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Prozessauftakt gegen Brandstifter

Dortmunder Schwurgericht

Acht Mal hat der Angeklagte Feuer in seiner Heimatstadt gelegt. Doch mit dem Brand in einem Oestricher Mehrfamilienhaus habe er wirklich nichts zu tun, beteuerte der Castrop-Rauxeler vor dem Dortmunder Schwurgericht.

DORTMUND

von Von Anne Petersohn

, 30.08.2010

„Wenn ich es gewesen wäre, dann würde ich auch dazu stehen.“ Ausführlich berichtete der 22-Jährige, wie er im Januar dieses Jahres innerhalb von nur zwölf Tagen gleich neun Mal in Gartenlauben und Kellern von Mehrfamilienhäusern gezündelt hatte.  

In vier Fällen mussten Anwohner mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die Anklage lautet auf versuchten Mord. Immer nachts sei er mit seinem Auto planlos durch die Straßen gefahren, habe ein Mittel gegen Langeweile gesucht, erklärte der Arbeitslose. „Da bin ich auf die Idee gekommen, mal ein Feuer zu machen.“ Wo genau er am Ende ausstieg, sei reiner Zufall gewesen. Mal habe er einen Lampenschirm mit seinem Feuerzeug angesteckt, mal eine brennende Zigarette auf ein Sofa im Keller eines Mehrfamilienhauses geworfen. „Es ging mir darum, den Brand auch wieder zu löschen“, sagte der Castrop-Rauxeler, der Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist. So habe er neben seinem Handy stets auch einen kleinen Melder in der Tasche gehabt. „Ich wollte der Erste sein, der von einem Einsatz erfährt.“ Nicht immer habe dieser Plan funktioniert. Doch wenn er tatsächlich zum Tatort gerufen worden sei, um seinen eigenen Brand zu bekämpfen, habe er sich wie ein Held gefühlt. „Einmal stand ich in der ersten Reihe, habe zum ersten Mal mit einem Atemschutzgerät gearbeitet.“

An die schlafenden Menschen, die an den Folgen des Feuers hätten sterben können, habe er nie gedacht. „Da war die Vorstellung, dass ich einen Einsatz bekomme – mehr nicht.“ Nur beim Eintreffen der Rettungswagen habe er sich manchmal schuldig gefühlt. „Doch das war bis zur nächsten Nacht wieder vergessen.“

  • Der Prozess wird fortgesetzt.
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