© Foto: Peter Bandermann
Die Elektroinstallationen sind von Kupferdieben geplündert worden.© Foto: Peter Bandermann
"Nicht schließen" steht auf dieser Tür.© Foto: Peter Bandermann
Deutlich erkennbar: Aufbruchspuren am Schloss einer schweren Tür aus Stahl. © Foto: Peter Bandermann
Der Abgrund ist tief: Wer hier abstürzt, kommt nur mit schweren Verletzungen davon. Polizei und Eigentümer warnen davor, hier ein Abenteuer zu suchen.© Foto: Peter Bandermann
Blick ins Erdgeschoss des alten Fasslagers.© Foto: Peter Bandermann
Hinter den Bauzäunen herrscht Absturzgefahr. Bei Dunkelheit ist diese Gefahr kaum zu erkennen.© Foto: Peter Bandermann
Der Kronen-Turm ist 60 Meter hoch - und seine Zukunft ungewiss. In Frage kommen ein Umbau und ein Abriss.© Foto: Peter Bandermann
Jugendliche hinterlassen mit Filzstiften ihre Spuren.© Foto: Peter Bandermann
Den Strom hat der Eigentümer längst gesperrt.© Foto: Peter Bandermann
Hier ragen alte Rohrleitungen aus der Wand.© Foto: Peter Bandermann
Überall sind die Spuren der Brauereigeschichte erkennbar.© Foto: Peter Bandermann
Aufgebrochene Tür im Kronen-Gebäude neben dem Turm.© Foto: Peter Bandermann
Mauer hinter Glas: Um den Zugang zu versperren, mussten hinter dieser Tür die Steine hochgezogen werden.© Foto: Peter Bandermann
Verrammelt und verriegelt: Immer wieder öffnen ungebetene Gäste die Zugänge zum Kronen-Gebäude an der Märkischen Straße.© Foto: Peter Bandermann
Die Rückseite des Kronen-Turms.© Foto: Peter Bandermann
Rückseite des Kronen-Gebäudes an der Märkischen Straße.© Foto: Peter Bandermann
Außenwand des Wenker-Gebäudes.© Foto: Peter Bandermann
Im alten Brauhaus.© Foto: Peter Bandermann
Blick auf altes Holzinventar im Wenker-Keller.© Foto: Peter Bandermann
Im alten Brauhaus an der Märkischen Straße.© Foto: Peter Bandermann
Eingeschlagene Scheiben im Brauhaus.© Foto: Peter Bandermann
Den Zugang zum Inneren hat der Eigentümer an verschiedenen Stellen zumauern lassen.© Foto: Peter Bandermann
Im Wenker-Keller. Hier ist es absolut dunkel. Eine Verbindung zum Funknetz besteht nicht.© Foto: Peter Bandermann
Im Wenker-Keller.© Foto: Peter Bandermann
Blick in den alten Wenker-Keller.© Foto: Peter Bandermann
Blick auf einen Schriftzug, der die Historie der Braustätte erläutert.© Foto: Peter Bandermann
Immer wieder muss die Polizei ausrücken, um Randalierer aus dem Gebäude zu holen.© Foto: Peter Bandermann
"Erleben Sie Dortmund": Dieser Aufkleber prangt auf einem umgestürzten Stahlschrank.© Foto: Peter Bandermann
Das Schild kümmert Eindringlinge herzlich wenig.© Foto: Peter Bandermann
Rohrleitungen und Ventile unter dem Brauhaus. Hier ist es absolut dunkel. Tageslicht dringt nicht bis in den Keller.© Foto: Peter Bandermann
Schild im Pumpraum unter dem Brauhaus.© Foto: Peter Bandermann
In einem Pumpraum unter dem Brauhaus.© Foto: Peter Bandermann
Eine massive Eisentür, gesichert durch ein Schloss und mit einer Schweißnaht. Doch solche Sicherungen sind für Abenteuerlustige kein Hindernis.© Foto: Peter Bandermann
Blick auf eine verschweißte Tür aus Stahl: Immer wieder öffnen ungebetene Gäste diese Türen mit Brecheisen, um einen Zugang zum Kronen-Turm zu finden. Mehrmals im Moment muss der Eigentümer diese Schlupflöcher sichern.© Foto: Peter Bandermann
Ein zu einem Strang gebundenes Kabel hängt von der Decke hinab.© Foto: Peter Bandermann
Überall lauern Gefahren: Dieser Blickwinkel führt von unten in einen Schacht.© Foto: Peter Bandermann
Hinter Mauern wie dieser lauern Gefahren. Der Eigentümer versucht mit massiven Anbauten das Objekt zu sichern - jedoch vergeblich.© Foto: Peter Bandermann
Im Wenker-Keller: In diesem Gewölbe wurde früher feste gefeiert.© Foto: Peter Bandermann
"Kein Netz" mit dem Mobiltelefon: Wer sich verletzt und hilflos ist, hat keine Funkverbindung.© Foto: Peter Bandermann
Mal einen Stuhlkreis gebildet: jugendliche treffen sich in dem abgesperrten Gebäude, um zu feiern.© Foto: Peter Bandermann
Im Keller: Hier ist ein Aufzugsschacht zugemauert worden. Allerdings treten ungebetene Gäste diese Sicherungen immer wieder ein.© Foto: Peter Bandermann
Blick in den Aufzugsschacht im Brauhaus.© Foto: Peter Bandermann
Blick in einen Aufzugschacht: Auch diese Tür der stillgelegten Anlage ist aus der Führungsschiene herausgehebelt worden.© Foto: Peter Bandermann
Hinter dieser mit Gewalt geöffneten Aufzugstür besteht Lebensgefahr: Der Schacht ist nicht gesichert. Wer im Dunkeln und / oder betrunken seinen 7. Sinn verliert, kann hier abstürzen.© Foto: Peter Bandermann
Absturzgefahr im Aufzugsschacht: Auf der Matraze sind Blutspritzer zu erkennen. Woher sie stammen, ist unklar. Im Juni 2012, kurz nachdem das Bild entstand, war hier aber ein Jugendlicher abgestürzt.© Foto: Peter Bandermann
Im alten Brauhaus. Hier war früher ein Museum.© Foto: Peter Bandermann
Eingeschlagene Scheibe mit Blick auf die Märkische Straße in Richtung B1 / Ophoff.© Foto: Peter Bandermann
Ein abgebrannter Bürostuhl in einer Etage über dem Brauhaus.© Foto: Peter Bandermann
Loch in der fassade des Kronen-Turms. In den Etagen lagerte die Brauerei früher die Bierfässer.© Foto: Peter Bandermann
In der Fassade sind Löcher: Wer hier das Gleichgewicht verliert, stürzt mindestens 40 Meter tief.© Foto: Peter Bandermann
Die Spitze des Kronen-Turms: In 60 Metern Höhe feiern Jugendliche ihre Partys.© Foto: Peter Bandermann
Deutlich erkennbar sind an den Türen die Aufbruchspuren.© Foto: Peter Bandermann
Immer wieder brechen Abenteuerlustige die Tür auf, die in das alte Brauhaus führt, um so auch den benachbarten Turm zu erreichen.© Foto: Peter Bandermann
"Zugang Brauerei-Museum": Ein Schild aus alten Tagen. Die Videoüberwachung gibt es nicht.© Foto: Peter Bandermann
Der Kronen-Turm (links) ist 60 Meter hoch. Auf dem Dach feiern Jugendliche ihre Partys. Aufstieg und Abstieg bedeuten Lebensgefahr. Es ist stockfinster.© Foto: Peter Bandermann
Der Kronen-Turm (links) und das alte Brauhaus an der Märkische Straße: Auf der Suche nach verbotenen Wegen gehen Jugendliche hier große Risiken ein.© Foto: Peter Bandermann

