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Warten für einen Blick auf Titanenwurz David

Titanenwurz-Blüte

Am Ende ist es nur eine Blume – und doch ist ihre Anziehungskraft enorm: Weit über 2000 Menschen haben am Samstag bis in die frühen Morgenstunden die Blüte der Titanenwurz im Rombergpark besucht. Stundenlang.

Brünninghausen

, 18.08.2018
Warten für einen Blick auf Titanenwurz David

Petra und Michael Hegner sind aus Werne gekommen, um den Titanenwurz zu sehen. Wegen der langen Schlange haben sie sich am Freitagabend aber nicht einmal angestellt. © © Dennis Werner

Wie die Insekten zieht es die Menschen an diesem Freitagabend zum Licht. Die Pflanzenschauhäuser im Rombergpark sind hell erleuchtet, also geht es im Dunkeln erst mal dahin. Darin ist es, das seltene Ereignis, das es zu schauen gilt: die Blüte der Titanenwurz. Am Eingang dann folgt Ernüchterung: Man ist nicht alleine, obwohl es bereits 22.30 Uhr ist. Der Blick verfolgt die Menschen von der Eingangstür in den Park. Das Ende der Schlange ist nicht zu sehen. Irgendwo hinter den Palmen, dahinten in der Dunkelheit, könnte es sein.

Einreihen etwa 150 Meter vom Eingang entfernt

Vorbei an lachenden Menschen - die weniger arglosen haben sich Proviant mitgebracht, Bierflaschen ploppen - geht es ans hintere Ende der Menschenkette bis in den scheinbar letzten Winkel der Grünanlage rund um die Pflanzenschutzhäuser. Etwa 150 Meter vom Eingang entfernt, darf man sich einreihen.

Die erleuchteten Glashäuser mit dem Objekt der Begierde darin sind von hier aus nur noch schemenhaft zu erkennen. „Wenn wir es in zehn Minuten bis zu den Palmen schaffen, bleiben wir hier“, sagt sich der Wartende und beruhigt sich: „Die werden uns die Tür schon nicht vor der Nase zuschlagen, wenn wir es bis 3 Uhr nicht schaffen.“ Solange sollten nämlich die Pflanzenschauhäuser ob des Ereignisses geöffnet bleiben.

Die Zweifel wachsen

30 Minuten später und etwa 25 Meter in der Schlange weiter vorne kriecht langsam Feuchtigkeit durchs Hemd. Es wird kalt. Die Zweifel werden größer, die Lust, weiter in der Reihe zu stehen kleiner. Warum steht man hier? Nur um einen unförmigen Riesenpenis, so der wissenschaftliche Name übersetzt, zu sehen? Da helfen die Menschen nur wenig, die offensichtlich gelöst gerade aus dem Gewächshaus kommen und sagen: „Schau Schatz, hier haben wir vor drei Stunden auch noch gestanden.“ Sie werden sich nicht einenhalb Stunden bei der Titanenwurz aufgehalten haben, oder?

Warten für einen Blick auf Titanenwurz David

Mehr als 200 Meter lang war die Besucherschlange um kurz nach 21 Uhr am Freitagabend im Rombergpark. © © Gaby Kolle

Es sollte wie an der Achterbahn im Freizeitpark Schilder geben: „Ab hier warten Sie nur noch 45 Minuten!“ Die Zweifel werden größer, und tatsächlich berichtet jetzt jemand, dass es zweieinhalb Stunden gedauert habe, bis man vor der Titanenwurz stand. Denn es sei ja nicht damit getan, ins Pflanzenschauhaus zu gelangen. Dort stehe man ja weiter in der Schlange.

Michael Hegner hat sich gar nicht erst angestellt

Das ist zuviel, einige Wartende verlassen die Schlange. Michael Hegner aus Werne hat sich gar nicht erst angestellt. Er habe im Radio von der Blüte gehört und sei deswegen aus der Lippestadt hergefahren. Extra spät, denn dann dürfte ja nicht mehr zu viel los sein, dachte er. „Dann kommste hier an und hörst erstmal, dass die Leute hier für drei Stunden stehen. Das ist es mir dann doch nicht wert“.

Warten für einen Blick auf Titanenwurz David

Ab Freitagnachmittag war Titanenwurz David in voller Pracht zu sehen. © © Oliver Schaper

Sie erhaschen einen Blick auf die Titanenwurz

Einen Blick auf die Titanenwurz konnten er und seine Frau Petra doch erhaschen. Wer nämlich von der Seite durch die Scheiben der Gewächshäuser schaut, kommt eigentlich nahe genug ran, und wenn sich nicht gerade jemand vor der Pflanze für ein Selfie verrenkt, kann man die Titanenwurz gut sehen. Auch Michael Hegner gelingt ein Foto. „Nur riechen können wir sie nicht“, sagt er. Aber vielleicht ist das mit Hinblick auf den penetranten Aasgeruch, den die Blume verströmen soll, auch gar nicht so schlimm.

Wahrscheinlich sind Petra und Michael Hegner trotzdem ganz froh, schon am Freitag nach Dortmund gekommen zu sein. Denn schon am frühen Samstagnachmittag beginnt „Turbo-David“, sich wieder zu schließen.

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