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Zu schnell gefahren - Falscher Zwilling unter Verdacht

Das doppelte Flottchen

Ein Zwilling fährt zu schnell, der andere soll bestraft werden. So zumindest stellen zwei Dortmunder die Situation dar, nachdem einer der beiden deutlich zu schnell erwischt wurde. Alle Details des skurrilen Falls.

DORTMUND

von Von Tobias Großekemper

, 06.06.2012
Zu schnell gefahren - Falscher Zwilling unter Verdacht

Reiner Heinz Bernhardt ist zu schnell gefahren, doch sein Zwillingsbruder sollte den Führerschein abgeben.

Es war der 1. August 2011. Auf der B236 wurde Reiner Heinz Bernhardt zum Verkehrssünder, 137 Stundenkilometern standen auf dem Tacho. 80 km/h hätte er fahren dürfen. Jetzt will die Stadt den Führerschein seines Zwillingsbruders Herbert Klaus Bernhardt für dieses Vergehen einziehen, auch die 263,50 Euro soll der zahlen und die vier Punkte in Flensburg kassieren.

Reiner Heinz Bernhardt gibt ohne Weiteres zu, dass er im August vergangenen Jahres zu schnell war: „Da müssen wir nicht drüber reden, das war mein Fehler, ich war zu schnell unterwegs.“ Er gab den Beamten, die ihn mit einem Videowagen überführt hatten, Führerschein und Fahrzeugpapiere, danach konnte er weiterfahren.  Einige Wochen später kam Post vom Rechtsamt, sie kam bei ihm an, der Adressat war allerdings sein Zwillingsbruder Herbert Klaus Bernhardt. Reiner Heinz gab den Brief der Postbotin zurück, der war ja nicht für ihn. Außerdem erzählte er seinem Bruder die Geschichte.

 Acht Monate später, im April 2012, klingelte dann sein Telefon. Sein Bruder Herbert Klaus rief an, bei dem stand eine Dame vom Ordnungsamt vor der Tür, sie wollte den Führerschein von Herbert Klaus haben, Grund war die Geschwindigkeitsüberschreitung auf der B 236. Herbert Klaus Bernhardt: „Ich habe dann der Frau das Telefon mit meinem Bruder dran gegeben und der hatte ihr auch erklärt, dass er gefahren sei und nicht ich. Die Dame ging dann wieder.“ Am vergangenen Mittwoch dann bekam Herbert Klaus zum ersten Mal Post von der Stadt. Sein Führerschein sei fristlos einzuziehen, er möge sich wegen einer Terminabsprache melden. Herbert Klaus Bernhardt wollte seinen Führerschein nicht abgeben, er ging zur Polizei und wollte Akteneinsicht.  

 Bei der Polizei stellte er fest, so sagt er, dass in dem Aufnahmeprotokoll der Polizisten sein Vorname stand, obwohl er an dem Tag dort gar nicht unterwegs war. „Vielleicht haben die damals nur das Geburtsdatum und den Nachnamen eingegeben, vielleicht war es ein Computerfehler, ich kann das nicht erklären.“ Seinen Führerschein hat er bisher nicht abgegeben und will das auch in Zukunft nicht tun. Mit dem Auto ist er dieser Tage aber auch nicht unterwegs, „hinterher kommt da noch ein Fahren ohne Fahrerlaubnis oben drauf“. Er fühlt sich zu Unrecht angeklagt und sagt, er habe nie vorher Post von der Stadt bekommen und habe deswegen auch keinen Widerspruch gegen irgendetwas einlegen können.

Herbert Klaus Bernhardt hat seinen Anwalt eingeschaltet, er will eine Widerspruchsfrist bekommen und dann den Widerspruch einlegen. Seinem Bruder Reiner Heinz gefällt die Sache auch nicht, da er aber nie offiziell Post erhalten habe, die an ihn adressiert gewesen sei, geht er davon aus, dass der Fall für ihn verjährt ist.Für die Stadt ist der Vorgang ein laufendes Verfahren, sie will sich daher aktuell zu dem Sachverhalt nicht äußern. 

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