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Löwenherz-Verein bittet um Spenden für operiertes Mädchen aus Afghanistan

Spendenaufruf

Ein sechsjähriges Mädchen aus Kabul musste sich in Dortmund einer schweren Operation unterziehen. Jetzt braucht sie einen Kinderrollstuhl und Physiotherapie-Stunden.

Dortmund

, 12.09.2018
Löwenherz-Verein bittet um Spenden für operiertes Mädchen aus Afghanistan

Tapferes Mädchen: die 6-jährige Roqaya auf der Station K23 in der Kinderklinik. Die Kinderorthopädie-Oberärztin Dr. Katrin Rosery und der auf Becken-Rekonstruktionen spezialisierte Arzt Dr. André Zahedi operierten das Mädchen aus Kabul. © Peter Bandermann

Afghanistan – ein Land, das wir mit radikal-islamistischen Taliban, Bombenterror und Abschiebung verbinden. Doch dies ist die Geschichte eines sechsjährigen Mädchens aus Kabul, das auf der Station K 23 der Dortmunder Kinderklinik die Herzen erobert. Roqaya (sprich: Rokia) ist schüchtern. Ihre dunklen Augen strahlen Vertrauen aus. Das Lächeln steckt an. Leicht hat es Roqaya in ihrem Leben nicht gehabt: Vor sechs Jahren wird sie in ein seit Jahrzehnten von Krieg und Terror erschüttertes Land hineingeboren. Fünf Jahre später stirbt ihre Mutter.

Das 667. Kind aus Afghanistan

An Brustkrebs. „Brustkrebs kann in Afghanistan nicht behandelt werden“, sagt der Mann, der Roqaya am Montag vor einer Woche mit einem Flugzeug aus Kabul abgeholt hat und über Istanbul nach Düsseldorf geflogen ist, um die von Geburt an unter einem ausgekugelten Hüftgelenk leidende Sechsjährige in der Dortmunder Kinderklinik operieren zu lassen.

Der Mann, der Roqaya nach Dortmund geholt hat, heißt Markus Dewender. Roqaya ist das 667. schwerkranke Kind, dass er in den vergangenen 15 Jahren als Mitglied des Vereins „Kinder brauchen uns“ nach Deutschland transportiert hat, um in Afghanistan unmögliche Operationen an einem sicheren Ort unter professionellen Bedingungen behandeln zu lassen.

Kooperationspartner des Vereins sind in Kabul die staatliche Kinderklinik und das afghanische Gesundheitsministerium. Aber der Chefarzt der Kinderchirurgie, Dr. Sahyed Sharif, kann komplizierte Operationen wie an Roqayas Hüfte nicht durchführen. Dewender: „Es gibt ein Foto, das eine im Operationssaal nistende Taube zeigt.“

Löwenherz-Verein bittet um Spenden für operiertes Mädchen aus Afghanistan

Roqaya (links) mit zwei Schwestern, während sie Essen zubereiten. Die Familie lebt in Kabul in einfachen Verhältnissen. © Privat

Furchtbare Zustände in der Klinik in Kabul

Nicht alle Patientenzimmer des Krankenhauses haben Fenster“, berichtet Markus Dewender über die „furchtbaren Zustände“ in der Kabuler Kinderklinik. Sterile Bedingungen seien „nicht ansatzweise vorhanden“. „Die Klinik ist ein Schlaglicht für die Probleme in Afghanistan“, erklärt er. „Trotz der Milliarden, die seit 2003 in das Land geflossen sind, hat sich dort nichts verbessert. Es ist alles viel schlimmer geworden.“

Das afghanische Gesundheitsministerium befindet sich zwar in unmittelbarer Nähe zu der Kinderklinik in Kabul, zeige aber „kein Interesse“ an einer den einfachen Bürgern zugewandten Gesundheitspolitik. Die Folge: „Leute mit Geld gehen in Privatkliniken oder fliegen nach Indien. Wer am Eingang einer Privatklinik keine 300 Dollar parat hat, kommt an den Wachen nicht vorbei.“

Warum die Operation erforderlich war und wer die beiden Vereine „Kinder brauchen uns“ und „Löwenherz“ sind, erklären wir in diesem Video:

Die Armut ist ein Schicksal, das auch Roqaya trifft. Markus Dewender sagt über die Armut und das Gesundheitssystem: „Ein schwer verletztes Kind in Afghanistan zu behandeln bedeutet den wirtschaftlichen Ruin der Familie. Die Eltern müssen alles verkaufen, was sie zu Geld machen können, und sie verschulden sich bei zweifelhaften Geldgebern, die horrende Zinsen verlangen.“

Spezialisiert auf Becken-Rekonstruktion

Zurück auf der Station K 23 der Kinderchirurgie. Ungewöhnlich viele Besucher stehen im Zimmer der Kinderorthopädie-Oberärztin Dr. Katrin Rosery. Neben Markus Dewender noch Rolf-Jürgen Neumann und Klaus Bullmann vom Dortmunder Verein Löwenherz, der auf Becken-Rekonstruktionen spezialisierte Klinik-Arzt Dr. André Zahedi und Mirvais Karsai, der ebenfalls für „Kinder brauchen uns“ aktiv ist.

Professor Dr. Christian Lühring aus der orthopädischen Klinik an der Beurhausstraße hatte den Verein Löwenherz gebeten, die Operations- und Pflegekosten für Roqaya zu übernehmen. Das Dortmunder „Löwenherz“ schlägt für Kinder. Die 70 Vereinsmitglieder und Spender helfen mit Geld und Sachspenden, wenn Kinder- und Jugendorthopäden auf Hilfe angewiesen sind. Im aktuellen Fall sind es 13.500 Euro. Geld, mit dem der Verein in Roqayas Zukunft investiert:

In Kabul zur Schule gehen können

Denn wieder auf den Beinen, soll Roqaya in Kabul eine Schule besuchen können. Sie und ihre vier Geschwister sowie der Vater sind in ein Förderprogramm aufgenommen worden, mit dem „Kinder brauchen uns“ die in Deutschland erzielten Operations-Erfolge langfristig absichern will. Markus Dewender: „Wir lassen nicht einfach operieren und dann geht es zurück ins Heimatland. Wir wollen vor Ort für den nachhaltigen Erfolg sorgen.“

Löwenherz-Verein bittet um Spenden für operiertes Mädchen aus Afghanistan

Auf dem linken Röntgenbild ist links das defekte Hüftgelenk zu. Der Hüftkopf steht oberhalb von seinem Gegenstück, der Gelenkspfanne. Rechts auf dem linken Bild die gesunde Hüfte. Rechtes Bild: Schrauben und eine Platte fixieren das operierte und wiederhergestellte Gelenk. © Peter Bandermann

Der Erfolg hat am vergangenen Mittwoch in Dortmund begonnen. In einer fünfstündigen Operation bildeten Dr. Katrin Rosery und Dr. André Zahedi mit Knochenmaterial des Mädchens ein „Pfannendach“ und rekonstruierten mit acht Schrauben und einer Pfanne ein Hüftgelenk, mit dem die für mehrere Wochen eingegipste Patientin wieder richtig laufen können soll. „Das war ein Spezialfall, den wir nur zusammen lösen konnten“, sagt Oberärztin Katrin Rosery.

„Die Operation ist genau so verlaufen, wie wir es geplant haben“, berichtet Dr. André Zahedi. Das eine oder andere Wort kann der Spezialist mit der Patientin wechseln, denn er versteht ein wenig Persisch. Roqaya kann bereits auf Deutsch um Wasser bitten und „Danke“ sagen.

Sie ist sehr schüchtern und spricht sehr leise, aber mit ihrem Lächeln verzaubert sie Ärzte, Schwestern und Pfleger und ihre Bettnachbarin Maike Wesseler aus dem Münsterland, die ebenfalls an der Hüfte operiert worden ist. Die 18-Jährige sagt über die Sechsjährige: „Sie macht das richtig gut und ist total tapfer. Es ist schwierig mit der Kommunikation, aber auch das kriegen wir gut hin. So, wie sie das hier alles meistert, hat sie unsere Unterstützung verdient.“

Kinderrollstuhl und Physiotherapie

Maike sagt das nicht ohne Grund: Die 13.500 Euro für das Klinikum sind zwar überwiesen, aber Roqaya ist weiter auf Hilfe angewiesen. „In acht Wochen braucht sie einen Kinderrollstuhl und Physiotherapie“, sagt Dr. Katrin Rosery. Klaus Bullmann und Rolf-Jürgen Neumann vom Verein Löwenherz und Markus Dewender bitten deshalb Sanitätshäuser oder Physiotherapeuten um zwei ungewöhnliche Sachspenden für die Sechsjährige.

