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Westfalenpark wird 50: Teil 4

DORTMUND Das neue Dortmund – es war auch schon in den 1950er-Jahren ein Thema. Zur Bundesgartenschau 1959 sollten nicht nur bunte Blumen blühen, sondern auch moderne, wegweisende Bauten entstehen. Einer davon wurde sogar zum neuen Wahrzeichen der Stadt: der Florianturm.

von Von Oliver Volmerich

, 20.04.2009
Westfalenpark wird 50: Teil 4

Nicht einmal ein Jahr dauerte der Bau des Florianturms inklusive der Kanzel mit Restaurant und Betriebsräumen.

1956 liefen die Detailplanungen für die Gartenschau unter der Regie des städtischen Gartendirektors Konrad Glocker an. Neben der Gartengestaltung gab es Wettbewerbe für den Bau von Cafés, repräsentativen Eingängen, einer Musterhaus-Siedlung mit Bungalows, Reihenhäusern und drei Hochhäusern als Prototypen für modernes Wohnen, die östlich des Parks entstehen sollten. Am spannendsten war zweifellos die Entscheidung über einen Aussichtsturm. Die ersten Ideen reichten von einem nachgebauten Förderturm-Gerüst über ein Hängebrücken-Eingangstor bis zu einem 40 bis 65 Meter hohen Turm mit rotierender Aussichtsplattform. „Es erscheint zweifelhaft, ob die Rotierbarkeit der Aussichts- und Café-Plattform wünschenswert ist“, stellte das Preisgericht 1957 allerdings zu dem Vorschlag des Dortmunder Architekten Will Schwarz fest.

Dass angesichts der Finanzprobleme überhaupt ein Turm gebaut und trotz aller Bedenken der Schwarz-Entwurf aktuell wurde, ist dem Wunsch der Bundespost zu verdanken. Sie suchte nach einem Platz für einen 150 Meter hohen Sendeturm im Süden Dortmunds. Was lag also näher, als beide Wünsche miteinander zu verbinden: Die Post übernahm 1,4 Millionen Mark der Baukosten, die Firma Hoesch stellte Stahl und Zement zur Verfügung. Am 22. Mai 1958 begann auf dem Gelände der Bundesgartenschau der Bau des Turms. Acht Meter tief und mit 25 Metern Durchmesser wurde das Fundament angelegt, darüber wuchs der Turmschaft täglich in „Ringen“ von 2,50 Meter – dank des so genannten Gleit-Schal-Systems sogar ohne Gerüst. Gebaut wurde im 24-Stunden-Schichtbetrieb – im Winter unter dem Schutz eines beheizten Zeltes. „Der Turm stellte eine logische Weiterentwicklung der aus dem Industriebau seit langem bekannten Konstruktion der Betonkamine dar. Er ist also eine Stahlbetonröhre mit sich bis zur Höhe von 129,75 m nach oben konisch verjüngenden Durchmesser und Wandstärke“, heißt es erläuternd in einer Turm-Broschüre. Den ersten „Halt“ gab es in 133 Metern Höhe, wo Wirtschafts- und Maschinenräume angelegt wurden. Auf 138 Metern Höhe entstanden das Aussichtsrestaurant, das mit einem Drehkranz zum Rotieren gebracht werden konnte. Über eine Treppe aufwärts erreichte man die offene Aussichtsplattform über zwei Ebenen.

Darüber richtete sich die Post mit ihrer Richtfunkbetriebsstelle in 151,60 Metern ein. 217,60 Meter maß der Turm am Ende insgesamt bis zur Spitze seiner Antenne und war damit für gut zehn Jahre das höchste Bauwerk ganz Deutschlands. „Auf diese Weise bekam die Bundesgartenschau ihre Attraktion, die Stadt Dortmund erhielt ein neues Wahrzeichen, und die Menschen haben eine Gelegenheit mehr, angesichts dieses himmelstürmenden Bauwerks den Atem anzuhalten“, hieß es im Mitteilungsblatt des Landesverbandes Gartenbau. Pünktlich zur Eröffnung der Bundesgartenschau am 30. April 1959 konnte Oberbürgermeister Dietrich Keuning nach nicht einmal einem Jahr Bauzeit verkünden: „Der Turm ist fertiggestellt, der Aufzug läuft, das Restaurant dreht sich!

Bei der Namensgebung waren wieder einmal die Dortmunder gefragt. Die Vorschläge, die bei einem Wettbewerb eingereicht wurden, reichten von Emscherspargel bis Friedensturm und auch der alte Titel Bismarckturm wurde wieder aktuell. Am Ende war es das Maskottchen der Bundesgartenschau Florian, das dem Fernmelde- und Aussichtsturm den Namen gab.

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