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Trippelschritte

Die beiden Dortmunder Bundestagsabgeordneten Marco Bülow (SPD, 36) und Michael Kauch (FDP, 42), umweltpolitische Sprecher ihrer Fraktionen, haben ihren persönlichen Klimaschock erlebt: von 30 Grad plus auf 3 Grad minus - als sie mit der offiziell 50-köpfigen deutschen Delegation vom Weltklimagipfel in Bali zurückkehrten. RN-Redakteurin Gaby Kolle sprach mit ihnen über ihr Resümee.

18.12.2007

Trippelschritte

Michael Kauch

Auf der Klimakonferenz hat die Welt beschlossen, zwei weitere Jahre bis zum nächsten Gipfel in Kopenhagen zu verhandeln. War der Gipfel nicht mehr als eine Mogelpackung?

Kauch: Teils, teils.

Bülow: Würde ich auch so sehen.

Welcher Teil war gemogelt?

Kauch: Das Wichtigste war, und das ist erreicht worden, dass es ein Verhandlungsmandat unter der Klima-Rahmenkonvention gibt, mit dem Ziel, dass alle Industrieländer, auch die USA, den Ausstoß von Treibhausgasen vermindern. Und dass auch die Entwicklungsländer sich bereit erklärt haben, sich am Klimaschutz zu beteiligen. Das ist das, was wir als Deutsche erreichen wollten. Die Alternative wäre gewesen, uns nur mit den Ländern zu einigen, die das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben.

Bülow: Das ist auch wichtig für mich. Wir müssen die mit einbeziehen, die immer die Bremser sind.

Nochmal: Und welcher Teil ist nun die Mogelpackung?

Bülow: Bei allen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die man schon länger zum Klimawandel hat, sind wir noch nicht so weit, wie wir sein müssten. Die Festlegung auf die Zielmarke, bis zum Jahr 2020, die Emission um 25 bis 40 Prozent zu reduzieren, haben wir nicht geschafft. Das ist verkümmert.

Kauch: Es wäre wichtig gewesen, uns über die Ziele zu einigen, damit wir nur noch über die Instrumente streiten müssen. Da haben aber auch nationale Interessen hineingespielt, besonders bei Russland, Japan, den USA und vor allem Saudi-Arabien.

Wie sollen die Instrumente aussehen?

Kauch: U.a. ein globaler Kohlenstoffmarkt nach dem Vorbild des Emissionshandels der EU als Anreiz für Emissionsminderung. Des weiteren müssen wir die Technologiekooperation erhöhen und den Technologietransfer in Schwellen- und Entwicklungsländern verbessern.

Bülow: Wir müssen die Zerstörung des Regenwaldes stoppen. Wir waren drei Tage vor dem Gipfel auf Borneo und haben vor Ort gesehen, wie die Regenwaldzerstörung voranschreitet. Das macht 20 Prozent des CO2-Ausstoßes weltweit im Jahr aus.

Kauch: Der Luftverkehr hat einen Anteil von vier bis sechs Prozent weltweit. Das Thema Wälder war für mich der große Fortschritt auf der Konferenz. Wenn man die Waldzerstörung miteinbezieht, ist der drittgrößte CO2-Emittent Indonesien, nach den USA und China.

Bülow: Der Regenwald wird abgeholzt, um Palmöl-Plantagen für Biosprit anzulegen. Das ist wichtig zu wissen, wenn wir hier mit der Beimischung von Biosprit in den Kraftstoff dazu beitragen, CO2 einzusparen, aber in Indonesien gleichzeitig der Regenwald abgeholzt wird.

Kauch: Wir müssen konzeptionell arbeiten. Wie gestaltet man z.B. die Instrumente für den Regenwaldschutz? Wie honorieren wir, dass man den Wald nicht abholzt? Wie können wir durch Zertifizierung sicherstellen, dass wir durch unsere Klimapolitik den CO2-Ausstoß nicht erhöhen, indem wir Biomasse aus illegalen Plantagen bekommen? Noch haben wir keine endgültigen Konzepte.

Was haben Sie persönlich als Politiker vom Klimaschutzgipfel mitgebracht?

Bülow: Mir hat er Dinge klarer werden lassen. Er war notwendig. Die Trippelschritte, die wir gemacht haben, waren wichtig. Aber es ist erst ein Anfang gemacht, es müssen größere Schritte folgen und nicht nur zur nächsten Klimakonferenz.

Kauch: Wichtiger als die Konferenz war für mich das Vorprogramm des Umweltausschusses in den indonesischen Waldgebieten, zu sehen, wie die Programme arbeiten, die wirksam sind, etwa die nachhaltige Bewirtschaftung durch Zuckerpalmen und Kautschuk. Wir müssen an der Wurzel ansetzen und dürfen nicht nur theoretisch diskutieren.

Trippelschritte

Trippelschritte

Trippelschritte

FDP-Kreisvorsitzende Michael Kauch.

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