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Mit Blumen und Gartenzwergen zu einer besseren Gemeinschaft im Viertel

Kaiserbrunnen

Die Nachbarschaftsinitiative „Kaisern“ hat in den vergangenen Wochen auf sich aufmerksam gemacht. Sie verschönert den Stadtteil. Zumindest ihre Gartenzwerge stießen aber auch auf Widerstand.

Kaiserstraßenviertel

, 16.07.2018
Mit Blumen und Gartenzwergen zu einer besseren Gemeinschaft im Viertel

Gerhard Gruschczyk, Kalja Subellok und Karola Jaschewski (v.l.) von der Nachbarschaftsinitiative Kaisern an der Blumenwiese. © Michael Nickel

Die Gartenzwerge haben es nicht geschafft. Sie standen auf den Holzbalken am Kaiserbrunnen, wurden heruntergetreten, aber immer wieder aufgestellt. Jetzt sind sie verschwunden. Ein kleiner Teil des großen Projektes fehlt jetzt, aber das hindert die Initiative „Kaisern“ nicht daran, weiter zu machen und das Kaiserstraßenviertel zu beleben.

Der zentrale Platz soll aufgewertet werden

Die Mitglieder von „Kaisern“ waren es, die die Gartenzwerge immer wieder aufgestellt haben. Sie umrahmten eine Blumenwiese am Fuße des Kaiserbrunnens, eingerichtet auf „Kaisern“-Initiative und gefördert von der Bezirksvertretung und dem Grünflächenamt.

Kaisern versteht sich als Plattform für Gemeinsinn und bürgerschaftliches Engagement im Wohnumfeld. Die Mitglieder treffen sich an jedem 20. des Monats im Projektraum „offene Antworten“, Kaiserstraße 75. Weitere Infos gibt es unter www.kaisern.de.

„Wir sind alle Bewohner aus dem Viertel“, sagt Katja Subellok. Sie lebt seit drei Jahrzehnten in diesem Quartier. Sie schätzt den Kaiserbrunnen als zentralen Platz, mag die lebendige Atmosphäre, die vielen kleinen Geschäfte. Sie ist ein Teil von „Kaisern“.

Am Anfang stand ein Essen

Angefangen hat alles mit einem sogenannten Running Dinner im November 2014. Menschen gehen bei anderen Menschen essen, sind per Zufallsprinzip abwechselnd Gastgeber und Gast. So können sich die Bewohner einer Nachbarschaft, hier eben das Kaiserstraßenviertel, besser kennenlernen.

Mit Blumen und Gartenzwergen zu einer besseren Gemeinschaft im Viertel

Ein Bild aus besseren Gartenzwerg-Tagen. Immer wieder wurden die kleinen Männchen von Vandalen umgetreten. Mittlerweile sind sie ganz verschwunden. © Oliver Schaper

Dann hat sich eine Handvoll Nachbarn überlegt, was man machen könnte, um das Viertel sozialer zu gestalten, die Bewohner miteinander zu vernetzen und die Gegend „noch bewohnbarer, noch attraktiver“ zu machen, wie Katja Subellok sagt. Im Januar 2015 wurde die Initiative „Kaisern“ geboren.

Dann geht es mit dem Rollator zum Treffen

Seitdem trifft sich ein Dutzend Akteure aus der Nachbarschaft einmal im Monat, um miteinander zu sprechen und Ideen auszutauschen. Die älteste Mitgestalterin ist über 80 Jahre alt und kommt mit dem Rollator zu den Treffen. Im Verteiler sind gut 100 Mail-Adressen.

„Wir sind kein Verein, wir verfolgen keine gewerblichen Interessen“, sagt Gerhard Gruschczyk. Der Architekt wohnt seit einem Vierteljahrhundert im Kaiserstraßenviertel, hat hier seine Kinder großgezogen. Von Berufs wegen findet er die Architektur reizvoll, aber auch die Infrastruktur. „Das Kaiserstraßenviertel ist perfekt gelegen“, sagt er.

„Kaisern“ ist überparteilich und für alle offen

„Wir arbeiten nicht politisch, sondern sind am Leben orientiert“, sagt Katja Subellok. Und mit dieser Orientierung versucht Kaisern das Viertel aufzuwerten. Mit vielen kleinen Dingen, die eine große Sache ergeben. Da sind Bäume, die für einige Wochen umstrickt werden. Da sind Vogelkästen, von denen einige mittlerweile bewohnt sind. Da ist der Blumentopf auf der Statue, da ist der Denk-mal-nach-Platz. Da ist vor allem seit Anfang Juni die Blumenwiese.

Verschiedene Sorten wachsen hier innerhalb der hölzernen Umrahmung, die „Kaisern“-Menschen kommen an jedem Abend hier her und gießen die Blumen. Die Gießkannen stellen sie in den Kaiserbrunnen. Und während das Wasser hineinläuft, spielen sie im Schatten der Bäume eine Runde Boule. Und wenn sie das machen, oder wenn sie hier Müll sammeln oder die Beete pflegen, kämen immer wieder Menschen vorbei, um zu schauen und zu fragen, sagt Katja Subellok. „Das machen wir alles nicht zum Selbstzweck.“

„Ich habe jetzt mehr Bezug zum Quartier“

Die monatlichen Treffen finden im Projektraum „offene Antworten“ statt, sodass jeder, der vorbeiläuft, durch die Glasfassade hineinschauen kann. Und wer will, kann „Kaisern“ beitreten. „Wir wollen noch mehr Aktivitäten anbieten“, sagt Katja Subellok. Ob es Kunst im öffentlichen Raum wird oder ein Repair-Café? Wer weiß.

„Jede Idee wird besprochen. Wir schauen, was wir gemeinsam entwickeln können, wenn einer den Stein ins Rollen bringt“, sagt Karola Jaschewski, ebenfalls „Kaisern“-Mitglied. „Ich habe festgestellt dass, ich durch ‚Kaisern‘ mehr Bezug zum Quartier habe, ich fühle mich dafür verantwortlich und identifiziere mich noch etwas mehr.“ Da lässt sich die Initiative von ein paar verschwundenen Gartenzwergen nicht aufhalten.

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