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Tuchel: Wäre ohne Anschlag heute noch BVB-Trainer

Neue Aussagen im Prozess um den BVB-Anschlag

Der Bombenanschlag vom 11. April 2017 beschäftigt den BVB bis heute. Torwart Roman Weidenfeller ist nach wie vor in psychologischer Behandlung. Auch andere Spieler und Trainer machen in ihren Aussagen klar: Der Anschlag ist weiterhin Thema in der Mannschaft.

Dortmund

, 19.03.2018
Tuchel: Wäre ohne Anschlag heute noch BVB-Trainer

Thomas Tuchel hat am Nachmittag vor dem Landgericht ausgesagt. © DPA

Update 15:43

Auch Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel hat zu dem Bombenanschlag und dessen Folgen ausgesagt. Dabei machte der 44-Jährige das Attentat mitverantwortlich für seine Entlassung zum Ende der vergangenen Saison. Auf die Frage von Oberstaatsanwalt Carsten Dombert, ob er seiner Ansicht nach ohne den Anschlag heute noch Trainer von Borussia Dortmund sei, antwortete Tuchel: „Ja, davon würde ich ausgehen.“

Tuchel macht einen „gravierenden Dissens“ zwischen ihm und BVB-Geschäftsführer Aki Watzke für sein Aus bei Borussia Dortmund verantwortlich. „Der größte Dissens war wahrscheinlich, dass ich im Bus gesessen habe und er nicht“, sagte Tuchel.

Nach Informationen dieser Zeitung allerdings war das Verhältnis zwischen Tuchel und Watzke sowie weiten Teilen der Mannschaft schon vor dem Anschlag zerrüttet – und eine Zusammenarbeit über den Sommer hinaus galt als nahezu ausgeschlossen.

Tatsache ist, dass der BVB schon am Tag nach dem Anschlag die Champions-League-Partie gegen AS Monaco nachholen musste. Tuchel hält dies heute – genau wie seine ehemaligen Spieler Sven Bender, Marcel Schmelzer und Roman Weidenfeller – für einen Fehler. „Ich habe mich bereit erklärt, das Spiel zu coachen“, sagte Tuchel als Zeuge. Er stellte aber klar: „Der Zustand der Mannschaft war am nächsten Morgen so, dass es absolut keinen Sinn gemacht hat, zu spielen.“

Ursprünglicher Artikel:

Das Dortmunder Landgericht hat eine Reihe von Spielern, Betreuern und Ex-Trainern als Zeugen geladen. Und keiner von ihnen wirkt, als lasse ihn das dramatische Geschehen kalt. "Das ist eine Sache, die man nicht vergisst", sagte Torwarttrainer Teddy de Beer. Noch heute erlebe er Situationen, in denen ihn der Vorfall einhole und er denke: "Oh, das hätte auch schiefgehen können."

Torwart Roman Weidenfeller nimmt sogar bis zum heutigen Tag psychologische Hilfe in Anspruch. "Der Vorfall hat mein Leben verändert", sagte Weidenfeller. Innerhalb des Mannschaftskreises sei der Anschlag, bei dem Verteidiger Marc Bartra schwer am Unterarm verletzt wurde, weiterhin ein Thema.

So sehr jedoch Oberstaatsanwalt Carsten Dombert es auch versuchte: Keiner der Zeugen konnte oder wollte bestätigen, dass der Bombenanschlag auch einer der Gründe für den Vereinswechsel Bartras im Januar gewesen sein könnte.

Nachhol-Spiel sei ein "großer Fehler" gewesen

In einem Aspekt waren sich am Montag nahezu alle Zeugen einig: Im Nachhinein sei es falsch gewesen, dass der BVB die Champions-League-Partie gegen AS Monaco bereits am Tag nach dem Attentat wiedrholen musste. "Unglücklich", nannte dies der inzwischen nach Leverkusen gewechselte Sven Bender. "Ich glaube, wir haben alle einen großen Fehler gemacht."

Mannschaftskapitän Marcel Schmelzer sah das ganz genauso: "Keiner von uns hatte in dieser Nacht geschlafen. Keiner hatte auch nur einen Gedanken an dieses Spiel verschwendet." Schon die Fahrt zum Stadion sei schlimm gewesen. Auch Roman Weidenfeller schloss sich seinen Mannschaftskameraden an: "Aus meiner Sicht ist es immer noch unverständlich, dass man uns nicht mal einen Moment der Ruhe gegönnt hat. Wir sind doch auch Menschen und keine Maschinen."

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