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Nordstadt: Angreifer waren der Polizei bekannt

Missundestraße/Bornstraße

Nach dem Angriff auf Zivilpolizisten am Samstagabend in der Nordstadt nannte die Polizei am Montag weitere Details zu dem Fall. Lesen Sie hier, wie Polizisten die Diskussion über den Einsatz bewerten und was sonst noch über die Schläger bekannt ist.

DORTMUND

, 13.02.2017
Nordstadt: Angreifer waren der Polizei bekannt

Hier spielte sich der Zwischenfall ab.

Was war los in der Nordstadt?

Um 18.30 Uhr wollte eine Zivilstreife der Polizei am Samstagabend über die Missundestraße zu einem Einsatz fahren. Ein PKW blockierte die Weiterfahrt. Auf die Bitte eines ausgestiegenen Polizisten reagierte der Fahrer aggressiv. Am Ende schlugen und traten drei Männer auf Polizisten ein. Auch dann noch, als einer der Polizisten am Boden lag. Einer der Angreifer besorgte sich in einem Kiosk einen Baseballschläger. Die zwei Zivilpolizisten standen schließlich einer aus zehn Personen bestehenden Gruppe gegenüber – einer der Polizisten zog seine Pistole. Unterstützungskräfte konnten die Lage bereinigen.

Wie schnell traf die Verstärkung ein?

Nach 60 Sekunden. Denn einer der beiden Polizisten hatte während einer Observation über Lautsprecher und Köpfhörer („Headset“) Funkkontakt zu einem Kollegen. Der Kollege hörte das Geschehen auf der Missundestraße mit und organisierte Hilfe.

Warum haben sich die Polizisten nicht sofort ausgewiesen?

„Die Kollegen waren in einem nicht colorierten Streifenwagen auf dem Weg zu einem Einsatz. Sich sofort auszuweisen ist nicht im Sinne eines Zivilbeamten, eben weil er nicht als Polizist erkannt werden möchte. Es sei denn, es handelt sich um eine Kontrolle“, sagte dazu Polizeioberkommissar Sven Schönberg. Bei der Bitte, einen die Weiterfahrt störenden PKW fortzufahren, komme es auch nicht darauf an, ob ein Polizist oder ein anderer Bürger diesen Wunsch äußere. Sven Schönberg: „Die Ansprache war das geringste geeignete Mittel.“

Wer sind die drei Tatverdächtigen?

Zwei 19-jährige Dortmunder wurden unmittelbar nach der Tat festgenommen. Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte die Polizei, dass sie aus Syrien und der Türkei stammen. Einer ist bereits mit Raubüberfällen aufgefallen, der andere als Einbrecher. Nach einem dritten Komplizen fahndet die Polizei.

Wie reagiert die Polizei jetzt auf diesen Fall?

Sie ermittelt und wertet dabei Zeugenaussagen und Spuren aus. Die Ermittlungen zielen auf gefährliche Körperverletzung, Widerstand, Beleidigung und Sachbeschädigung ab.

Warum wurden die beiden Tatverdächtigen nach der Festnahme wieder entlassen?

Weil keine der drei Gründe für eine Untersuchungshaft zutraf (Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr, Wiederholungsgefahr).

Mit welchen Konsequenzen müssen die Beteiligten rechnen?

Die Kontrahenten schildern den Fall anders. Ermittlungen können sich also auch gegen die Polizisten richten. Darüber entscheidet die Staatsanwaltschaft. Weil der Fahrer gewalttätig reagiert haben soll, hat die Polizei bereits am Samstagabend die Stadt Dortmund informiert. Die Führerscheinstelle kann jetzt überprüfen, ob der Fahrer charakterlich für das Fahren eines Autos geeignet ist. Die strafrechtlichen Konsequenzen sind nicht absehbar – ein Gericht wird entscheiden.

Nach ähnlichen Ereignissen im Jahr 2016 taucht wieder das Wort „No-Go-Area“ auf. Ist die Nordstadt aus Sicht der Polizei ein rechtsfreier Raum?

Dazu Sven Schönberg von der Polizei-Pressestelle: „Der Fall schlägt hohe Wellen. Aber die Kollegen können das Wort No-Go-Area nicht mehr hören, denn sie gehen in alle Ecken und Wohnblöcke, in die sie gehen müssen. Sie wissen, in welchem Revier sie arbeiten und mit wem sie es zu tun haben können.“ Für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sagte Frank Schniedermeier: „Wir kennen diese Einsätze und wir können sie bewältigen. Aber sie sind nicht zu verhindern.“ Der Vorsitzende der GdP-Kreisgruppe Dortmund / Lünen hofft auf eine harte Bestrafung der Tatverdächtigen, ist aber pessimistisch.

Gibt es weitere Reaktionen?

Ja, als Sprecher der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord sagte Dorian Marius Vornweg, dass die Polizei „mehr Rückendeckung der Politik“ und „ausreichende personelle wie materielle Ressourcen“ benötige. Die Tat in der Nordstadt sei „erschreckend“.

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