Das Kronen-Gelände gehört Hans-Georg Hovermann. „Die haben da schon einen 13-jähriges betrunkenes Kind vom Dach geholt“, sagt der Eigentümer. Er habe das Gelände mit Bauzäunen gesichert, lasse Stahltüren zuschweißen und Türen zumauern. Doch das helfe nicht: „Die brechen alles auf und waren sogar schon mit einer Flex am Werk, um die Schweißnähte aufzutrennen. Mehrmals in der Woche müssen Handwerker die massiven Sicherungen reparieren.“ Auch gestern hätten wieder Handwerker das Gebäude außen und innen neu absichern müssen.  

 Hovermann bemühe sich, den Kronen-Turm und das Wenker-Haus zu verkaufen. Ein Investor müsse sich zwischen Abbruch oder Umbau entscheiden. Konkrete Pläne gebe es jedoch weiterhin nicht.  „Mir ist vollkommen klar, dass die Jugendlichen nicht in böser Absicht in die Gebäude einbrechen“, so Hovermann. Doch mit „List und Tücke“ würden sie versuchen, die immer wieder verriegelten Zugänge zu öffnen – und dabei die Gefahren in den Brauerei-Ruinen ausblenden.

Kein Mobilfunknetz

Groß ist die Gefahr nicht nur wegen der absoluten Dunkelheit in den Katakomben – wer dort unten die Gefahr sucht, kommt im Extremfall darin um: In den Kellern besteht keine Funkverbindung zum Mobilfunknetz, so dass Hilfe durch einen Notarzt gar nicht oder erst spät herbei gerufen werden kann.  Hans-Georg Hovermann warnt eindringlich davor, die Kronen-Brache zu betreten. Außerdem: „Es ist allgemein bekannt, dass man nicht fremde Grundstücke und Gebäude betreten darf.“

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