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Verband rüttelt Einzelhändler wach: "Jeder muss auch im Netz präsent sein"

Einzelhandel

Während der Umsatz an den Ladenkassen auf der Stelle tritt, meldet der Online-Handel zweistellige Zuwachsraten. Folge: Der Druck auf kleinere, inhabergeführte Geschäfte nimmt zu.

Dortmund

, 26.07.2018

Thomas Schäfer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Westfalen-Münsterland, weiß, wie er Statistiken zu deuten hat. Auf den ersten Blick scheint alles gut: 2017 sind die Umsätze im Einzelhandel zum achten Mal in Folge gestiegen. Sie legten nominal um 4,1 Prozent zu, rechnete Schäfer bei der Vorstellung des Jahresberichtes vor. Beim genaueren Hinsehen zeigt sich: Rechnet man die Preissteigerungen (Inflation) heraus, bleibt ein reales Wachstum von 2,5 Prozent über alle Einzelhandelsbranchen. Was Schäfer nachdenklich macht: In den Ladenkassen der ansässigen Geschäfte kommt das Plus kaum an. „Der stationäre Handel stagniert eher." Anders beim Online-Handel: Der habe erneut um (nominal) elf Prozent zugelegt. Das habe sich auch in den ersten fünf Monaten 2018 fortgesetzt. Besonders gefragt: Kleidung und Elektronik. „Das alles hat Folgen“, warnt Schäfer.

Verpächter in der City sollen mit den Mieten runter

Das Wort „ausbluten“ mit Blick auf die City nimmt Schäfer (noch) nicht in den Mund. Doch der Druck auf kleinere, von Inhabern geführte Fachgeschäfte werde steigen. In Vororten sei bereits zu beobachten, dass die Angebots- und Branchenvielfalt sinke. Karin Eksen, Geschäftsführerin des Handelsverbandes, legt jedem Händler ans Herz, „im Internet präsent zu sein.“ Das sei leider noch immer nicht bei allen angekommen. Schäfer sieht zudem die Immobilienbesitzer an Westen- und Ostenhellweg in der Pflicht: „Sie müssen von ihren Mietforderungen runter.“ 2018, so die Prognose, werde „jeder zehnte Euro“ im Internet ausgegeben. „Die Umsätze verschieben sich immer weiter“, sorgt sich Schäfer. Handel, aber auch Politik und Verwaltung seien aufgefordert, der Entwicklung etwas entgegenzusetzen.

Keine Bedenken gegen zwei Möbelhäuser

Gegen Wettbewerb hat Schäfer nichts einzuwenden. Im Gegensatz zu Teilen der Politik habe er keine Bedenken gegen die Ansiedlung der beiden Möbelhäuser Segmüller am Indupark in Oespel und XXXLLutz an der Bornstraße/Hildastraße. Selbst dann nicht, wenn Auswirkungen auf Anbieter in den Nachbarstädten zu erwarten seien. „Die Regeln im Regionalen Einzelhandelskonzept werden eingehalten“, betont Schäfer, „und Gutachter haben alle Gegenargumente entkräftigt.“ Dass die politische Entscheidung im Herbst schwierig wird, ahnt er. „Ich würde mich freuen, wenn wenigstens eines der beiden Häuser käme.“

Neue Lieferkonzepte für E-Mobilität sind gefragt

Einmal mehr warnt der Handelsverband „vor Schnellschüssen“ in der Diskussion um Fahrverbote. „Wir brauchen die Verkehrswende“, sagt Schäfer. Ein Fahrverbot für Lkw auf der B1 werde den Verkehr auf dem ohnehin hoch belasteten Autobahnring nur weiter verstärken. Wie die Luftqualität in der City gesteigert werden könne? Karin Eksen hat Vorschläge: Die Händler könnten stärker für Bus und Bahn werben, Ladesäulen für E-Autos aufbauen oder neue Lieferkonzepte für E-Mobilität entwickeln. Auch wenn das nicht einfach sei. „Viele Händler haben unterschiedliche Lieferzeiten.“

Rund 20.500 Menschen sind im Dortmunder Einzelhandel beschäftigt – er bleibt ein Pfeiler der Wirtschaft. 951 neue Ausbildungsverträge hat es 2017 gegeben. Insgesamt sei die Zahl der Beschäftigten um 2400 gestiegen, sagt Schäfer. Aber auch diese Statistik bedarf seiner Interpretation: In den Zahlen, räumt er ein, seien die rund 1600 Amazon-Mitarbeiter auf der früheren Westfalenhütte enthalten.

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