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Stadt Dortmund hat in 21 Jahren 672 Kunstwerke verloren

Bilderschwund im Dortmunder Kunstarchiv ist amtlich

Für den ehemaligen Leiter des städtischen Kulturbüros, Kurt Eichler, ist der Bilderschwund im Dortmunder Kunstarchiv „kein Massenphänomen“. Der abschließende Datenabgleich zur Bilderinventur spricht eine andere Sprache.

Dortmund

, 25.05.2018
Stadt Dortmund hat in 21 Jahren 672 Kunstwerke verloren

Neue Kunstwerksausstellung in Dortmund nach dem Raub: „Die Leere“. © Heinrich Schwarze-Blanke (Karikatur)

Jetzt ist es amtlich: Seit Gründung der städtischen Kulturbetriebe 1995 sind im Kunstarchiv 672 Werke abhandengekommen oder waren so stark beschädigt, dass sie ausgebucht werden mussten (Stand Ende 2017). Das ist mehr als ein Fünftel des Kunstarchiv-Bestandes und ein bilanzieller Verlust von 154.000 Euro. Mit Stand Ende 2017 verfügte das Kunstarchiv – nicht zu verwechseln mit den Museen – über 3050 Skulpturen und Bilder in einem Gesamtwert von rund 1 Million Euro.

Wie berichtet, hat die Stadt im vergangenen Herbst die Zahlen der körperlichen Inventur veröffentlicht. Es fehlten (Stand Ende 2016) damals 985 Werke. Darin enthalten waren aber auch die 403 Werke, die bereits bei der ersten Generalinventur 1993 zwar als Verluste identifiziert, aber noch nicht endgültig abgeschrieben worden waren. Man wollte noch weiter nach ihnen suchen.

Abgleich der Daten

Inzwischen wurde die eigene Datenbank des Kunstarchivs in die SAP-Datenbank der Stadt überführt. Damit konnte nach der körperlichen Inventur auch die kaufmännische erfolgen und mit dem Datenabgleich das Anlagevermögen „Kunstgegenstände“ des Kulturbüros (Stand Ende 2017) abschließend geklärt werden.

Auf Anfrage erklärte Stadtsprecherin Katrin Pinetzki, dass mit diesem Datenabgleich auch Bilder identifiziert werden konnten, die in den Inventarlisten doppelt genannt waren, oder im Bestand der Artothek und des Kulturbüros erfasst waren.

Manches kam auch wieder zum Vorschein. „In anderen Fällen wurden verloren geglaubte Werke positiv geklärt, da sich bis zuletzt Leihnehmer meldeten oder Werke ans Kunstarchiv zurückgaben“, teilt die Stadtsprecherin mit. Zudem wurden im Jahr 2017 38 neue Werke angekauft, die in das Anlagevermögen des Kulturbüros flossen.

Aus Minus wird Plus

Doch trotz des Bilderschwunds unterm Strich ist das Anlagevermögen „Kunstgegenstände“ heute mehr wert als vor der Inventur. Zum 1. Januar 2016 hatte die Sammlung des Kulturbüros einen Wert von 900.000 Euro. Nach Abschluss von körperlicher und kaufmännischer Inventur betrug der Bilanzwert Ende 2017 eine Million Euro, so Pinetzki: „Beide Werte hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bei der Prüfung der Jahresabschlüsse testiert.“

Wie kommt es zu diesem Plus? Für das Wirtschaftsjahr 2017 wurde zwar der Bestandswert des Kunstarchivs aufgrund des Bilderschwunds und darüber hinaus durch Bestandsverlagerungen um 200.000 Euro abgewertet, doch dem gegenüber stand eine Bestandserhöhung von 300.000 Euro – „ein Zwischenergebnis der kaufmännischen Inventur“ aus dem Wirtschaftsjahr 2016, erläutert Pinetzki. In einem Bericht für die Politik ist von „Zugängen“ für 2016 die Rede.

Bilanzausgleich aus Kapitalrücklage

Die Kulturbetriebe haben den Kulturausschuss über die bilanziellen Auswirkungen des Kunstschwunds mit diesen Worten ins Bild gesetzt: „Die kaufmännische Inventarisierung der Kunstsammlungen konnte in 2017 zum Abschluss gebracht werden. Wesentliche Effekte auf die Bilanzwerte sind nicht eingetreten.“ Bilanziell wurden die Buchverluste der tatsächlich verschwundenen Bilder durch die Kapitalrücklage der Kulturbetriebe ausgeglichen. Sie hatten laut Pinetzki keine Auswirkungen auf das Budget der Kulturbetriebe.