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Wahlprognose sieht SPD-Kandidaten klar vorne

Bundestagswahl in Dortmund

Gut vier Wochen vor der Bundestagswahl liegen in Dortmunds beiden Wahlkreisen die SPD-Kandidaten Marco Bülow und Sabine Poschmann deutlich vorn - den Sieg sicher haben sie aber noch nicht. Das sagt eine Wahlkreis-Prognose des Hamburger Datenanalytikers Matthias Moehl.

DORTMUND

von Gaby Kolle, Rolf Langenhuisen

, 25.08.2017

Laut Moehls Unternehmen election.de hat im Wahlkreis 142 (Dortmund I) hat der SPD-Kandidat Marco Bülow aktuell mit 43 Prozent die Nase vorn, im Wahlkreis 143 (Dortmund II) ebenso die SPD-Kandidatin Sabine Poschmann mit 44 Prozent. Die CDU-Kandidaten Thorsten Hoffmann und Steffen Kanitz liegen bei der Prognose bei 30 Prozent beziehungsweise 32 Prozent.

 

 

 

 

Die „Unschärfe“ liege für jede Prognose „bei plusminus 3 oder 3,5 Prozentpunkten“, so Moehl. Heißt also: Das Erststimmen-Rennen in den beiden Dortmunder Wahlkreisen scheint gelaufen.

Wer steckt hinter election.de?

Matthias Moehl (50) ist Diplom-Informatiker. Seit 2002 arbeitet er als Politikberater und Wahlanalyst. Unter dem Firmennamen election.de bietet er Erststimmen-Vorhersagen für jeden der 299 Bundestagswahlkreise an. Der Hamburger füllt damit eine Nische, die die großen Meinungsforschungsinstitute nicht besetzen.

Die müssten, um eine Prognose abgeben zu können, im jeweiligen Wahlkreis Umfragen durchführen. Der Aufwand käme zu teuer. Moehl macht es günstiger und ist folglich gut im Geschäft. Die Liste seiner Referenzen reicht von den im Bundestag vertretenen Parteien über Rundfunk und Fernsehen bis hin zu den Redaktionen von The Economist, Der Spiegel oder eben den Ruhr Nachrichten.

Worauf stützt sich die Prognose?

Die Erststimmen-Prognosen von election.de beruhen nicht auf eigenen Umfragen. Moehl ist kein Meinungsforscher. Er ist das, was man neudeutsch „Data-Miner“ nennt: einer, der in Datenbergen buddelt mit dem Ziel, neue Querverbindungen und verborgene Zusammenhänge zu entdecken.

Der Datenberg, den Moehl mit seinem Algorithmus durchforstet, besteht aus den Ergebnissen bisheriger Bundestags-, Landtags- und Europawahlen im jeweiligen Wahlkreis, aus den aktuellen Ergebnissen von repräsentativen Wählerbefragungen der großen Demoskopie-Institute, aus Daten über die zur Wahl stehenden Kandidaten und den Zuschnitt des jeweiligen Wahlkreises sowie aus Erkenntnissen über Stimmen-Splitting (unterschiedliche Abgabe von Erst- und Zweitstimmen) und Wählerwanderungen.

Welche Bedeutung haben die Kandidaten?

So ernüchternd das für den Einzelnen sei: „Der Faktor Individuum ist sehr überschaubar. Nur bis zu fünf Prozentpunkte kann ein Kandidat selbst bewegen.“ Das heißt: Wenn die SPD in einem Wahlkreis 30 Prozent der Zweitstimmen bekommt, schafft ein sehr guter Bewerber vielleicht 34 Prozent der Erststimmen, ein eher schwacher Kandidat muss sich mit 27 Prozent begnügen.

Was ist die Prognose wert?

