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Düsseldorfs Flughafenchef Christoph Blume: "Alle verlieren"

DÜSSELDORF 18 Millionen Menschen sind im vergangenen Jahr von Deutschlands drittgrößtem Flughafen gestartet – viele nutzen den Flughafen für Geschäftsflüge. Hier müsste die Wirtschaftskrise deutlich spürbar sein. Uwe Becker sprach mit Flughafenchef Christoph Blume.

Düsseldorfs Flughafenchef Christoph Blume: "Alle verlieren"

Flughafen-Geschäftsführer Christoph Blume: »Die Situation wird für manche Flughäfen schwierig.«

Wir haben gesagt, dass wir uns von der wirtschaftlichen Entwicklung nicht abkoppeln können und spüren in der Tat seit dem letzten Quartal 2008 ein Abschmelzen der Passagierzahlen. Das hat sich im Januar fortgesetzt.

Wir haben gegenüber Januar 2008 rund sieben Prozent verloren, wissen aber von anderen Flughäfen, dass es dort in den zweistelligen Bereich ging.

Wir glauben, dass es in den kommenden Monaten besser wird. Dennoch wird es vermutlich übers Jahr ein Passagierminus von drei bis vier Prozent geben. Die gesamte Branche wird nach Prognose der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen vier bis fünf Prozent verlieren. Alle verlieren und sind betroffen, sowohl der Geschäftsverkehr als auch der Tourismus.

Die Frage ist zunächst, was die Airlines tun. Die korrigieren gerade ihr Angebot, machen Feiertags-Streichungen, nehmen Frequenzen raus. Dort hat man Erfahrungen mit Krisen. Das findet unspektakulär statt. Die Auslastung der Flugzeuge wird gehalten, die Zahl der Flüge sinkt.

Wir haben drei Wachstumstreiber. Das eine ist der Langstreckenverkehr, den wir im letzten Jahr stark erweitert haben. Das zweite ist der Umsteigeverkehr, den wir durch die beiden Drehkreuze, die Lufthansa und Air Berlin aufgebaut haben, generieren konnten. Da haben wir weiter ein deutliches Wachstum. Ein dritter Faktor ist der Markt der Niederlande. Wir hatten 2008 rund eine Million Passagiere von dort.

Unsere Airlines wie Air Berlin und Lufthansa können mit den so genannten „Low-Cost-Carriern“ auf anderen Flughäfen gut mithalten oder liegen preislich zum Teil sogar darunter.

Billigflieger haben eine wichtige Funktion. Sie wirken preisregulierend und erschließen neue Bevölkerungsgruppen. Es gibt ja auch noch Wachstum. Hamburg, Berlin, Zürich, Wien sind zunehmend auch für Touristen interessant. Aber es bleibt ein starker Wettbewerb, auf den wir auch reagieren müssen. Mit preiswerteren Parkplätzen zum Beispiel und der entsprechenden Menge davon.

Die Low-Cost-Carrier müssen so unterstützt werden, dass sie ihr Geschäft machen können. Aber das darf nicht auf Kosten des Steuerzahlers stattfinden. Und es gibt Zuwendungen aus öffentlichen Kassen für Flughäfen. Das ist marktverfälschend. Luftverkehr ist ein System, das sich selbst finanzieren muss. Es gibt Airports, die das erfolgreich lösen – wie beispielsweise Münster-Osnabrück.

Solche, bei denen der Umsatz gleich Verlust ist. Wie Dortmund. Dort läuft das Neres-Programm (erlaubt für einen bestimmten Zeitraum Sonderkonditionen für Fluglinien)ja dieses Jahr aus, und unsere Interpretation ist: Easyjet geht nicht wegen zu kurzer Betriebszeiten oder zu kurzer Start- und Landebahn von dort weg. Sondern, weil nicht mehr so massiv subventioniert wird. Die Betriebszeiten waren denen ja bekannt, als sie vor Jahren kamen. Wir kennen dies übrigens auch von dem anderen „Inselcarrier“. Diese Gesellschaften lassen sich öffentlich subventionieren und versuchen dadurch Wettbewerbsvorteile zu kriegen. Alles unter dem Deckmäntelchen „Low Cost“.

Schwer zu beurteilen. Fakt ist: Wir haben diese Zeiten und mussten über 50 Millionen Euro in Lärmschutz investieren. Auch Dortmund wird so etwas nicht umsonst bekommen. Und eine verlängerte Startbahn kostet auch viel Geld. Ob das die Wirtschaftlichkeit verbessert, muss man sehen.

Die Situation wird schwierig für die Flughäfen in diesem Jahr. Und für alle, die in den guten Zeiten keine schwarzen Zahlen schreiben konnten, besonders. Nehmen Sie Köln: Vor einem Jahr hat man dort gesagt, die Zeit für den Börsengang sei reif. Jetzt hat man gleich für Jahre Verluste angekündigt.

Die Zeit nach dem 11. September war ähnlich hart. Aber: Es ging schnell runter, und schnell wieder rauf. Wir haben eine konjunkturelle Krise, keine strukturelle. Das birgt die Chance zum schnellen Aufschwung.

Schwierig zu sagen. Es gibt Hoffnung, dass das zweite Halbjahr besser wird.

Wir brauchen weiter starke Netzwerkcarrier wie Air Berlin oder Lufthansa, die gute innereuropäische und interkontinentale Verbindungen garantieren. Das ist existenziell für die Wirtschaft hier, die exportorientiert ist. Für sie ist wichtig, dass das eigene Bundesland mit einem Flughafen auf der Landkarte erscheint. Wenn sie einem US-Kunden erklären, dass er, um nach Dortmund zu kommen, erst über München muss, wird es schwierig.

Neue Interkontinental-Verbindungen sehen wir erst ab 2010 als realistisch an und beschäftigen uns schon jetzt mit der Akquise von neuen Strecken. Ich würde mir neue Verbindungen nach Indien und China wünschen.

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