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Wenn Raser weinen müssen

DORTMUND 97 im Tempo-60-Bereich. Das wird teuer. Doch damit Raser dauerhaft vom "Bleifuß" befreit werden, setzt die Polizei seit vier Monaten "Schockvideos" ein. Mit großem Erfolg.

von Von Andreas Wegener

, 21.12.2007

Im kreisrunden Sucherfeld taucht ein flotter Smart auf. Harald Simberg visiert ihn  an, krümmt den Finger. Ein Piepsen, ein Blick aufs Display - 97 Kilometer pro Stunde. "Halt, Polizei!"

Zehn Minuten später geht die Fahrerin (19) zurück zum Wagen. Sie sieht niedergeschlagen aus - nicht, weil sie mit einer unangenehmen Nachschulung rechnen muss: "Ich habe mir ein Video angesehen, das zeigte, wie ein zu schnelles Auto bei Tempo 60 verunglückte. Der hat mich ganz schön bewegt", erzählt die junge Dortmunderin und verabschiedet sich.

An der Kontrollstelle auf der B54 hat Ralf Lehrke (48) von der Verkehrssicherheitsberatung der 19-Jährigen einen der neuen "Schockvideos" gezeigt. Etwa 50 Mal haben er und seine Kollegen die Clips inzwischen in dem Polizeibulli abgespielt. "Wir zwingen niemanden dazu, aber die Bereitschaft ist manchmal sehr groß.", berichtet Lehrke.

Die professionell gedrehten Filme richten sich an verschiedene Zielgruppen, manche sind sehr emotional. So schreibt ein Polizist einem ertappten Raser einen kleinen Brief, in dem er von seiner Tochter berichtet, die bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. "Dabei sind schon viele Tränen geflossen", verrät Polizeikommissar Udo Döhring (51). Andere Videos setzen auf schonungslose Unfall-Darstellungen. Besonders harter Tobak: Ein kleiner Junge spielt unbeschwert in einem Garten Fußball, als ein Auto durch die Hecke kracht und gegen das Kind schleudert. Als der Vater seinen Sohn schreiend im Arm hält, sieht man das Gesicht des geschockten Fahrers. "Könnten Sie damit leben?" steht auf dem Bildschirm.

Noch nie ein dummer Spruch

Ob die Sequenzen tatsächlich langfristig das Fahrverhalten ändern? Ralf Lehrke zuckt mit den Schultern. "Wir können das nur hoffen. Aber man merkt deutlich, dass die Menschen den Bulli hier nachdenklich verlassen. Einen dummen Spruch haben wir noch nie gehört." 

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