Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Spielbank Hohensyburg zerstört Neun-Meter-Kunstwerk

Wegen Brandschutz-Umbau

Kulturgut vernichtet: Einst schuf der Bildhauer Max Bill eine Edelstahl-Plastik für das Foyer der Spielbank Hohensyburg. Jetzt wurde bekannt: Das Casino hat die riesige Skulptur vor einigen Jahren für den Brandschutz-Umbau zerlegt - und damit zerstört.

SYBURG

, 14.11.2014
Spielbank Hohensyburg zerstört Neun-Meter-Kunstwerk

Die Spielbank Hohensyburg hat ein Kunstwerk von Max Bill zerstört.

„Das Werk wurde bereits vor mehr als zehn Jahren abgenommen“, erklärte Christof Schramm, Sprecher von Westspiel, auf Nachfrage. Ehemals sei es „maßgeschneidert“ für das Casino-Foyer geschaffen und mit der dortigen Architektur verbunden worden. Das über drei Etagen reichende und vier Meter breite Werk wurde für den Brandschutz-Umbau entfernt. 

Als die Brandschutzbestimmungen verschärft wurden, musste die neun Meter hohe „Unendliche Spiralfläche“ des Schweizer Bildhauers Max Bill (1908-1994) weichen. „Dieses Kunstwerk ist jetzt futsch und hat keinen Handelswert mehr“, sagte Jakob Bill, der Sohn des international bekannten Künstlers, der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf. Der Skandal um die Dortmunder Plastik war im Zusammenhang mit der gestrigen Millionen-Versteigerung von zwei Warhol-Bildern des Spielcasinobetreibers Westspiel ans Licht gekommen, der zur landeseigenen NRW-Bank gehört. Für den Umbau musste das Werk zerlegt werden, so Schramm – „mit der Flex oder so“.

Bauchtechnische Auflagen und die Sicherheit der Gäste seien nun mal höher zu bewerten, als ein Kunstwerk. Man habe die Plastik „fachmännisch“ zerlegt, und ein großer Versicherer habe die Riesen-Spirale ankaufen wollen, sei jedoch wieder zurückgetreten, nachdem die Max-Bill-Foundation gesagt hatte, das sei nun kein Kunstwerk mehr. „Wenn man ein Kunstwerk zerlegt, ohne dass es Stellen gibt, die dafür vorgesehen sind, dann ist es in der Tat zerstört“, sagt Kurt Wettengl. Der Direktor des Museums Ostwall meint, man „hätte alles dafür tun müssen, so ein Kunstwerk zu erhalten“. Wettengl spricht von „unendlicher Wertschätzung“ des Künstlers.

„Max Bill ist ein weltweit renommierter Künstler, der als Mitbegründer der Ulmer Schule Wegweisendes geleistet hat für die so genannte konkrete Kunst.“ Sein Werk sei „keine Dekoration, sondern ganz intensive Auseinandersetzung mit Form und Ausdruck", so Kurt Wettengl. Mit diesem Kunstwerk sei auch ein Kulturgut vernichtet worden. Die Einzelteile des bei Westspiel unter dem Namen „Edelstahl-Endlosspirale“ geführten Werks lagern heute nach Auskunft des Westspiel-Sprechers in einer Galerie in Willich. „Es ist ja kein Kunstwerk mehr.“ Und was wird damit passieren? Schramm: „Wer einen großen Garten hat, kann es sich abholen.“

Der Bildhauer, Maler und Designer Max Bill (1908 - 1994) war einer der bedeutendsten Vertreter der Konkreten Kunst. Er nahm dreimal an der Documenta in Kassel teil. Westspiel verfügt nach Aussage des Unternehmenssprechers mehr als 235 Kunstwerke im Wert von rund 6 Millionen Euro – ohne die jetzt veräußerten Warhol-Bilder.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt