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Schauspieler denkt blauweiß und singt schwarzgelb

Wie wird man Fan?

Ein Schalker sein, aber auf der Bühne die Schwarzgelben besingen, bejubeln, beklatschen: Rainer Kleinespel macht’s. Der Schauspieler und Schalke-Fan hat eine Hauptrolle in „Fangesänge“ an der Dortmunder Oper. Unser Mobiler Reporter hat ihn getroffen.

DORTMUND

von Von Nico Drimecker

, 20.06.2012
Schauspieler denkt blauweiß und singt schwarzgelb

Rainer Kleinespel (rechts) sing, fiebert, schreit und johlt im Stück »Fangesänge« in der Dortmunder Oper für den BVB.

Doch in dem BVB-Stück gibt es Zeilen, die kann er nicht singen. Sie brächen ihm das Herz. Meins lassen sie ein wenig höher schlagen.

„Ich habe schon die schlimmsten Rollen gespielt“, sagt Rainer Kleinespel und grinst. Für jede Rolle habe er „innerlich gefunden“, woher das richtige Gefühl für die Figur kommt – auch für die eines BVB-Fans.  Das Stück auf der Opernbühne dauert 90 Minuten. Minuten, in denen Rainer seine Liebe dem Beruf unterordnet. Dabei beobachte ich ihn – nicht, um Schlachtgesänge zu lernen, sondern: Wenn ein Schalker für BVB singen kann, sollte ich beim nächsten Public Viewing für Deutschland jubeln können. 

 „Den Fußballmotor habe ich ja in mir“, sagt Reiner. „Alles, was ich schwarzgelb sage, denke ich blauweiß.“ Aber ich denke weder blauweiß noch schwarzgelb, singen kann ich schon gar nicht.In den 90 Minuten fiebert Rainer mit dem imaginären Spiel, klammert sich vor Spannung ans Geländer der nachempfundenen Südtribüne, buht den Schiri aus. Er geht an die Grenzen der Stimme, des Körpers. „Das wollen die Zuschauer – auf dem Platz und hier.“ Rainer muss auch brüllen und schreien. Um Fußball-Fan zu sein, muss ich also nicht singen können.

 Zumal: Auch Rainer lässt einen Fangesang aus. Als die anderen Schauspieler anstimmen: „Ihr seid Schalker, asoziale Schalker...“, wedelt er nur den Schal. Nach der Vorstellung verrät er: „Das kann ich mir, meiner Geschichte, meinen Freunden nicht antun. Es gibt Grenzen, auch als Schauspieler.“ Zum Glück mimt er im Stück unter anderem auch Fifa-Chef Sepp Blatter.  Ohne Blatter-Perücke umrahmen grausilberne Haare im Stoppelschnitt sein Gesicht. Mit seinem Lächeln, den Fältchen um den Augen und dem Dreitagebart könnte Rainer Werbung sowohl für Hautcreme machen als auch für Bier. Ein sanfter Kerl.

 Wenn alle Schalker so sind, möchte ich Urlaub in Gelsenkirchen machen. Vorher aber sollte ich ein Spiel im Stadion sehen, rät mir Rainer. Kein großes muss es sein, Bezirksliga sei auch nicht schlecht.  An ein Leben ohne Fußball kann er sich nicht erinnern. „Ich bin auf die Welt gekommen, und Fußball war mein Leben.“ Ein Acker neben dem Haus der Eltern diente als Bolzplatz. „Mein Zufluchtsort.“ Heute wohnt er neben dem Signal Iduna Park und spielt für seinen Heimatverein SV Dorsten Hardt. Nie hat er den Verein verlassen, sagt er, klopft sich auf die Brust und küsst das nicht vorhandene Wappen. Schal wedeln, gröhlen, Trikot küssen, vielleicht singen – ich werde noch zum Fan.

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