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Sicherheitslage vor Neonazi-Demo spitzt sich zu

Antifaschistisches Zeltlager geplant

Linke Initiativen aus NRW rufen bundesweit zur Teilnahme an einem „Antirassistischen Camp“ im August in Dorstfeld auf - eine Woche vor der großen Neonazi-Demo am 1. September. Gewalt ist offenbar einkalkuliert, bei der Polizei läuten die Alarmglocken.

DORTMUND

von Von Peter Bandermann

, 26.06.2012
Sicherheitslage vor Neonazi-Demo spitzt sich zu

Im August 2003 räumte die Polizei in Köln das "Antirassistische Grenzcamp". Camp-Teilnehmer hatten Einsatzkräfte mit Steinen und Hundekot-Paketen beworfen. Ein ähnliches Zeltlager ist jetzt in Dortmund-Dorstfeld geplant.

Das einwöchige Zeltlager soll nach Kölner Vorbild über die Bühne gehen. Dort sind Einsatzkräfte im Jahr 2003 mit Fäkalbomben und Steinen beworfen worden, bevor das Lager von der Polizei geräumt wurde. Es hatte zuvor Straftaten von Camp-Teilnehmern gegeben.

„Wir suchen nicht die physische Eskalation. Wir wollen uns nicht auf Teufel komm raus mit der Polizei oder mit Nazis prügeln“, erklärte eine anonyme Sprecherin am Dienstag gegenüber unserer Redaktion. Allerdings rechnen die Organisatoren in den Nächten zwischen dem 24. August und 2. September fest mit rechtsextremistischer Gewalt gegen das Lager, zumal die Camper ihre Zelte in Dorstfeld aufschlagen, wo mehrere Neonazis wohnen. „Gewalt geht zuallererst von den Nazis aus – und darauf bereiten wir uns auch vor“, so die Sprecherin, die unter dem Pseudonym „Anna Potzetzki“ auftritt. „Anna Potzetzki“ will ihren echten Namen aus Sicherheitsgründen nicht nennen.

Der Camp-Standort in Dorstfeld soll so lange wie möglich geheim bleiben. Bei der Standortsuche setzen die Organisatoren nach eigenen Angaben auf einen „positiven Dialog“ mit der Stadt. „Wir sind darauf aber nicht angewiesen“, so die Sprecherin.

 Von den rund 700 Camp-Teilnehmern im Jahr 2003 in Köln waren Diebstähle, Landfriedensbruch, Sachbeschädigungen, Hausfriedensbruch und Verstöße gegen das Versammlungsgesetz ausgegangen, berichtete der Kölner Polizeisprecher Christoph Silles.Das Dorstfeld-Camp sei hingegen als Basislager für antirassistische Arbeit mit Dortmunder Bündnissen zu verstehen, erklärte „Anna Potzetzki“. Von dort aus wollen die Aktivisten eine Woche lang auf den „nationalen Antikriegstag“ der Neonazi-Organisationen am 1. 9. hinarbeiten, Propaganda-Aktionen stören und Druck auf die Szene ausüben. Ziel: den Nazi-Aufmarsch verhindern.

Ob Dortmunder Polizei und Stadtverwaltung das Camp zulassen, ist offen. Zunächst richtet die Polizei ihren Blick nach Köln, wo bereits für diesen Juli ein Antifa-Camp angekündigt wurde.

 Bei Ausschreitungen am Rande der Demonstrationen gegen den Dortmunder Neonazi-Aufmarsch im September 2011 waren 44 Polizisten und über 100 Demonstranten verletzt worden.

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