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Drewermanns Hymne auf Liebe und Leben

Hamburg (dpa) Mit seinem Buch «An den Grenzen der Medizin» ist der Psychotherapeut und Theologe Eugen Drewermann zu den Wurzeln zurückgekehrt.

Drewermanns Hymne auf Liebe und Leben

Eugen Drewermann nimmt sich in seinem Buch drei Geschichten der Gebrüder Grimm vor.

Noch als katholischer Priester wurde der 1940 geborene Wissenschaftler durch seine Bücher und Vorlesungen über Märchendeutungen aus tiefenpsychologischer Sicht bekannt. Jetzt hat sich Drewermann drei Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm vorgenommen, die allesamt das Thema Tod behandeln. Doch dass es dabei nicht nur ums Sterben geht, wird schon im Untertitel deutlich: «Märchen von Heilung und Hoffnung».

Die Geschichten «Der Herr Gevatter», «Der Gevatter Tod» und «Fundevogel» spiegeln nach Drewermanns Deutung das Verhältnis Arzt und Patient wider, aber auch die verschiedenen Möglichkeiten, auf den Tod zu reagieren. Im ersten Märchen verzweifelt der Arzt an seiner Verantwortung und sieht schließlich im Tod einen alles verschlingenden Teufel, vor dem er voller Entsetzen flieht. Der Hauptakteur des nächsten Märchens setzt dagegen um der Liebe Willen sein Leben ein, das er am Ende doch verlieren muss.

Erst im Märchen vom «Fundevogel» wird nach der Deutung Drewermanns erzählt, wie ein Mensch zu sich selbst findet. Indem er das Leben mit all seinen Facetten voll auskostet, gelingt es ihm am Ende, den Tod selbst zu besiegen. Und als Seelsorger fragt er: «Ist es denn so falsch, was die Religion den Menschen an allen Orten und in allen Kulturen seit jeher zu vermitteln versucht: ein Mensch werde im Tod nicht hinweggerafft, es löse vielmehr seine Seele sich nur aus den Fesseln von Raum und Zeit.»

Im Zentrum des Buches steht ein wahrer Hymnus an die Liebe. «Ist nicht ein einziger Moment wirklichen Lebens unendlich viel mehr wert als ein Dasein mediokrer Langeweile», fragt der ehemalige Priester, der von der Katholischen Kirche mit Lehrverbot belegt wurde und 2005 aus der Kirche austrat. «Einzig durch diese Entscheidung (zur Liebe) wandelt sich der Arzt von einem bloßen Patenkind des Todes in einen Diener der Liebe, in einen wirklichen Menschen.»

Drewermann warnt eindringlich davor, den Tod aus dem Leben auszuklammern. «Ein Ich, das die Endlichkeit des Daseins ignoriert, läuft geradewegs blind dem Tod in die Arme, es lebt selber auf eine gefährliche Weise an der Wirklichkeit vorbei», schreibt er. Nur mit den Kräften von Körper und Seele zusammen kann ein Mensch nach Drewermanns Überzeugung wirklich lebendig sein und sich dem steten Wandel des Lebens stellen. Und für einen solchen Menschen gibt es nach Überzeugung des Psychotherapeuten Tröstungen wider Krankheit, Schmerzen und Tod, die sich aus Literatur und Kunst ebenso schöpfen lassen wie aus den bildhaften Darstellungen von Märchen, Mythen und Religionen.

Eugen Drewermann

An den Grenzen der Medizin - Märchen von Heilung und Hoffnung

Patmos Verlag, Düsseldorf

150 S., Euro 14,90

ISBN: 978-3-491-21005-9

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