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Street-View: „Big Brother“ auf Rädern

DORTMUND Virtuelle Stadtrundfahrten sind bald auch außerhalb der USA, Australiens und Japans möglich. Denn Google Street View soll in ein paar Monaten auch in Deutschland angeboten werden. Derzeit kurven Kamera-Fahrzeuge im Auftrag des Suchmaschinen-Riesen durch Dortmund.

von Von Gaby Kolle

, 28.08.2008

Willi Kramer, Chefordner am BVB-Trainingszentrum in Brackel, wurde richtig mulmig, als der schwarze Corsa um die Ecke bog: „Ich hab‘ gedacht, ich bin auf dem Mond“, erzählt der 70-Jährige. Auf dem Dach des Opel thronte – über einen Meter hoch – eine Kamera auf Stelzen: elf Linsen, Rundblick, alle zwei Sekunden ein hochauflösendes Bild. Die High-Tech-Kamera fotografiert zurzeit flächendeckend Dortmunds Straßen im Auftrag des Internet-Giganten Google. Eine 360-Grad-Aufnahme nach der nächsten. Hintereinander ergeben diese Aufnahmen zum Durchklicken eine virtuelle Stadttour durch Dortmund aus der Sicht eines Autofahrers. Alles für Google Streetview, eine Zusatzfunktion des Kartendienstes Google Maps.

Bitte lächeln! Und nicht in der Nase bohren – wer zufällig mit aufs Foto kommt. Die Bilder werden in einigen Monaten weltweit im Internet abrufbar sein, eingefrorenes öffentlich-privates Leben global multipliziert. Bedenken von Datenschützern tritt Stefan Keuchel (39), Sprecher von Google Deutschland, entgegen. Gesichter und Autokennzeichen würden gepixelt. Wer sich dennoch erkannt fühle, könne mit einem einfachen Formular Google informieren. „Wir nehmen sein Bild dann raus.“Es gehe bei Streetview nicht um Personen, „sondern um die faszinierende Möglichkeit, sich eine Stadt aus Straßenperspektive anzugucken“, so Keuchel, „uns wäre am liebsten, wenn niemand auf der Straße wäre.“ Deshalb gibt der Suchmaschinenriese auch keine Auskunft darüber, wann und wo seine Kamera bewehrten Autos gerade kurven. Keuchel: „Wenn auch nur gerüchteweise bekannt wird, wo wir gerade herfahren, stehen Menschen am Straßenrand, um politische Botschaften, Liebeserklärungen wie Heiratsanträge oder Werbung zu platzieren.“ Bei Regen macht es keinen Sinn, sich auf Verdacht an die Straße zu stellen. Dann fahren die Google-Autos nämlich nicht. Nachdem die Straßen in Frankfurt, München und Berlin im Google-Kasten sind, konzentriere man sich zurzeit u.a. auf den Ballungsraum Ruhrgebiet, erklärt der Sprecher. 40 Städte in den USA sind bereits bei Google Street View zu finden, auch Metropolen in Japan und Australien.

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