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Eine Hommage an die gute alte Zeit des Pferderennsports

Lokal „Zum Hufeisen“ an der Rennbahn wiedereröffnet

Das Traditionslokal „Zum Hufeisen“ hat wieder täglich geöffnet. Die Wirte Andrew Carruthers und Matthias Hesse setzen dabei auf Bewährtes. Ein altes Möbelstück birgt ein Geheimnis in sich.

Wambel

26.05.2018
Eine Hommage an die gute alte Zeit des Pferderennsports

Andrew Carruthers (r.) und Matthias Hesse in dem Hufeisen, in dem einst Sieger geehrt wurden und das Löcher für Schnapsflaschen besitzt. © Oliver Schaper

Der Galopprennsport in Deutschland war lange Jahre eine Erfolgsgeschichte. In seiner Blüte in den 1920er- und 1930er-Jahren strömten die Damen und Herren der feinen Gesellschaft ebenso zu Tausenden auf die Rennbahnen wie Mitglieder der sogenannten Arbeiterklasse.

Da bildete auch Dortmund keine Ausnahme. „Es gibt Fotos, auf denen sind nicht nur die Tribünen hier in Wambel voller Menschen, sondern auch deren Dächer“, sagt Matthias Hesse. Zwar hat der Fußball den schnellen Pferde längst den Rang abgelaufen, doch gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Andrew Carruthers möchte Hesse der Rennbahn Wambel auf die Sprünge helfen – gastronomisch: Das Duo übernahm die Traditionsgaststätte „Zum Hufeisen“, die nun wieder täglich geöffnet ist.

Atmosphäre wie in den 50er-Jahren

Schon vor dem Betreten des Gebäudes spürt der Besucher die Atmosphäre der 50er-, 60er-Jahre: Die Eingangstür aus Messing könnte zu einem Kino gehören, in dem gerade ein Edgar-Wallace-Film über die Leinwand flimmert. Und auch der Gastraum erinnert an die gute alte Zeit: Hölzerne, mit Leder bezogene Stühle laden zum Verweilen an Holztischen ein, auf denen Blümchen stehen. Bilder an den Wänden zeigen Pferde; vermutlich handelt es sich um jene Rösser, die auf dem weiten Rund hinter den Bauten einst Erfolge feierten.

Pferde-Fans schauen auch die Bundesliga

„Wir haben ganz bewusst das Meiste beim Alten belassen“, sagt Hesse, „denn die Leute sollen sich hier wie zu Hause fühlen.“ Designermöbel oder ein futuristisches Lichtkonzept? Fehlanzeige. Stattdessen haben die beiden Gastronomen sogar noch eine Couch in den Raum gestellt, um, so Hesse, „eine Wohnzimmeratmosphäre zu schaffen.“

Eine Hommage an die gute alte Zeit des Pferderennsports

Andrew Carruthers (r.) und Matthias Hesse im Biergarten, der direkt an die Rennstrecke grenzt. © Oliver Schaper

Einzig die Flachbild-Fernseher erscheinen ein wenig wie ein Stilbruch, doch mit der modernen Technik zollen die Wirte den Ansprüchen der Gäste Tribut: War der „Galopper des Jahres“ in der ARD-Sportschau in den 1970er- und 1980er-Jahren ein Höhepunkt der Fernsehunterhaltung, so interessiert sich der Freund des Pferdesports heute ebenso für die Fußball-Bundesliga auf Sky.

Früher verkehrten hier nur für VIPs

Die Gaststätte „Zum Hufeisen“ kann auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurückblicken. „Ganz früher wurden hier die Sieger geehrt“, erzählt Hesse, „da war der Aufenthalt den VIPs vorbehalten.“ An diese Zeremonien erinnert ein Möbel, das dem Lokal seinen Namen gab: Ein hufeisenförmiger Metalltisch, in dessen Mitte einst die Jockeys standen und ihre Pokale entgegennahmen. Und warum sind in den Tisch an einer Seite mehrere Öffnungen eingelassen? Mit einem Grinsen im Gesicht lüftet Andrew Carruthers das Geheimnis: „Da standen damals die Schnapsflaschen für die Ehrungen drin.“

Die Dreierwette bekam Konkurrenz

Doch im Laufe der Jahrzehnte nahm das allgemeine Interesse an Dreierwetten und Eventualquoten – sicherlich auch aufgrund der Internetkonkurrenz – nach und nach ab. „Das Hufeisen war zuletzt weitgehend nur im Rennsport bekannt“, sagt Carruthers, „die Menschen kamen aus ganz Deutschland, viele auch aus anderen Ländern nach Wambel.“

Aber eben zumeist nur an Renntagen, sodass die Gaststätte viele Jahre nur an diesen bestimmten Tagen ihre Pforten öffnete. Zudem gab es die Möglichkeit, die Räumlichkeiten für Privatfeiern zu mieten, und seit 2016 zweimal monatlich ein Schlemmerfrühstück. Zwar gab es damals noch einen anderen Pächter, doch Carruthers, der ebenso wie Hesse aus dem Hotelfach kommt, gehörte bereits zum Personal.

Eine Hommage an die gute alte Zeit des Pferderennsports

Das Mobiliar erinnert auch 2018 noch an die 1960er-Jahre. © Oliver Schaper

„Dann kam der Rennverein auf uns zu und fragte, ob wir das nicht dauerhaft machen wollen“, fährt Carruthers fort. Er und sein Geschäftspartner wollten, mussten jedoch ein halbes Jahr warten, bis die alten Verträge ausgelaufen waren. „Während dieser Zeit haben wir einen Bereich ganz oben auf der Tribüne genutzt“, erinnert er sich. „Daswar wegen der vielen Treppenstufen ganz schön anstrengend.“

Blick auf die Rennbahn

Im Oktober 2017 wurden dann Nägel mit Köpfen gemacht. Den Winter über öffnete das Hufeisen von Donnerstag bis Sonntag, seit Ostern sind jeden Tag ab 16 Uhr Gäste willkommen; donnerstags und an Trödelmarkt-Sonntagen bereits um 6 Uhr morgens. „Das ist fast ein bisschen gewagt“, sagt Hesse und lacht, „denn eigentlich waren wir nie Frühaufsteher.

Auf die Besucher warten Hausmannskost, bierbegleitende Speisen oder einfach nur ein Pils in einem der beiden Biergärten. Wobei die Terrasse mit Blick auf Rennbahn, Golfplatz und jede Menge Grün tatsächlich ein ganz besonderes Plätzchen ist. Ach ja, in regelmäßigen Abständen wird auch zum Bingo eingeladen, jener Freizeitbeschäftigung, der vor allem britische Damen frönen – wenn sie nicht gerade monströse Hüte auf der Rennbahn in Ascot spazieren tragen.

Die Galopprennbahn wurde im Juli 1913 eröffnet. Sie besaß schon damals repräsentative Tribünenbauten, Stallungen und Betriebsgebäude, die heute unter Denkmalschutz stehen. In den 1920er-Jahren kamen weitere Tribünen und Gebäude hinzu. Die Rennbahn verfügt über eine 2000-m-Grasbahn und eine 1600-m-Allwettersandbahn. Im Inneren befindet sich ein Golfplatz. Derzeit wird der Verkauf des Trainingsgeländes als Wohnungsbaugebiet abgewickelt.
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