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Schadensersatz: Darauf müssen Hannibal-Mieter achten

Fragen und Antworten

Fast 800 Bewohner mussten das Hannibal-Hochhaus im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld verlassen, weil Feuerwehr und Bauordnungsamt darin gravierende Brandschutzmängel festgestellt hatten. Die Mieter haben für Monate ihr Zuhause verloren. Worauf müssen sie achten? Wie geht es für sie weiter?

DORTMUND

, 25.09.2017
Schadensersatz: Darauf müssen Hannibal-Mieter achten

Das Hannibal-Hochhaus am Vogelpothsweg in Oberdorstfeld ist geräumt worden.

Der Dortmunder Mieterverein weist auf die Schadensersatzpflicht des Vermieters Intown hin. Welche Kosten können Mieter einfordern?

  • Sämtliche Fahrtkosten für PKW oder Nahverkehr, die durch die Zwangsräumung entstanden sind.
  • Kosten für Verträge wie Telekommunikation und Energie, wenn der Anbieter die Verträge nicht auflöst.
  • Sämtliche Umzugskosten für Auszug und Wiedereinzug.
  • Aufwand für Wohnungssuche und andere Organisations-Arbeiten: 12 Euro pro Stunde.
  • Quelle für diese Angaben: Mieterverein Dortmund.

Wie können die Mieter ihre Forderungen durchsetzen?

Sie müssen für sämtliche Ausgaben die Belege sammeln und die Kosten nachvollziehbar dokumentieren.

Worauf müssen Bewohner achten, wenn Sie den Mietvertrag kündigen?

Wer jetzt fristlos kündigt, hat anschließend keinen Anspruch auf Rückkehr in die Wohnung. "Nur wer für immer auszieht, kann fristlos kündigen." Alle anderen Mieter müssen den Vermieter - also Intown - darüber informieren, dass sie die Mietzahlungen kürzen oder stoppen. Der Mieterverein rät dazu und hat einen Musterbrief veröffentlicht.

Müssen Mieter die Verträge für Telekommunikation und Energie kündigen?

Ja, um Kosten zu sparen, sollten sie das tun. DEW21 hatte bereits Kontakte zu Kunden und setzt die Verträge auf 10 Euro pro Monat zurück.

Was ist, wenn Mieter nicht das Geld besitzen, um die entstehenden Kosten bezahlen zu können?

Tatsächlich wohnen im Hannibal per Sozialhilfe unterstützte Mieter. Woher sie das Geld für einen teuren Umzug nehmen sollen, weiß niemand. Es wäre sinnvoll, einen Nothilfe-Fonds einzurichten. Das fordert auch Rainer Stücker vom Mieterverein.

Wie ist die Stimmung unter den Mietern?

Der Mieterverein hat inzwischen rund 200 von über 400 Mietparteien beraten. Rainer Stücker: "Die Stimmung hat zwei Seiten. Zum Teil reagieren die Betroffenen sehr gefasst und sie haben sich darauf eingestellt, dass sie das alles  jetzt für sich regeln müssen. Die kleinen Netzwerke funktionieren bei der Suche nach einer Unterkunft. Auf der zweiten Ebene sind die Menschen sehr verbittert, weil ihnen die Zusammenhänge und Hintergründe nicht oder schlecht erklärt worden sind."

Mieterin Jasmin Keskin: "Viele hier haben nicht das Geld, das benötigt wird. Wir brauchen Hilfe." Der 23-jährige Mo Alhammal hat seinen Bruder und dessen Familie in seiner 25-Quadratmeter-Wohnung am Borsigplatz aufgenommen: "Die Situation ist schlimm. Wir sind auf einer Warteliste für eine Wohnung, wissen aber nicht, wie es weiter geht. Die eigene Suche nach einer Wohnung hat nichts gebracht. Wir brauchen Hilfe."

Sind die Mieter organisiert, haben sie eine Initiative gegründet?

Bisher nicht. Sie sprechen nicht mit einer Stimme. Jeder geht in dieser Notsituation seinen eigenen Weg. Der Mieterverein versucht zu helfen.

Welchen Part übernimmt die Stadt Dortmund?

Das Sozialamt stellt den Hannibal-Bewohnern kostenlos Wohnraum in Notunterkünften zur Verfügung. Wer kurzfristig keine Ersatzwohnung findet, kann in die Frenzelschule in Hörde oder in eine Unterkunft in der Breisenbachstraße in Oestrich einziehen. In Oestrich haben die Johanniter bis Sonntag (24.9.) 163 Hannibal-Bewohner aufgenommen. Die Betroffenen müssen in den Unterkünften so lange keine Miete bezahlen, bis sie eine neue Wohnung gefunden haben oder in den Hannibal zurückziehen können.

Brandschutz-Defizite, defekte Aufzüge - warum gibt es diese Mängel?

Hier werden Immobilien-"Altlasten" sichtbar: Bis 2004 war Dortmunds größtes Hochhaus im Besitz einer Tochtergesellschaft der Stadt Dortmund (DoGeWo). "Das Objekt ist mit einem Instandhaltungsstau verkauft worden. Seitdem hat es immer wieder Krisen gegeben", sagt Rainer Stücker vom Mieterverein Dortmund.

Was sagt der Eigentümer Intown?

Seit seiner Kritik an der Zwangsräumung durch die Stadt Dortmund hat sich das Unternehmen nicht wieder öffentlich geäußert. Wir haben Intown sechs Fragen gestellt und warten auf Antworten:

  • Wird Intown am Hannibal eine Anlaufstelle für Mieter einrichten, um Organisationsfragen aufnehmen oder direkt klären zu können?
  • Richtet Intown einen Fonds ein, um Mietern etwaige Kosten unbürokratisch zu erstatten?
  • Hat Intown das Objekt seit dem vergangenen Donnerstag unter dem Brandschutzaspekt und den festgestellten Mängeln inspiziert?
  • Welche Maßnahmen leitet Intown ein, damit die Mieter schnellstmöglich in die Wohnungen zurück können?
  • Bietet Intown seinen Mietern aktiv Ersatzwohnraum an?
  • Können Sie bereits abschätzen, wie hoch die Kosten zur Wiederherstellung der Bewohnbarkeit sein werden?

Gibt es bereits Aussagen darüber, wann die Mieter zurück in die Wohnungen können?

Nein. Der Leiter des Krisenstabs, Dortmunds Planungsdezernent Ludger Wilde, hatte bereits von "mehreren Wochen oder Monaten" gesprochen. So lange würden Bauarbeiten dauern, die notwendig sind, um die Brandschutzmängel u. a. an den Versorgungsschächten zu beseitigen. Die Kosten dafür sind sehr hoch und sollen laut Mieterverein  mindestens siebenstellig ausfallen.

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