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Stalking: Wenn der Ex keine Ruhe gibt

DORTMUND Ein Aufsehen erregender Fall von "Stalking" beschäftigt derzeit das Amtsgericht. Seit Monaten macht ein 47-Jähriger seiner Noch-Ehefrau das Leben zur Hölle. Kein Einzelfall, wie die Polizei berichtet.

von Von Andreas Wegener und Jörn Hartwich

, 07.08.2008
Stalking: Wenn der Ex keine Ruhe gibt

Schon wieder hat der Ex-Freund seiner Verflossenen eine SMS geschickt. Im Hintergrund steht er schon und beobachtet sein Opfer. Wie in dieser gestellten Szene geht es immer mehr Menschen.

Weil sie ihn nach 20 Jahren Ehe verlassen hat, verfolgt der Ex die Frau laut Anklage praktisch auf Schritt und Tritt. Mehrfach soll er sie nach der Arbeit abgepasst haben, selbst vor der Kanzlei ihres Anwalts habe er keinen Respekt. Morddrohungen, Beleidigungen, Schläge: Der 47-Jährige schrecke vor nichts zurück.

Eine vom Familiengericht erlassene Verfügung, nach der er einen 50-Meter-Radius um seine Frau schlagen muss, scheint ihn nicht zu interessieren. Unter dem Vorwand, seinen Sohn sehen zu wollen, taucht er immer wieder an und in der Wohnung seiner Frau auf. "Ich habe nur noch Angst", sagte seine Frau vor Gericht. Doch was soll sie machen? Zurzeit meldet sie jeden Vorfall der Polizei. 17 Anzeigen liegen schon vor - und es werden immer mehr. Die letzten Taten sind gerade erst ein paar Tage alt.

Tätern droht Haftstrafe

"Allein im ersten Halbjahr haben wir rund 220 Anzeigen wegen Stalkings bearbeitet", sagt Polizeisprecher Wolfgang Wieland. Das wiederholte Verfolgen und Belästigen eines Menschen (Stalking) ist seit Frühjahr 2007 eine Straftat, kann bis zu drei Jahre Haft einbringen. Obwohl der entsprechende Paragraf 238 StGB ein "Antragsdelikt" ist, behandelt ihn die Polizei wie ein "Offizialdelikt". "Das bedeutet, dass wir alle Fälle, von denen wir erfahren, auch verfolgen. So kann kein Täter dem Opfer den Vorwurf machen, es habe ihn angezeigt", erklärt Angelika Barlog, Opferschutzbeauftragte der Polizei.

Ihr werden alle Stalking-Fälle gemeldet; sie sorgt dafür, dass die Betroffenen Informationen über qualifizierte Hilfseinrichtungen bekommen. "Gute Erfahrungen haben wir zudem mit so genannten 'Gefährderansprachen' gemacht. Dass bedeutet, dass der Stalker Besuch von der Polizei bekommt und mit seinen Taten und den möglichen Folgen für ihn konfrontiert wird. Viele Täter geben die Nachstellungen danach auf", so Barlog.

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