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Warum das Schwimmen im Kanal so gefährlich ist

Gefahren unterschätzt

Bei Temperaturen über 30 Grad ist der Dortmund-Ems-Kanal ein beliebtes Ausflugsziel. Die Stimmung am Donnerstag: heiter und ausgelassen. Da werden Gefahren schnell mal unterschätzt. So wie am Mittwoch, als ein junger Mann ins Hafenbecken sprang, untertauchte - und nicht wieder auftauchte.

DORTMUND

, 21.07.2016
Warum das Schwimmen im Kanal so gefährlich ist

In den Dortmund-Ems-Kanal zu springen, das ist nicht ungefährlich.

Ein 20-Jähriger ist am Mittwoch ins Hafenbecken am Dortmund-Ems-Kanal gesprungen, kurz geschwommen – und dann untergegangen. Rettungskräfte mussten den Mann reanimieren. Er wurde künstlich beatmet, stabilisiert und dann in ein Krankenhaus gebracht. Wie es ihm geht, darüber gab es am Donnerstag keine neuen Erkenntnisse.

Schwimmen im Kanal, das ist generell erlaubt, sagt Meik Betke von der Wasserschutzpolizei Datteln. Aber: „Schwimmen im Brückenbereich (100 Meter Abstand), in Wehren, Hafeneinfahrten und Schleusenbereichen ist verboten.“ Zudem müsse ein Sicherheitsabstand zu Schiffen eingehalten werden. Eine konkrete Meterzahl nennt Betke nicht.

Kein Bademeister, der den Überblick hat

Im Kanal zu schwimmen, dort, wo kein Bademeister den Überblick hat, ist aber in keinem Fall ungefährlich. „Am Donnerstag war es draußen über 30 Grad“, sagt DLRG-Sprecher Philipp Parche, „und die Wassertemperatur im Dortmund-Ems-Kanal lag bei rund 20 Grad. Das ist ein großer Unterschied. Wenn man sich da nicht abduscht, wie es in Schwimmbädern möglich ist, kann es schnell zu einem Schock kommen. Die Blutgefäße weiten sich, das Herz kommt mit dem Pumpen nicht mehr hinterher.“

Im schlimmsten Fall führe das zum Ertrinken. Und: Pflanzen im Kanal würden ab und an Panikanfälle auslösen. „Viele reagieren im Wasser sehr extrem auf Dinge, die sie nicht kennen“, sagt Parche.

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Eine weitere Gefahr sind Schiffe. „Wenn eines kommt - unbedingt an den Rand schwimmen“, sagt Meik Betke. Damit sei der vorgeschriebene Sicherheitsabstand dann in jedem Fall eingehalten. Am besten aber: „Das Wasser verlassen.“ Denn die Schiffe, so Philipp Parche, verursachen Wellen, die gerne mal unterschätzt würden.

Wenn man vom Wasser auf die Steine oder gegen die Seitenwand gedrückt werde, sei das schnell schmerzhaft. Und dann sei da noch der Sog, den die Schiffe erzeugen. „Der kann einen durchaus unters Schiff ziehen, wenn man übermütig wird.“

Viele Ruderboote 

Und neben den großen Schiffen sind da noch die Ruderboote - denn es gibt ja ein Bundesleistungszentrum am Dortmund-Ems-Kanal. Bundestrainer Thomas Affeldt beklagt sich über pöbelnde Zuschauer im Wasser, die absichtlich stören. Und er warnt: „So ein Ruderboot ist unten ziemlich spitz.“ Wenn ein Schwimmer unvorsichtig im Kanal tauche, könne das zu einem schlimmen Unfall führen. Und auch ein Sprung von der Brücke könne schnell zur Gefahr für Springer und Ruderer werden.

Fragte man am Donnerstag die Schwimmer im Kanal, ob sie von Brücken springen, sagten fast alle: "Ja." Fragte man warum, hieß es meist: „Es ist der Kick.“ Und es sei ein Gefühl von Freiheit. An die Gefahren dachte kaum einer. „Und dann springt jemand dem Vordermann auf den Kopf“, sagt DLRG-Sprecher Philipp Parche.

„Brückenspringen ist kein Dummerjungenstreich“

„Brückenspringen ist kein Dummerjungenstreich“, so Stadtsprecher Maximilian Löchter. Das Wasser, so Philipp Parche, sei nicht tief genug – vor allem, um vom Brückenbogen aus im Kanal zu landen. Aus 20, auch mal 30 Meter Höhe. „Das kann schmerzhaft werden.“ Im Schwimmbad, so Philipp Parche, sei das Wasser unter dem 10-Meter-Turm fünf Meter tief. Die Tiefe des Dortmund-Ems-Kanals: drei bis vier Meter.

Wird jemand beim Sprung von der Brücke erwischt, oder dabei, wie er absichtlich nah an ein Schiff heranschwimmt, zahlt er laut Meik Betke – je nach Ermessen – zwischen 40 und 60 Euro. „Aber wenn ein Polizist auf Personen trifft, die extrem pampig sind, dann wird auch schon mal eine Anzeige geschrieben.“

Die Fahrradstaffel der Polizei ist an diesem Donnerstagnachmittag nur auf gut gelaunte Menschen am Dortmund-Ems-Kanal getroffen. Sie will jetzt im Sommer vermehrt ein Auge auf die Kanalschwimmer werfen. Weil da so viele Gefahren seien. Und so wenige, die sie sehen.

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