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Verwahrlostes Nackthunde-Rudel aus Gartenverein attackiert ein Kind und zwei Erwachsene

Tierschutz

In einem Gartenverein lebt ein Rudel Nackthunde unter prekären Bedingungen in einer Laube. Jetzt haben die Tiere Menschen attackiert. Tierschützer haben einen Anwalt eingeschaltet.

Körne

, 04.09.2018
Verwahrlostes Nackthunde-Rudel aus Gartenverein attackiert ein Kind und zwei Erwachsene

Ein Rudel verwahrlost lebender Nackthunde hat zwei Erwachsene im Gartenverein „Zur Lenteninsel“ attackiert und verletzt. © Arche 90

Zum Glück sei am Sonntag nichts Schlimmeres passiert, sagt Dennis Thiel. Das Vorstandsmitglied der Tierschutzorganisation Arche 90 berichtet erleichtert, aber auch aufgebracht von dem, was am Sonntag (2.9.) in der Gartenanlage „Zur Lenteninsel“ in Körne vorgefallen ist.

Der Mann hob das Kind geistesgegenwärtig hoch

An diesem Nachmittag, kurz vor 16 Uhr, war ein Mann mit einem kleinen Kind in der Anlage unterwegs, als mehrere Nackthunde über den Zaun einer Parzelle sprangen und in Richtung der beiden rannten. Geistesgegenwärtig hob der Mann das Kind hoch, die Hunde kratzten und bissen in seine Unterschenkel. „Wenn er das nicht getan hätte, hätten die Hunde dem Kind das Gesicht zerkratzt“, sagt Thiel.

Als eine Frau den beiden zur Hilfe kam und das Rudel zunächst verscheuchte, griffen die Hunde auch sie von hinten an und verletzten sie an den Unterschenkeln. So berichtet es Arche 90 und so bestätigt auch die Polizei auf Anfrage den Vorfall.

Die Hunde waren zwischenzeitlich schon im Tierheim

Nachdem das Veterinäramt der Halterin die Hunde zwischenzeitlich weggenommen hatte, darf sie die Tiere seitdem unter Auflagen weiter behalten.

„Dass jetzt dieser Angriff passiert ist, ist fürchterlich“, sagt Gabi Bayer, die ebenfalls für Arche 90 aktiv ist: „Es ist genau das geschehen, vor dem wir immer gewarnt haben. Aufgrund der isolierten Haltung und der Dunkelheit sind die Hunde reizüberflutet, sobald sie mal rauskommen. Und wenn dann noch jemand an ihrem vermeintlichen Revier vorbeiläuft, ist es ganz schlecht.“ Genau das sei nun passiert.

Verletzt, stinkend und aggressiv

Arche 90 setzt sich seit Anfang August dafür ein, dass die 13 Hunde ein neues Zuhause erhalten. Damals hatte eine Nachbarin aufgrund der katastrophalen Bedingungen die Polizei informiert, die wiederum die Tierschutzorganisation damit beauftragte, das Rudel ins Tierheim zu bringen.

In der Laube habe es gestunken, die Hunde seien aggressiv und verletzt gewesen. Die Hunde kamen also ins Tierheim, kurz darauf ging es aber auf Anweisung des Veterinäramtes wieder zurück zur Halterin. „Es hat sich nichts verbessert“, sagt Dennis Thiel.

Zwingerhusten und Parasiten bei den Tieren

Bei den Hunden bestehe der Verdacht auf sogenannten Zwingerhusten sowie Parasitenbefall. Wie viele der zuletzt 13 Hunde sich tatsächlich noch im Besitz der Halterin befinden, sei laut Dennis Thiel nicht klar: „Es gibt Bestätigungen darüber, dass einzelne Hunde gekauft worden sind. Aber das ist kein Lösungsansatz. Durch einen Kauf der Hunde wird nur Platz für neues Leid geschaffen.“

Zumal es gut möglich sei, dass einige der Nackthunde wieder geworfen hätten. „Es können derzeit 10 Hunde sein, aber auch 17, 18 oder 19“, sagt Thiel.

„Diesen Zustand akzeptieren wir nicht“

Solch prekäre Zustände erlebten die Tierschützer von Arche 90 immer öfter, erklärt Dennis Thiel: „In den vergangenen Fällen ist das Veterinäramt immer beherzt eingeschritten.“ Das sei in diesem Fall aus der Gartenanlage anders. „Das ist ein Zustand, den wir nicht akzeptieren, deshalb gehen wir nun massiv gegen das Veterinäramt vor.“

Verwahrlostes Nackthunde-Rudel aus Gartenverein attackiert ein Kind und zwei Erwachsene

In diesem Zustand hat Arche 90 die Nackthunde Mitte August vorgefunden. © Oliver Schaper (Repro)

Dennis Thiel habe am Dienstagvormittag mit einem Rechtsanwalt das weitere Vorgehen abgesprochen. „Ich habe ihn angewiesen, alles zu tun, was möglich ist, damit die Hunde der Halterin entzogen werden.“ Ob das am Ende auf eine Klage oder eine Dienstaufsichtsbeschwerde hinauslaufe, sei noch nicht klar. Eine Klage jedenfalls hatte Arche 90 schon Mitte August in Erwägung gezogen.

Der Gartenverein hat einen Anwalt eingeschaltet

Die Stadt Dortmund hielt sich auf Anfrage bedeckt und bestätigte auch nicht den Vorfall vom vergangenen Sonntag: „Es handelt sich um ein schwebendes Verfahren, so dass hierzu gegenüber Dritten keine weiteren Angaben gemacht werden können“, teilt die Pressestelle mit. „Das Verfahren ist eingeleitet, wird fachlich engmaschig vom Veterinäramt begleitet und die notwendigen Maßnahmen werden umgesetzt.“ Wie genau diese Maßnahmen aussehen werden, ist nicht klar.

Auch wie es mit der Hundehalterin weitergeht, ist noch nicht geklärt. Der Gartenverein „Zur Lenteninsel“ hatte der Pächterin der Parzelle aufgetragen, bis Ende August das Grundstück aufzuräumen und die Hunde zu entfernen. Das ist nicht geschehen.

„Wir haben nun einen Rechtsanwalt eingeschaltet“, sagt Frank Bendrin, Obmann des Vereins. Der zweite Vorsitzende Jiri Hladik bezeichnet die Situation als „gefährlich für Passanten“. Der Vorfall vom vergangenen Sonntag jedenfalls hat der Halterin laut Polizei eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung eingebracht.

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