In etwa einem Jahr, wenn Roqaya Deutschland längst wieder verlassen hat, ist die zweite Operation fällig. Dann wollen die beiden Dortmunder Klinikärzte die acht Schrauben und die Platte entfernen. Das Klinikum berechnet aus humanitären Gründen nur einen Minimalbetrag, doch auch dafür muss der Verein Löwenherz noch Spenden sammeln. Dr. Rosery: „Wir wollen Roqaya wieder richtig laufen sehen.“

Für die weiteren Flüge sorgt wieder Markus Dewender. Ehrenamtlich. Auch sein Verein arbeitet mit Spenden. Doch die Kosten seien hoch: „Nur wenige Fluggesellschaften landen noch in Kabul – und die lassen sich das richtig teuer bezahlen.“ Pro Kind kostet ein Flug bei Turkish Airlines via Istanbul über 1000 Euro.

„Wir konnten nur Morphium schicken“

Roqaya hatte schon vor einem Jahr Kontakt zu dem Kabuler Büro von „Kinder brauchen uns“. Markus Dewender, von Beruf Betriebswirt und Kaufmann, wollte ihrer an Brustkrebs erkrankten Mutter helfen. „Doch wir konnten nur noch Morphium schicken“, berichtet er. Die Mutter von fünf Kindern musste sterben. Roqaya, die Jüngste aus der Familie, ließ sich nicht aus der Bahn werfen. Als sie Anfang vergangener Woche am Flughafen in Kabul Abschied von ihrem Vater nahm, weinte sie nicht.

Von der Kinderklinik aus telefoniert sie mit ihrem Papa. Mirvais Karsai („Kinder brauchen uns“) berichtet ihm von den Fortschritten auf der Station K 23 in Dortmund. Die junge Patientin ermutigt er immer wieder, etwas lauter zu sprechen. Er schwärmt von ihr: „Roqaya ist außergewöhnlich intelligent und sehr dankbar. Denn sie hat verstanden, warum sie hier ist.“

Unbürokratische Hilfe ist Herzenssache

Das Mädchen ist umgeben von Menschen, denen unbürokratische Hilfe eine Herzenssache ist. Das gilt auch für die Gasteltern Necmettin und Rafiye Yildiz aus Hörde, die Roqaya jetzt schon regelmäßig besuchen und nach dem Klinikaufenthalt aufnehmen.

Mutter Rafiye Yildiz: „Wir haben bereits vor zwei Jahren ein Geschwisterpaar aufgenommen.“ Und warum, wenn das eigene Familienleben schon anstrengend genug ist? „Wenn es mir gut geht, dann muss ich anderen helfen. Nach diesem Motto leben wir“, sagt die Mutter. Ihre kleine Tochter hat Roqaya innerhalb einer Woche als „große Schwester“ ins Herz geschlossen.

Sehr tapferes Mädchen

Während Markus Dewender in dieser Woche auf den nächsten Flug nach Kabul und zurück wartet, um bis Sonntag sechs weitere Kinder für eine Operation nach Deutschland zu holen, hebt Roqaya immer mehr ihre Stimme. Dr. Katrin Rosery ist zuversichtlich, was auch den Heilungsprozess angeht. „Ich bin schwer beeindruckt, wie tapfer dieses Mädchen ist.“ Denn Roqaya ist auf der K 23 die kleine tapfere Löwin aus Afghanistan.

Löwenherz bittet um Spenden für Roqaya
  • Konto Löwenherz e.V.: BIC: GENODEM1DOR. IBAN DE70 4416 0014 6467 7555 00
  • Sie können einen Kinderrollstuhl verleihen oder Physiotherapie-Stunden spenden? Kontakt Löwenherz Dortmund: Rolf-Jürgen Neumann, Tel. 21 54 09.
  • Kontakt online: rolf-juergen.neumann@web.de
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