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Schulte: Für Erfolg im Einzelhandel fleißig "tummeln"

DORTMUND In den vergangenen Wochen gab es wenig gute Nachrichten aus dem Einzelhandel. Über die Situation im Allgemeinen und im Besonderen in Dortmund sprach Bettina Kiwitt mit Dr. Wilm Schulte, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Westfalen-Münsterland.

von Von Bettina Kiwitt

, 09.08.2008

Endzeitstimmung im Einzelhandel. Der Umsatz ist im Juni real um 3,8 Prozent gesunken. Wehmeyer, Hertie und SinnLeffers haben Insolvenz angemeldet. Was ist in der Branche los? Schulte: Man kann es überall lesen, die Energiekosten steigen, Lebensmittel werden teurer. Die Inflation steigt. Das Geld fließt woanders hin. Dazu kommt die weitere Flächenexpansion. Aber man darf nicht nur schwarzmalen und muss differenzieren. Nicht alle Firmen und Branchen im Einzelhandel schwächeln.

Wo sieht's denn gut aus? Schulte: Glaubt man den neuesten Zahlen, geht es dem Buchhandel und vor allem dem Versandhandel gut. Hierbei verzeichnet vor allem der online-Handel gute Wachstumsraten und nimmt damit den ambulanten Händlern etwas weg. Da der Gesamtumsatz sich nicht erhöht, kommt es zu Verteilungskämpfen. Es wird deshalb eine weitere Bereinigung geben. Wobei ich hoffe, dass die Struktur nicht nur von den Großen geprägt wird.

Warum haben SinnLeffers und Wehmeyer Probleme? Schulte: Der großflächige Textileinzelhandel hat es versäumt, neue Strategien zu entwickeln. Es kommt bei Kunden nicht mehr an, nur verschiedene Marken nebeneinander zu positionieren. Die großen Häuser haben zudem die Konkurrenz der Markenshops zu verkraften.

Zum Teil wird schon der Abgesang auf die klassischen Warenhäuser wie Karstadt und Kaufhof angestimmt. Hertie hat schon Insolvenz anmelden müssen. Schulte: Eine bedenklich Entwicklung, die sich aber über einen längeren Zeitpunkt bereits abgezeichnet hat. Den klassischen Warenhäusern fehlt es an innovativen Konzepten.

Wie kann sich der kleine Händler in diesen Zeiten behaupten? Schulte: Wer Qualität und guten Service bietet, wird bestehen. Jeder kann seine Nische finden. Die guten werden immer überleben und das gar nicht mal schlecht.

Was macht einen erfolgreichen Einzelhändler aus? Schulte: Er muss sich "tummeln", er muss Ideen haben, er muss in jeder Hinsicht professionell arbeiten. Die Mitglieder in der Dortmunder Qualitätsroute sind dafür ein gutes Beispiel.

Aber die Qualitätsroute schützt auch nicht vor Pleiten. Das Küchenstudio Seeger war gerade in der Qualitätsroute, da gab es auf, weil die Kunden fehlten. Schulte: Das soll uns auch nicht noch einmal passieren. Daher muss jeder Anwärter auf die Qualitätsroute nun einen betriebwirtschaftlichen Check hinter sich bringen.

Insgesamt ist die Qualitätsroute eine Erfolgsgeschichte... Schulte: Wenn ich auf etwas stolz, dann darauf. Das macht tierischen Spaß. Das Konzept übernimmt übrigens die Stadt Würzburg."Auch das Stadtbezirksmarketing ist in die Jahre gekommen. Da muss was getan werden. "

Anderes nicht so erfreuliche Thema. Die Entwicklung in den Stadtteilen. Da hapert's an vielen Stellen. Die Nahversorgung mit Lebensmitteln wird immer mehr zum Problem. Schulte: Da ist sicherlich vieles problematisch. Auch das Stadtbezirksmarketing ist in die Jahre gekommen. Da muss was getan werden. Aber Patentrezepte, wie man die Probleme lösen kann, gibt es nicht. Jeder Stadtteil sollte sein individuelles Profil finden und ausbauen.

In manchen Stadtteilen sieht es auch gar nicht so schlecht aus... Schulte : Die großen Stadtteile sind im Großen und Ganzen gut aufgestellt. Hörde läuft ganz gut und auch die Entwicklung in Hombruch macht Mut.

Aber in Aplerbeck hapert's... Schulte: Was ich schon früher gesagt habe: Das Rodenberg-Center hat der Köln-Berliner-Straße geschadet und Hertie hat darunter gelitten.

Eben hatten Sie das Problem der weiteren Flächenexpansion erwähnt. Da kommt man schnell zum Einkaufscenter auf dem Thiergelände. Schulte: Ich sehe da keine wirklich ernsthaften Hindernisse mehr. Wir werden weiter darauf achten, dass es eine vernünftige, verträgliche Lösung für die gesamte Stadt gibt. Die ECE-Verantwortlichen wissen auch, dass sie bestimmte Dinge hier nicht so durchsetzen können wie vielleicht in anderen Städten.

Der ein oder andere Händler wird unter dem Center leiden. Schulte: Es wird Verwerfungen geben, keine Frage. Aber wie ich schon öfter betont habe: Wir wollen keine Käseglocke über die City stülpen. Wichtig sind und bleiben die Größenordnung, der Branchenmix und die Öffnung des Centers zur Innenstadt.

Wie sollte das Einkaufscenter weiter begleitet werden? Schulte: Es ist extrem wichtig, dass das Center nach Eröffnung eng mit der Einzelhandelsverband, dem City-Ring und der Qualitätsroute kooperiert, damit auch künftig der Handel gemeinsam handelt.

Kürzlich haben wir eine Statistik veröffentlicht, dass Dortmund in Sachen verfügbares Einkommen eher zu den Schlusslichtern in Nordrhein-Westfalen gehört. Das ist für den Handel doch eigentlich katastrophal. Schulte: Die Kaufkraft hier ist einer der Schwachpunkte. Dennoch ist Dortmund in Sachen Handelsentwicklung gut aufgestellt. Das liegt vor allem am Masterplan Einzelhandel, am Konsultationskreis Einzelhandel, wo alle einzelhandelsrelevanten Projekte abgestimmt werden.

Es gibt auch Kritik, dass in Dortmund alles überreguliert wird. Schulte: Die Kritik gibt es, aber unsere Erfolge sprechen eine deutliche Sprache. Die weitere Flächenausdehnung auf der grünen Wiese haben wir eingedämmt. Davon profitiert die City wie auch die Stadtteile. Dortmund wird landauf, landab um seine Handelsentwicklung beneidet.

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