Kritiker monieren, das Umrechnen bundesweiter Zweitstimmen-Trends auf Erststimmen in einzelnen Wahlkreisen könne nur mit Unsicherheiten behaftet sein. Matthias Moehl kontert mit dem Hinweis auf eine hohe Treffsicherheit. Bei der Bundestagswahl 2013 sagte election.de das Erststimmen-Ergebnis in 279 der 299 Wahlkreise richtig voraus – eine Quote von 93 Prozent.

Vor der Landtagswahl in NRW am 14. Mai hat der Hamburger Daten-Experte in 117 der 128 Wahlkreise den Sieger korrekt vorhergesagt. Das entspricht einer Quote von 91 Prozent. Seine NRW-Prognose, brüstet sich Moehl, habe näher am Wahlergebnis gelegen „als alle Umfragen, die vor der Wahl von den großen Instituten veröffentlicht wurden“.

Was sagen die Kandidaten zur Prognose?

 

Marco Bülow (SPD)

Marco Bülow (SPD) meint zu seiner Wahlkreisprognose: „Ganz okay, aber das reicht nicht. Da möchte ich noch ein bisschen zulegen. Ich würde gern die 45,4 Prozent vom letzten Mal wieder erreichen.“ Wenn er die 45 Prozent schaffe, sei er zwar als Direktkandidat durchgekommen, aber er wolle auch die Partei mitziehen. Bülow: „Die letzten vier Wochen sind oft die wichtigsten, da es dann darum geht, die Unentschlossenen zu überzeugen.“

 

Sabine Poschmann (SPD)

Sabine Poschmann (SPD) lag bei der letzten Bundestagswahl ebenfalls mit 46,7 Prozent etwas höher als bei der Prognose. „Ich strebe an, das Ergebnis vom letzten Mal zu wiederholen. Gleichzeitig ist mir daran gelegen, die Partei mitzuziehen. Wir kämpfen um jedes Prozent.“ Ziel müsse auch sein, „die AfD niedrig zu halten“.

 

Thorsten Hoffmann (CDU)

Thorsten Hoffmann (CDU) sagt: „Egal wie die Prognosen sind, ich versuche alles, um den Wahlkreis direkt zu gewinnen. Ich mache das nicht nur für mich, sondern auch für die Menschen.“

 

Steffen Kanitz (CDU)

Der Abstand zwischen Sabine Poschmann und ihm werde im Vergleich zur letzten Bundestagswahl kleiner, freut sich Steffen Kanitz (CDU). „Mein Ziel ist, die Lücke möglichst gering zu halten. Allerdings mache ich mir Sorgen, dass zu viele Menschen glauben, die Wahl sei schon gelaufen.“

 

Ingrid Reuter (Grüne)

Für Ingrid Reuter (Grüne) sind die 6 Prozent der Prognose „Ansporn, viel zu tun. Auf jeden Fall werde ich verstärkt Haustürwahlkampf machen, um mich persönlich zu zeigen und als Kandidatin vorzustellen.“

 

Markus Kurth (Grüne)

Für Markus Kurth (Grüne) sind die prognostizierten 7 Prozent ein Status quo, den er verbessern möchte. Beim letzten Mal hat er 7, 5 Prozent erreicht. „Ich werbe nicht offensiv um die Erststimme. Für uns ist die Zweitstimme die entscheidende, weil ich über die Liste in den Bundestag einziehe. Die 7 Prozent bei der Erststimmen sind die grüne Kernwählerschaft, die so auch ein politisches Statement abgibt.“

 

Heiner Garbe (AfD)

Heiner Garbe (AfD) spricht angesichts seiner prognostizierten 8 Prozent von „einem guten Ergebnis, das sicher noch steigerungsfähig ist.“

 

Max Zombek (FDP)

Max Zombek (FDP) hält die Prognose für „nicht unüblich für uns“, für Schlusslicht Sven Görgens (FDP) ist die Prognose „noch ein bisschen früh.“

Sven Görgens (FDP)

 

Celine Erlenhofer (Die Linke) war nicht zu erreichen.

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