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"Wir wohnen hier im kleinen Horrorhaus"

Haus an der Bornstraße

Ein Vermieter aus der Schweiz lässt seit Jahren ein Mehrfamilienhaus in der Nordstadt verkommen. Mit Geld und vereinten Kräften halten die Nachbarn das Gebäude in Schuss. Jetzt könnte das Haus ein Fall für die Justiz werden.

DORTMUND

, 23.11.2014
"Wir wohnen hier im kleinen Horrorhaus"

"Wir wohnen im kleinen Horrorhaus", scherzt Muhittin Kara.

Seit 17 Jahren wohnt Muhittin Kara in dem 40 Jahre alten Mehrfamilienhaus an der Bornstraße 97 in der Nordstadt. "Wir wohnen hier im kleinen Horrorhaus", sagt der 43-Jährige mit Blick auf den Zustand des Gebäudes. Die Geländer im Treppenhaus sitzen nicht mehr fest im Mauerwerk. Ratten klettern über die Balkone. Bei Regen dringt Wasser durch die Fensterrahmen. Und obwohl er sich in seine Bestandteile auflöst, erhielt der Aufzug zuletzt 2012 einen TÜV-Siegel.

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Das Leben im kleinen Horrorhaus

Die Nachbarn aus dem Haus an der Bornstraße 97 in der Nordstadt halten mit eigenem Geld das Gebäude in Schuss. Denn der Vermieter aus der Schweiz lässt das Mehrfamilienhaus einfach verkommen. Die Mieter sind sauer.
23.11.2014
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Das Haus Bornstraße 97. Mieter halten es in Schuss, verlangen aber auch vom Vermieter, dass er sich kümmert.© Foto: Peter Bandermann
Das Haus Bornstraße 97 in der Nordstadt.© Foto: Peter Bandermann
Manche Fenster sind nicht dicht.© Foto: Peter Bandermann
Blick in den Innenhof des Haus Bornstraße 97. Früher waren hier ein Spielplatz, eine Schaukel und andere Spielgeräte sichtbar. Die Nachbarn fühlten sich in dem Hof wohl.© Foto: Peter Bandermann
Cornelia Cooke ist in der Nordstadt aufgewachsen und wohnt seit vielen Jahren in dem Haus. Auf Schadensmeldungen reagiert der Vermieter in der Schweiz nicht.© Foto: Peter Bandermann
Die Fassadenplatten sind lose oder brüchig: Blick auf die Hauswand.© Foto: Peter Bandermann
Der Aufzug ist in die Jahre gekommen, der Boden löst sich auf und bildet eine Stolperkante, über die ein Mieter bereits gestürzt ist. Trotzdem erhielt der Aufzug 2012 ein TÜV-Siegel.© Foto: Peter Bandermann
Ein TÜV-Siegel im Aufzug aus dem Jahr 2012.© Foto: Peter Bandermann
"Wir wohnen im kleinen Horrorhaus", scherzt Muhittin Kara.© Foto: Peter Bandermann
Unfallgefahr im Hausflur: Ein Geländer ist nicht fest im Mauerwerk verankert.© Foto: Peter Bandermann
Cornelia Cooke blickt auf ein Geländer, das nicht mehr fest im Mauerwerk verankert ist.© Foto: Peter Bandermann
Bei Regen dringt Wasser durch die alten Fenster. Die Rahmen sind nicht mehr dicht.© Foto: Peter Bandermann
Platten fallen aus der Fassade herab und legen den Dämmstoff frei.© Foto: Peter Bandermann
Eine lose Platte unter der Dachkante. Beim nächsten Sturm könnte sie auf den Gehweg fallen.© Foto: Peter Bandermann
Die Fassadenplatten sitzen nicht mehr fest.© Foto: Peter Bandermann
Ein alter Aufkleber, der auf eine Schädlingsbekämpfung hinweist. Längst sind die Ratten wieder da - sie klettern sogar auf die Balkone.© Foto: Peter Bandermann
Schlagworte Nordstadt

Mängel, auf die Cornelia Cooke schon vor Jahren hingewiesen hat. Der in der Nordstadt und dem Haus aufgewachsenen langjährigen Mieterin fehlen die Worte für das Verhalten des Vermieters und seines Verwalters. Beide würden nicht einmal auf akute Gefahren reagieren. Dämmplatten sitzen nur lose in der Fassade und sind bereits auf den Gehweg gefallen. Im Winter muss Cornelia Cooke den Flur beheizen, damit die Türscharniere nicht einfrieren.

Weil Regenrohre nicht dicht sind, fließt Wasser auch in den Hausflur - bei Frost im Winter gleiche der Zugang zu den Wohnungen einer Eisbahn, bemängelt Cornelia Cooke. Sie selbst rutschte bereits auf einer überfrorenen Fläche aus. Zuletzt sprach die Mieterin dem Verwalter am 11. November 2014 auf einen Anrufbeantworter, nachdem ein Anwohner im Aufzug über eine Kante gestolpert war und dabei verletzt wurde. "Bis dato keine Rückmeldung", sagt die resignierte Mieterin. 

Obwohl die Nachbarn bereits die Miete kürzten, kommen sie keinen Schritt weiter. "Das interessiert niemanden", stellt Muhittin Kara mit einem Blick in den verwilderten Innenhof fest. Im Innenhof leben Ratten. Drinnen investieren die Mieter. "Ein loses Geländer hat mein Vater neu befestigt", sagt Cornelia Cooke über das Mieter-Engagement. Ein Geländer in einer oberen Etage sitzt nach wie vor locker im Mauerwerk.

An der von Cornelia Cooke einberufenen Mieterversammlung in der Garage des Hauses nahm am Samstagnachmittag (22.11.) auch der Dortmunder Mieterverein teil. "Da muss man jetzt hart am Ball bleiben", sagte Geschäftsführer Rainer Stücker. Zur Not müsse der Mieterverein im Auftrag der Nachbarn vor Gericht eine einstweilige Verfügung erwirken, um Reparaturen durchzusetzen. Wie die Stadt Dortmund mitteilte, will nun auch das Ordnungsamt das Haus unter die Lupe nehmen.

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