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Nach Protest von Anwohnern zieht Bauträger Bauantrag zurück

Mehrfamilienhäuser

Eigentlich hatten die Oespeler Siedler, die den Bau von zwei Mehrfamilienhäuser verhindern wollen, auf die Unterstützung der Stadt gehofft. Verständnis gibt es nun von ganz anderer Seite.

Oespel

, 17.07.2018
Nach Protest von Anwohnern zieht Bauträger Bauantrag zurück

Ein Entwurf des geplanten Hauses am Brinksitzerweg, das die Stadt Ende April genehmigt hat. © Wolfgang Froese

Nachdem Oespeler Siedler Ende Mai öffentlich ihren Unmut über den geplanten Bau von zwei Mehrfamilienhäusern im Brinksitzerweg und Sämanweg geäußert und sogar über rechtliche Schritte nachgedacht hatten, hat der Bauträger bereits einen Tag später den zweiten, noch nicht genehmigten Bauantrag zurückgezogen. Darüber informierte Stadtrat Ludger Wilde in einem Schreiben die Bezirksvertretung (BV) in ihrer Juli-Sitzung.

Dass der Siedlerprotest und der zurückgezogene Bauantrag für den Sämanweg 9 im Zusammenhang stehen, bestätigte Bauträger Wolfgang Froese auf Anfrage dieser Zeitung: „Man kämpft nicht gerne gegen Windmühlen. Mein Anliegen ist es, stets alles einvernehmlich zu regeln. Deshalb versuchen wir, den Wünschen der Anwohner nachzukommen.“ Zudem ginge es auch darum, dass seine Reputation keinen Schaden nimmt. „Wir werden deshalb einen neuen Bauantrag für ein Doppelhaus stellen.“

Anfang 2019 sollen die Hochbauarbeiten beginnen

Die Planänderung gilt aber nur für das Bauvorhaben im Sämanweg 9. Im Brinksitzerweg 2a wird Wolfgang Froese so bauen wie geplant: ein Mehrfamilienhaus mit sechs Eigentumswohnungen. Die Genehmigung dafür hat die Stadt Ende April erteilt.

An dieser Stelle hält Wolfgang Froese den Bau eines Mehrfamilienhauses für unproblematischer als im Sämanweg. „Hier stehen bereits Doppelhäuser, die größer sind als unser geplantes Mehrfamilienhaus.“ Zudem sei es dort nicht so beengt wie am Sämanweg. Im Herbst werde das alte Siedlungshaus abgerissen, Anfang 2019 sollen die Hochbauarbeiten beginnen.

„Hier wird sich einfach hinter Paragrafen verschanzt“

Diese Wendung hatten Gerhard Hötzel und Willi Ötting von der Siedlergemeinschaft Oespel 2, die für den Protest federführend verantwortlich sind, nicht auf der Karte. Ihr Hilferuf galt vielmehr der kommunalen Politik, die zumindest Verständnis für die Siedler-Sorgen zeigte, und der Stadt.

Seit einigen Wochen werden Unterschriften gegen beide Bauvorhaben gesammelt. „Das Gros der Siedler hat unterschrieben. Weil wir die Listen noch zusammenführen müssen, kann ich die genaue Zahl nicht sagen“, so Gerhard Hötzel. Natürlich freue er sich, dass zumindest im Sämanweg der Bau des Mehrfamilienhauses abgewendet wurde.

„Wir sind zunächst einmal erleichtert, dass dieses Riesenprojekt nicht verwirklicht wird.“ Da habe sich Bürgerprotest mal gelohnt. Ihm fehle aber jedes Verständnis dafür, dass die Stadt das Mehrfamilienhaus im Brinksitzerweg genehmigt hat. „Hier wird sich einfach hinter Paragrafen verschanzt, dabei sagt einem doch der gesunde Menschenverstand, dass solche großen Häuser nicht in diese Siedlungen passen.“

Tatsächlich bezieht sich Ludger Wilde in seinem Schreiben an die BV auf den Paragrafen 34, Absatz 1 im Baugesetzbuch: Danach „ist innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile ein Vorhaben zulässig, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist. Die Anzahl der Wohneinheiten zählt nicht zu den gesetzlichen Einfügungskriterien.“ Mit anderen Worten: Hätte der Bauträger seinen zweiten Bauantrag nicht zurückgezogen, wäre er von der Stadt wohl auch genehmigt worden.

Siedler befürchten zunehmenden Verkehr und Parkplatznot

Die größten Bedenken der Siedler gegenüber den Mehrfamilienhäusern sind zunehmender Verkehr in den engen Straßen, eine Störung des Siedlungscharakters und Parkplatznot. Außerdem befürchten sie weitere Bauprojekte dieser Art. Die Unterschriftenlisten wollen die Siedler der BV beim Ortstermin übergeben. Ein Termin dafür steht noch nicht fest.

Willi Oetting, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Oespel 2, nimmt die neue Entwicklung eher zurückhaltend zur Kenntnis. „Wir werden weiterhin genau hinschauen, was das Doppelhaus betrifft.“

Er bleibe zunächst skeptisch und werde deshalb den geplanten Protest-Weg weitergehen – also Unterschriften sammeln und am Ortstermin mit der BV teilnehmen. Er bedauere es sehr, dass die Baugenehmigung für das Mehrfamilienhaus am Brinksitzerweg erteilt wurde: „Herr Pahmeier als Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Oespel 1 hätte seine Mitglieder früher informieren und schneller reagieren müssen.“

Er sei nur über das Bauvorhaben, nicht aber über die Größe des Objektes informiert gewesen, betont Dieter Pahmeier. Wie sich seine Siedlergemeinschaft in Bezug auf das Mehrfamilienhaus im Brinksitzerweg nun verhalten werde, wisse er aktuell nicht. „Das muss ich erst mit dem Vorstand besprechen.“ Über die neue Entwicklung für den Sämanweg freue er sich: „Das ist eine großer Erfolg für die Siedler.“

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