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So schnell wird man ein Terrorist

Claus von Wagner im Cabaret Queue

03.06.2007

Hörde Claus von Wagner Perfekt inszenierte Kleinkunst mit einer fein abgestimmten Mischung aus Theater, Satire und politischem Kabarett zeigte (Foto) mit seinem Programm «Im Feld» am Samstagabend im Cabaret Queue. In der Trennungsnacht mit der Ex-Freundin zu tief ins Weinglas geguckt - und schon stellen ungewollte Vaterfreuden den jungen Mann, den von Wagner auf der Bühne präsentiert, vor schier nicht zu bewältigende Herausforderungen. Kurzerhand campiert er mit Tchibo-Campingausstattung vor seiner Wohnung auf dem Münchner Gärtnerplatz. Vor dieser Kulisse streift der Kleinkünstler mit seinem Publikum in einer perfekt verwobenen Inszenierung verschiedenster Kleinkunstgenres durch den politischen Alltag und flieht vor der Verantwortung für sein noch ungeborenes Kind. Dabei karikiert er den «Kleingärtnerverein» der großen Koalition, gibt Kostproben von Münteferings sauerländischer «Pressprosa» («Das wollten wir nicht. Das brauchen wir nicht. Glückauf») und führt entlarvende Zwiegespräche mit seinem ungeborenen Kind. Gleichzeitig sehen Medien, Polizei und Staatssicherheit in dem «Helden» zunächst einen verwirrten Kunstaktivisten, dann Psychopathen und schließlich einen gefährlichen Umweltterroristen. Wie mit schnellem Strich gezeichnet skizziert Wagner seine Charaktere mit Gesten, markantem Tonfall und ausdrucksstarker Mimik. Die nasale Intonation und spannungslose Handhaltung Angela Merkels oder die schnodderige Aufforderung Udo Lindenbergs, «mehr zu pimpern», setzt der 29-Jährige ebenso treffend ein wie immer wiederkehrende Andeutungen, die das Bühnenstück als durchkomponiertes Gesamtwerk erscheinen lassen. Lebendiges politisches Kabarett ohne Staub und Scheu vor Komik. Heike Thelen

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