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Nie gebautes Kriegs-Mahnmal von Benno Elkan wird zum modernsten Denkmal Deutschlands

Virtuelle Kunst

Ganze sechs alte Schwarzweiß-Fotos waren der Grundstock für ein bisher weltweit einmaliges Kunstprojekt. IT-Pioniere in Dortmund haben ein nie gebautes Kriegs-Mahnmal jetzt virtuell erbaut.

Dortmund

, 31.08.2018
Nie gebautes Kriegs-Mahnmal von Benno Elkan wird zum modernsten Denkmal Deutschlands

Elkan-Enkelin Beryn Hammil, Viality-Chef Markus Rall und OB Ullrich Sierau bei der Präsentation des virtuellen Denkmals von Benno Elkan. Blickt man durch die Datenbrille sieht man das Denkmal wie hinten auf der Leinwand als 3D-Konstruktion im realen Raum. © Stephan Schütze

Beryn Hammil vergoss Tränen der Rührung. Die Enkelin des Künstlers Benno Elkan feierte am Freitag die Erfüllung eines Traums, geträumt von ihrem Großvater, dem berühmten Bildhauer und gebürtigen Dortmunder Benno Elkan (1877-1960).

Im Dortmunder Orchesterzentrum, genau an der Stelle, wo Elkans Elternhaus stand, konnte Beryn Hammil als Erste einen offiziellen Blick auf Elkans „Mahnmal für die Toten des Krieges“ werfen. Mit bloßem Auge sind die Mauerreste mit den geschundenen Körpern nicht zu sehen; denn das Mahnmal wurde nie gebaut. Beryn Hammil betrachtete die drei Meter breite Bronze-Skulptur durch eine Datenbrille als virtuelle Kunst im realen Raum, „aufgestellt“ auf dem Parkettboden der Bühne im Orchesterzentrum.

Virtuelle 3D-Konstruktion

Mithilfe der Virtual-Reality-Technik, der Erweiterung unserer realen Umgebung mit virtuellen Elementen (bekannt von Pokémon go), haben das junge Dortmunder IT-Unternehmen Viality mit seinem Geschäftsführer Markus Rall und Informatik-Professor Heinrich Müller von der TU Dortmund mit ihren Teams in einjähriger ehrenamtlicher Arbeit das Mahnmal zum modernsten Denkmal Deutschlands aus nur sechs Schwarzweiß-Fotos rekonstruiert und in 3D virtuell auferstehen lassen.

Beryn Hammil, die aus San Francisco angereist war, empfand „Freude, Erfüllung und Ehrfurcht für diese technische Leistung“. Und Dankbarkeit für diesen außergewöhnlichen Kunstmoment, der in der ganzen Welt simultan gesehen werden könne. Elkan, der bis zu seinem Tod in London lebte, wollte mit dem Werk die durch Krieg verletzte Würde des Menschen wieder aufrichten. Er starb, bevor er seine Vision realisieren konnte. Nur die Fotos eines Gipsmodells konnte seine Enkelin in einem Schuhkarton als Nachlass entgegennehmen.

OB Sierau: „Es würde Benno Elkan gefallen“

„Es würde Benno Elkan gefallen“, sagte Oberbürgermeister Ullrich Sierau, der das Projekt als „Weltpremiere“ vor Publikum im Orchesterzentrum und im Life-Stream präsentierte: „Die Erinnerungskultur in dieser Stadt ist die innovativste, die man sich überhaupt nur vorstellen kann.“

Verschiedene Akteure haben dem Projekt über das Technische hinaus zum Erfolg verholfen. Träger ist der Historische Verein, angestoßen wurde es von seinen Mitgliedern Wolfgang Weick und Gerd Kolbe. Und nicht zuletzt von Beryn Hammil, die zur Einweihung der Benno-Elkan-Allee vor zweieinhalb Jahren in Dortmund weilte. Die Sparkasse hat das Projekt mit einem mittleren fünfstelligen Betrag gesponsert.

Neun Meter breites Granitdenkmal

Benno Elkan habe seine schrecklichen Erlebnisse als Opfer des Krieges in dem Mahnmal verarbeitet, sagte der ehemalige Museumsdirektor Weick: „Sein Traum war es, dieses Mahnmal in seiner Geburtsstadt Dortmund als ca. neun Meter breites und hohes Granitdenkmal und als kleinere Bronzevariante zu erschaffen.“

Die Bronze-Variante ist ab sofort im Museum für Kunst und Kulturgeschichte mit Virtual-Reality-Brille zu betrachten. In vier bis acht Wochen ist auch das große Granitmahnmal in der Nähe des Dortmunder „U“ und später auch auf der Benno-Elkan-Allee hinterm U-Turm mithilfe einer App per Smartphone oder Tablet virtuell zu besichtigen. Beryn Hammil will es mit ihren Verbindungen auch in US-Museen platzieren.

Es gibt eine Internetseite über das Projekt. Sie stellt den Künstler Benno Elkan, die Unterstützer des Projekts und die technische Umsetzung vor.
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