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Zulassung in Gefahr

Anwalt Niebaum

Nach der Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft Dortmund hat der bekannte Rechtsanwalt Dr. Gerd Niebaum ein Problem. Obwohl die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichtes noch nicht über ein Hauptverfahren entschieden hat, geht es für den ehemaligen Präsidenten von Borussia Dortmund um nicht weniger als die berufliche Existenz.

DORTMUND

von Von Tobias Großekemper

, 04.05.2011
Zulassung in Gefahr

Schatten der Vergangenheit: Dr. Gerd Niebaum steht vor wichtigen juristischen Auseinandersetzungen.

Im Jahr 1998 erschien ein kleines Buch. „Und du stehst immer wieder auf: die Geschichte von Borussia Dortmund“. Der Untertitel lautete: Gerd Niebaum zum 50. Geburtstag. Der BVB war unter dem Präsidenten Niebaum zuvor in die europäische Fußballspitze vorgestoßen. Am vergangenen Samstag ist die Borussia einmal mehr aufgestanden. Ob das auch dem Ex-Präsidenten gelingt, ist seit Dienstag unklar, die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen ihn erhoben. Während sich die Borussia nach dem steilen Aufstieg und dem noch steileren Absturz in erstaunlich kurzer Zeit von der Ära Niebaum und Meier erholt hat, steht der Ex-Präsident von damals unter schwerem Verdacht.

Nach über 17 Monaten Ermittlungsarbeit glaubt die zuständige Staatsanwaltschaft belegen zu können, dass Niebaum sich einerseits großzügige Darlehen aus einem Nachlass gegeben habe, den er als Testamentsvollstrecker verwalten sollte. So könnte es zu einem Nachteil für die Erben gekommen sein.Andererseits habe er sich Kredite erschlichen, da er die Banken nicht umfassend über seine bereits bestehenden tatsächlichen Verbindlichkeiten informiert habe. Insgesamt soll Niebaum so an rund 1,45 Millionen Euro gelangt sein, die er gebraucht habe, um Liquiditätsprobleme zu lösen.

In finanzielle Schieflage sei Niebaum gekommen, nachdem er in Ostdeutschland in Immobilien investiert habe. Ob es zu einem Verfahren kommt, entscheidet in den nächsten Monaten die Wirtschaftskammer des Landgerichts. Doch sollten sich die Vorwürf, im Zusammenhang mit der Darlehensnahme aus dem ihm anvertrauten Nachlass bestätigen, hat Dr. Gerd Niebaum ein Problem: Dabei würde es sich um ein so genanntes „mandatsbezogenes Vergehen“ handeln, eine Tat also, bei der Niebaums Zulassung als Anwalt schwer gefährdet wäre.

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Der ehemalige BVB-Präsident

Die Staatsanwaltschaft Dortmund erhebt Anklage gegen Ex-BVB-Chef Dr. Gerd Niebaum. Das teilte Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel am Dienstagmorgen mit. Es besteht der Verdacht des Kreditbetrugs. Niebaums Anwalt erklärte, sein Mandant habe keinen Schaden verursacht.
03.05.2011
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Gerd Niebaum (r), Präsident des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund, und Borussia-Manager Michael Meier stehen 31.10.2000 vor der Frankfurter Börse mit einem übergroßen Fanschal am Bronzebullen, dem Symbol für den Börsenaufschwung. Der Börsenstart der ersten deutschen Fußball-Aktie hat bei den Anlegern keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Die Aktie startete mit einem Kurs von 11 Euro, sackte aber nach wenigen Minuten auf 10,70 Euro ab.© Foto: Arne Dedert (dpa)
BVB-Präsident Gerd Niebaum erläutert 05.11.2002 in Dortmund auf der Hauptversammlung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA die Kursschwankungen der BVB-Aktie (obere gelbe Kurve) im Vergleich zu ausgewählten Dax-notierten Werten und dem DAX (untere gelbe Kurve).© Foto: Bernd Thissen (dpa)
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, Gerd Niebaum, am 25.11.2003 auf der Hauptversammlung seines Unternehmens in Dortmund.© Foto: Bernd Thissen (dpa)
Ex-BVB-Chef Gerd Niebaum. © Foto: dpa
Borussia Dortmunds Präsident Gerd Niebaum kommt am 17.10.2004 in seinem Auto zu einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung in Dortmund. Zuvor hat das Magazin «Der Spiegel» Vorwürfe gegen Niebaum erhoben. Er soll "in die eigene Tasche" gewirtschaftet haben. © Foto: Bernd Thissen (dpa)
© Foto: Bernd Thissen (dpa)
Der Rechtsanwalt Klaus Rotter von der Kanzlei Rotter Rechtsanwälte spricht am 8.02.2005 während einer Pressekonferenz in Dortmund. Die Münchener Rechtsanwaltskanzlei hat Strafanzeige gegen Gerd Niebaum als ehemaligen und Michael Meier als aktuellen Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA eingereicht. Es bestehe der "Verdacht der Kursmanipulation" durch die beiden Fußball-Manager. © Foto: Alexander Rüsche (dpa)
Fans des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund beteiligen sich am 12.02.2005 in Dortmund mit einem Transparent mit der Aufschrift "Not for sale" (nicht zu verkaufen) an einem Demonstrationszug von der Innenstadt zum Stadion. Mit dem endgültigen Ende der Ära Niebaum hat Borussia Dortmund ein weiteres Signal zum Aufbruch gesetzt und den Willen zur Erneuerung unterstrichen. © Foto: Bernd Thissen (dpa)
Doch die Fans sind noch lange nicht besänftigt. Die Anhänger des sportlich wie finanziell angeschlagenen Clubs fordern vor dem Revierderby gegen den VfL Bochum unter anderem den Rücktritt von Manager Michael Meier. © Foto: Bernd Thissen (dpa)
Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Dortmunder Anwalt, Notar und ehemaligen BVB-Präsidenten, Gerd Niebaum, wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue erhoben. Niebaum soll nach Immobilienkäufen in Ostdeutschland zur Überbrückung von Engpässen Darlehen aufgenommen, die Banken aber nicht über das Ausmaß seiner Verbindlichkeiten informiert haben.© Foto: Archiv

Die zuständige Anwaltskammer Hamm erhält eine Abschrift der Anklageschrift, nach Informationen unserer Zeitung läuft bereits vor dem Anwaltsgerichtshof der Kammer ein Verfahren, an dessen Ende Niebaum die Zulassung entzogen werden könnte. Zwar sind in Niebaums Kanzlei am Westfalendamm unter den rund 25 Mitarbeitern auch Anwälte vertreten – er selbst könnte dann aber nicht mehr als Anwalt auftreten.

Bereits Ende vergangener Woche hatte Niebaum gegenüber unserer Zeitung betont, dass er die gegen ihn erhobenen Vorwürfe widerlegen könne und er seine Zulassung als Anwalt behalten werde. Wie bereits berichtet, hatte Niebaum am 31. Januar sein Notariat zurückgegeben. Gegenüber den RN begründete er das damals auch damit, so einem drohenden Entzug des Notariats zu entgehen.

In diesem Monat gibt es noch einen weiteren Gerichtstermin für den Anwalt: Das Oberverwaltungsgericht Hamm hatte Niebaum und einem Ex-Partner in einem Berufungsverfahren wegen eines Mietrechtsstreits vorgeschlagen, 360 000 Euro an den Ex-Vermieter zu bezahlen – die Parteien verhandeln offenbar noch. Kommt es zu keiner Einigung, urteilt das Gericht am 17. Mai.

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