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Duell der Gegensätze: Einiges spricht dennoch für Kiel

Wolfsburg. Holstein Kiel rechnet sich gute Chancen aus, als dritter Zweitligist seit 2009 in der Relegation aufzusteigen. Dafür gibt es gute Gründe, auch wenn die Spiele gegen den VfL Wolfsburg ein ungleiches Duell sind.

Selten zuvor waren die Gegensätze in der Bundesliga-Relegation so groß wie beim Duell VfL Wolfsburg gegen Holstein Kiel.

Dennoch zittert der mit rund 70 Millionen Euro pro Saison von Volkswagen unterstützte Fußball-Bundesligist vor dem Zweitliga-Dritten mit einem Etat von 6,2 Millionen Euro. „Für die ist es das größte Highlight der Saison“, sagte Wolfsburgs Kapitän Paul Verhaegh vor dem Hinspiel am Donnerstag (20.30 Uhr). „Sie haben etwas sehr schönes geschafft. Die können nur gewinnen, wir alles verlieren.“

Vor einem Jahr war Kiel noch Drittligist, Wolfsburg rettete sich da bereits erst in den Relegationsspielen gegen den Nachbarn Eintracht Braunschweig. Zwei Trainerwechsel später droht nun erneut der erste Bundesliga-Abstieg. „Wir brauchen wirklich eine Top-Leistung, um als Sieger vom Platz zu gehen“, sagte VfL-Coach Bruno Labbadia. Fast schien es so, als wolle der dritte Wolfsburger Trainer in dieser Saison Holstein sogar zum Favoriten machen.

„Man merkt, dass die Mannschaft schon länger zusammen spielt. Die Automatismen stimmen. Holstein Kiel hat Qualität. Das ist eine eingespielte Truppe. Das können wir gar nicht sein“, meinte Labbadia, lenkte dann aber irgendwann selbst ein und gestand: „Wir sind der Bundesligist, und wir nehmen die Favoritenrolle an.“

Von den finanziellen Möglichkeiten her spricht alles für den VfL. Der Marktwert der Wolfsburger Spieler ist in etwa zehnmal so hoch wie der der Kieler. Viel mehr spricht aber kaum für Wolfsburg. In punkto Euphorie, Form und Mentalität ist der Außenseiter im Vorteil. „Die Relegation ist ein anderer Wettbewerb. Man hat zwei Spiele vor der Brust. Alles kann passieren“, sagte Kiels Erfolgscoach Markus Anfang, der auf jeden Fall zweitklassig bleiben wird. In der kommenden Saison betreut er den Erstliga-Absteiger 1. FC Köln.

Seine Spieler könnten mit dem Aufstieg gegen den Meister von 2009 und Pokalsieger von 2015 eine Sensation schaffen. Seit Wiedereinführung der Relegation 2009 setzte sich nur zweimal der Zweitligist durch. „So eine Statistik lügt nicht. Der Sprung von der 2. in die 1. Bundesliga ist von allen der größte“, sagte Kiels Kapitän und frühere VfL-Spieler Rafael Czichos. Ausgeschlossen scheint der Coup nicht. Während der in dieser Saison offensivstärkste Zweitligist vor allem als Kollektiv überzeugte, bot der VfL wieder einmal das Gegenteil.

Gerade ein Heimspiel gewannen Wolfsburg im Jahr 2018 - am letzten Spieltag gegen den bereits feststehenden Absteiger Köln. Unter Druck und bei Rückschlägen fiel das Team unter allen Trainern in dieser Chaos-Saison - Andries Jonker, Martin Schmidt und nun Labbadia - regelmäßig auseinander. Auch die Außendarstellung war mitunter verbesserungswürdig.

Am vergangenen Wochenende wurde der aus Liverpool vor der Saison ausgeliehene belgische Angreifer Divock Origi im „Sportstudio“ des ZDF gefragt, ob er Holstein Kiel kenne. „Nein“, antwortete Divock und sagte zur Bemerkung, dass dies der Gegner in der Relegation sei: „Ah, interessant.“ Eine bessere Motivation hätte der 23-Jährige dem Gegner kaum liefern können.

Peinlich, das gestand auch Verhaegh. „Das ist nicht so super gelaufen“, sagte der Niederländer. „Normalerweise sollte man den Verein kennen, wenn man ein bisschen den Fußball verfolgt.“ Ein Beispiel, das gut verdeutlicht, woran es in Wolfsburg wieder gehapert hat. „Wir haben die bessere Qualität. Aber wir müssen auch die Arbeitsleistung auf den Platz bringen“, sagte Verhaegh vielsagend.

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