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Wenn Polizisten rappen: „Jensen&Monti“ produzieren zusammen Hip-Hop

Polizisten machen Musik

Auf der Leitstelle heißen die beiden Dortmunder Polizisten Daniel Montrone und Jens Schauer. Privat nennen sie sich „Jensen&Monti“ – und machen zusammen Hip-Hop und Rap.

Dortmund

von Alexandra Wachelau

, 01.09.2018
Wenn Polizisten rappen: „Jensen&Monti“ produzieren zusammen Hip-Hop

Monti (l.) und Jensen (r.) in ihrem Studio. Die beiden Dortmunder Polizisten machen zusammen Hip-Hop. © Oliver Schaper

Wer Jens Schauer (38) und Daniel Montrone (34) trifft, denkt erstmal nicht an Hip-Hop. Die beiden tragen unauffällige T-Shirts und Jeans, nur „Monti“ hat eine Baseballcap auf. Zudem arbeiten sie auf der Dortmunder Leitstelle der Polizei. Doch im Keller der stillen Wohnsiedlung, in der Jens Schauer wohnt, produzieren die beiden Hip-Hop.

Wiedersehen auf der Leitstelle

Damit angefangen haben sie, als Daniel Montrone, alias „Monti“, zu Jens Schauer auf die Dortmunder Leitstelle kam. „Ein Kollege wusste, dass ich privat Musik mache – und sagte zu mir: ‚der Typ macht das auch. Der freestylt sogar‘“, sagt Jens Schauer, alias „Jensen“. Monti lacht. „Das stimmt eigentlich überhaupt nicht“, sagt er. Aber die Chemie zwischen den beiden stimmt trotzdem. Monti zeigt Jensen seine gesammelten Beats und Jensen stellt seinen Keller als Proberaum zur Verfügung, um dort Musik zu produzieren.

Die beiden sind sich zwar schon einmal als Studenten an der Fachhochschule begegnet, aber so richtig kennen gelernt haben sie sich erst bei der Dortmunder Polizei. Dabei haben sie viel gemeinsam: Beide haben im Alter von 18 - 20 Jahren hobbymäßig Musik gemacht, beide im Genre des Rap und Hip-Hop. Dann ließen sie sich als Polizisten ausbilden, gründeten Familien, die Musik blieb ein wenig auf der Strecke. Erst als sie sich auf der Leitstelle wiederbegegnen und richtig kennenlernen, beginnen sie dieses Jahr im Januar damit, Musik zu machen –diesmal zusammen und ernsthaft.

„Der Auslöser für unseren ersten vollständigen Song war ein Imagefilm für Dortmund-Eving“ erzählt Jensen. Seine Frau, die bei der inklusiven Filmproduktion Nocase arbeitet, hatte ihn darum gebeten, für die Musik in dem Film zu sorgen.

Mit dem Text haben sich die beiden zwar anfangs schwergetan, aber die erste Hürde war genommen: Sie hatten ihren ersten gemeinsamen Song. Nach diesem Erfolgserlebnis produzierten sie immer mehr. Bis Mitte Februar hatten die beiden schon so viel Material zusammen, dass sie zuversichtlich waren, ein Album damit füllen zu können. Nachdem sie über 20 Jahre lang nur für sich selbst Musik machten, veröffentlichen sie ihr Debutalbum „Einfach nur Rap“.

Die CD ist seit dem 1. Juli 2018 auf Amazon und auf ihrer Facebook-Seite, „Jensen&Monti“, zu kaufen.

„Sehr persönlich und emotional“

Der Song, der ursprünglich nur über Dortmund-Eving handelte, ist auch auf diesem Album. Allerdings heißt er jetzt „Ruhrpott“ und wurde textlich angepasst. Als das Album fast fertig war, sagten sich Jensen und Monti im Hinblick auf ihr erstes Lied: „Warum keinen Song über den Ruhrpott schreiben?“.

„Das Album handelt generell von dem, was uns persönlich bewegt – unser Leben, unsere Freunde und Familie, aber auch politische Themen“, sagt Jensen. In „Krieg“ verarbeiten die die beiden zum Beispiel die Lage in vielen Teilen der Welt. „Rip“ handelt vom Tod von Jensens Schwiegermutter. „Das war wirklich ein sehr persönlicher und emotionaler Song für mich“, sagt er. „Meine Familie hat ihn noch nicht gehört, ich selber tue mich damit auch noch schwer.“

Doch positive Titel überwiegen in „Einfach nur Rap“. „,Euphorie‘ ist einer der letzten Songs auf dem Album. Der Song spiegelt auch unsere Gefühle zum Ende des Albums wieder: wie begeistert wir waren, tatsächlich eine vollständige CD herauszubringen“, sagt Jensen.

Wenn Polizisten rappen: „Jensen&Monti“ produzieren zusammen Hip-Hop

Als Monti (r.) auf die Leitstelle der Dortmunder Polizei kam, zeigte er Jensen seine gesammelten Beats auf dem Computer. © Oliver Schaper

Stilistisch orientieren sich beide am oldschool Hip-Hop und Rap der 90er, wie beispielsweise der Band „Freundeskreis“. Von dem deutschsprachigen Rap der letzten 10-15 Jahre möchten sich die beiden dagegen gezielt abheben. „In den letzten Jahren sind viele Lieder erschienen, die nur darum handeln: Wer hat das größte Auto, wer hat das meiste Geld – die Songs sind oft sexistisch und brutal, darin wird auch viel Fäkalsprache verwendet“ sagt Monti. „Das entspricht einfach nicht unseren Wertvorstellungen.“

Jensen ergänzt: „und das kann man sich auch einfach nicht anhören.“ Daher lassen die beiden Kraftausdrücke weitgehend weg und bleiben textlich bei dem, was sie in ihrer Leidenschaft zu dem Genre prägte. Die Beats für die Songs sucht Monti heraus, den Text schreiben beide, wie das in dem Genre üblich ist, selber.

Rappen für den guten Zweck

Ihre Kollegen auf der Polizei kennen ihren Alias „Jensen und Monti“ und sind auch Abnehmer ihrer Musik. In dem Polizeiinternen Magazin „Streife“ wird schon über die beiden berichtet. „Bei dem Interview wurde gescherzt, dass wir bei der nächsten Versammlung zusammen auftreten könnten“, lacht Jensen, als er und Monti gefragt werden, ob sie sich einen gemeinsamen Auftritt vorstellen könnten.

Durch die fehlende Erfahrung der beiden ist das zwar momentan noch nicht der Fall. Auch das Konzept für ein potentielles zweites Album steht noch nicht. Aber aufhören, Musik zu produzieren, werden die beiden so schnell nicht. Ihren gewonnenen Bekanntheitsgrad haben beide genutzt, um nach dem Album noch ein separates Lied zu veröffentlichen: „Lach ihn aus“, heißt es. Den beiden ist der Song besonders wichtig. „Mit dem Verkauf der Single sammeln wir Spenden für den Epilepsie Bundes-Elternverband e.V.“, sagt Jensen.

„Meine Tochter leidet unter Epilepsie, meine Frau ist Mitglied im Epilepsie Bundes-Elternverband.“ Für diesen Verein haben sie das Lied geschrieben. Hilfe hatten sie dabei von Thomas Walter, dem Inhaber des Unternehmens Fundmusic, der sie beim Texten des Lieds unterstützt hat.

Mit dem ernsten Thema wird im Lied locker umgegangen. „Den Titel kann man auf mehrere Weisen interpretieren“, sagt Jensen. „dem Feind ins Gesicht lachen, der Krankheit ins Gesicht lachen, sich nicht runterziehen zu lassen - das kann jeder für sich selbst entscheiden.“

Die Tatsache, dass sich die Polizisten auf der Leitstelle in Dortmund wiedergetroffen haben, war wahrscheinlich Schicksal. Erst dadurch, so scheint es, konnte das Hobby der beiden die Öffentlichkeit erreichen. Euphorisch fühlen können sich die beiden durch diese Leistung auf jeden Fall.

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