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Pierre-Emerick Aubameyang muss nicht als Zeuge vor dem Dortmunder Landgericht aussagen

Prozess gegen BVB-Bomber

Pierre-Emerick Aubameyang muss im Prozess um den Bombenanschlag auf den BVB-Bus nicht mehr als Zeuge aussagen. Im Januar hatte „Auba“ mit einem Mini-Attest noch den Staatsanwalt empört.

Dortmund

, 21.08.2018

Seit Dienstag (21.8.) ist es endgültig: Auf einen Zeugenauftritt von Pierre-Emerick Aubameyang wurde vor dem Dortmunder Schwurgericht von allen Seiten verzichtet. Gericht, Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage versprechen sich offenbar von einer möglichen Aussage des extrovertierten Fußball-Profis aus Gabun keine neuen Erkenntnisse mehr. Die Passage über den Verzicht auf den Zeugen Aubameyang wurde auch ins offizielle Verhandlungsprotokoll aufgenommen.

Ursprünglich war der „Sportskollege Aubameyang“ (O-Ton Richter Peter Windgätter) ebenso wie alle anderen durch den Bombenanschlag von April 2017 betroffenen BVB-Mannschaftsmitglieder als Zeuge geladen gewesen. Alle aktuellen und ehemaligen BVB-Profis und Teammitglieder (inklusive Ex-Trainer Thomas Tuchel) haben vor Gericht inzwischen schon längst ausgesagt.

Aubameyang war erkrankt und „verhandlungsunfähig“

Als Ende Januar mit dem damals schwer an der Hand verletzten Marc Bartra der erste BVB-Profi vor Gericht aussagte, war eigentlich auch ein festes Zeitfenster für die Zeugenbefragung von Pierre-Emerick Aubameyang reserviert.

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Doch der Gabuner hatte einmal mehr für Verblüffung gesorgt: Denn anders als Marc Bartra (inzwischen zu Betis Sevilla gewechselt) war Aubameyang überraschend gar nicht erst ins Gericht gekommen, weil er angeblich spontan erkrankt und damit verhandlungsunfähig sei, wie es damals hieß. Das jedenfalls bescheinigte ein seinerzeit von BVB-Anwalt Alfons Becker im Prozess vorgelegtes Attest des BVB-Mannschaftsarzts. Details der Erkrankung suchten die Richter allerdings vergebens.

Justiz fühlte sich durch Aubameyang brüskiert

Staatsanwaltschaft und Gericht hatten sich durch das spärliche Auba-Attest zunächst brüskiert gefühlt und auch offen über mögliche Konsequenzen wie ein etwaiges Ordnungsgeld nachgedacht. „Ich finde, so etwas sollte sich die Justiz nicht bieten lassen“, hatte Oberstaatsanwalt Dombert spontan erklärt.

Zumindest denkwürdig war auch, dass nur zwei Tage nach der vermeintlichen Verhandlungsunfähigkeit der rund 63 Millionen Euro schwere Transfer Aubameyangs zu Arsenal London offiziell vermeldet worden war. Durch den jetzt protokollierten allseitigen Verzicht auf eine Zeugenladung von „Auba“ ist die Verhängung eines Ordnungsgelds aber auch endgültig vom Tisch.

Richter haben noch Nachfragen an Sergej W.

Der Prozesstag am Dienstag war nach knapp 20 Minuten bereits wieder beendet. Bevor Mitte September vor dem Schwurgericht ein Sachverständiger des Fraunhofer-Instituts ein ballistisches Gutachten zu der Sprengkraft der Bomben erstatten wird, möchten die Richter am kommenden Prozesstag (4. September) vom Angeklagten Sergej W. noch Antworten auf einige Nachfragen hören.

„Wie wurden die Sprengvorrichtungen von ihm platziert? Wieso konnte er sich angeblich sicher sein, dass keine körperlichen Schäden entstehen?“ Diese zwei Fragen gab Richter Peter Windgätter dem Angeklagten und seinem Verteidiger Carl Heydenreich schon einmal als Beispiele an die Hand.

Sergej W. hat im Prozess bereits gestanden, die Sprengsätze gebaut, vor dem l`Arrivée-Hotel in einer Hecke angebracht und am 11. April 2017 vor der Abfahrt zum Champions-League-Heimspiel gegen den AS Monaco gezündet zu haben. Nach eigenen Angaben wollte er von einem Absturz der Aktie der börsennotierten Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA profitieren. Die Anklage lautet unter anderem auf Mordversuch.
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