Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Tarif-Dschungel macht Bahnfahren deutlich teurer

Seit 1. August

Wenn Uwe Böseler jetzt mit der Bahn von Mengede nach Münster fährt, zahlt der Pendler deutlich mehr als noch vor drei Wochen. Je nach dem, welche Winkelzüge er in dem Tarif-Dschungel findet, ist eine Fahrt seit dem 1. August um 40 bis 80 Prozent teurer. Der Grund: Seine Bahncard kann er nicht mehr einsetzen wie bisher.

DORTMUND

, 17.08.2017
Tarif-Dschungel macht Bahnfahren deutlich teurer

Im Schnitt fährt Uwe Böseler aus Mengede etwa zehnmal im Monat nach Münster und zurück. Attraktive Preisvorteile, die er mit seiner Bahncard bisher auch im Nahverkehr nutzen konnte, sind seit dem 1. August gestrichen.

Aus beruflichen und privaten Gründen fährt Uwe Böseler seit etwa 20 Jahren zwischen Dortmund und Münster hin und her. Immer mit der Bahn. Für 14,50 Euro fuhr er mit einem Ticket und seiner Bahncard 50 in den vergangenen Jahren von Tür zu Tür. "Es war so einfach, weil man den Nahverkehr mit nutzen konnte. Jetzt plötzlich wird es so kompliziert gemacht. Entweder man zahlt nun 26 Euro oder sucht sich unter Verwendung von drei Tickets eine nur etwas günstigere Variante", sagt Uwe Böseler.

Besser ab Castrop-Rauxel

Ein Sündenbock ist in Pendlerkreisen längst ausgemacht. Man spricht in Internet-Foren vom "Tarifgespenst Westfalentarif". Der Westfalentarif hat bei Bus und Bahn am 1. August die bisher fünf eigenständigen Tarife in Westfalen-Lippe (von Holzwickede bis Höxter und von Burbach bis Bielefeld) abgelöst. Das Tarifgebiet reicht auch bis Dortmund. "Das ist unverständlich, weil Dortmund ja eigentlich zum Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) gehört. Und es führt dazu, dass es für mich, der ich erst in Mengede einsteige, günstiger ist, eine Fahrkarte von Castrop-Rauxel nach Münster zu lösen."

Die Bahncard ist eine Rabattkarte der Deutschen Bahn. Sie gewährt dem Inhaber Preisnachlässe auf bestimmte Fahrkarten. Im Geltungsbereich des Westfalentarifs gibt es diese nicht mehr. Die Bahncards 25 und 50 werden dort nicht anerkannt. "Dass das die Betroffenen ärgert, ist verständlich – aber unvermeidbar", sagt Uli Beele, Sprecher des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) in Unna.

Es sei nicht anders zu händeln gewesen, als dass Besitzer der Bahncard diese nicht mehr im westfälischen Regionalverkehr verwenden können. Sonst hätten Kunden ohne Bahncard den Rabatt der Bahncard-Inhaber mitbezahlen müssen. Das Preisniveau hätte dann höher liegen müssen. "Das wollten wir nicht. Die Bahncard ist eigentlich nur eine Karte für den Fernverkehr. Die Zahl der Bahncard-Inhaber, die unseren Nahverkehr nutzen, ist relativ klein. Sie müssen in den sauren Apfel beißen", so Beele.

Bewusste Entscheidung

Nur achselzuckend reagiert auch die Deutsche Bahn. NRW-Sprecher Dirk Pohlmann sagt: "Wir würden es begrüßen, wenn die Bahncard weiter anerkannt würde, wie es auch in anderen Tarifverbünden üblich ist." Es habe lange Gespräche mit dem NWL gegeben. "Nun ist es leider so gekommen. Es war eine bewusste Entscheidung." Für Uwe Böseler konterkariert diese Neuregelung alle Bemühungen, Menschen dazu zu bewegen, vom Auto auf die Bahn umzusteigen: "So treibt man Leute aus dem Bahnverkehr raus. Es wird nichts vereinfacht, sondern es wird nur teurer. Und man wird nicht einmal informiert."

Im Kundencenter der Bahn im Hauptbahnhof ist Böseler mehrfach vorstellig geworden, um sich zu beschweren und nach dem für ihn nun günstigsten Fahrpreis zu fragen. "Wie man mir sagte, gibt es viele Beschwerden. Ich sei längst nicht der Einzige."

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt