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Seil war falsch konstruiert

Amtsgericht muss wegen des Bungee-Unglücks gegen Jochen Schweizer verhandeln

DORTMUND Nach dem tödlichen Bungee-Unglück muss sich Jochen Schweizer jetzt doch wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Ein neues Gutachten kommt zu erschreckenden Ergebnissen.

von Von Andreas Wegener

, 12.09.2007
Seil war falsch konstruiert

Das gerissene Seil nach dem Sprung.

Was Experte Dr. Bernd Fago vom renommierten Ingenieur-Büro Schimmelpfennig und Becke nach über eineinhalbjähriger Arbeit herausgefunden hat, dürfte allen, die jemals vom Florian im Westfalenpark gesprungen sind, den Atem stocken lassen:   Bei der Herstellung des Seiles, das Anlagenbetreiber Jochen Schweizer selbst produzieren ließ, gab es nach RN-Informationen einen gefährlichen Konstruktionsfehler am Seilkopf. Dadurch entsprach es offenbar nicht mehr der von der Prüfstelle vorgesehenen Bauform.

Zudem habe eine falsche „Überwicklung“ zwangsläufig zu Überspannungen im Seil geführt – die Folge: Die Abnutzung bzw. Materialermüdung war nicht mehr zu kontrollieren. An dem Unglückstag 20. Juli 2003 hätte kein Sprungbetrieb stattfinden dürfen, weil es viel zu heiß war. Das Seil war nur für eine Umgebungstemperatur von 5 bis 35 Grad zugelassen.

Wegen der fehlerhaften Seilkonstruktion und mangelnder Unterweisung der Mitarbeiter treffe Jochen Schweizer ein „Organisationsverschulden“, war zu erfahren. In der knappen Pressemitteilung des Landgerichts hieß es gestern: „Die 31. Strafkammer hält insbesondere das nun vorliegende Gutachten des Sachverständigen für ausreichend, um die Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht stattfinden zu lassen.“

Voraussichtlich Anfang nächsten Jahres wird sich der 50-Jährige aus München vor dem Schöffengericht um Helmut Kittel verantworten müssen. Dieselbe Kammer hatte es im März 2005 abgelehnt, ein Hauptverfahren gegen Schweizer zu eröffnen – u.a., weil sie den Gutachter für befangen hielt. Es handelte sich um den selben Experten, der auch die Anlage am Florian abgenommen hatte. Der aktuelle Beschluss des Landgerichts ist nicht anfechtbar, teilte dessen Pressestelle weiter mit. Ob der Angeklagte strafrechtlich für das Unfallgeschehen verantwortlich ist, bleibe der Hauptverhandlung vorbehalten.

„Keinen Kommentar“ Das Büro von Jochen Schweizer wollte gestern zu den Vorwürfen nicht Stellung beziehen: „Dazu geben wir keinen Kommentar“, sagte Prokurist Michael Kiesl. Auch die dringende Frage, ob Seile der gleichen Bauart derzeit überhaupt noch verwendet werden, blieb gestern zunächst offen.

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