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Edith Hanckes Leidenschaft für die Bühne

Berlin (dpa) Sie wird bald 80, doch ans Aufhören denkt sie noch lange nicht. Zurzeit steht Boulevard-Star Edith Hancke fast jeden Abend an der Berliner Komödie am Kurfürstendamm in «Pension Schöller» auf der Bühne.

Edith Hanckes Leidenschaft für die Bühne

Edith Hancke in der Rolle der Josephine Zillerthal auf der Bühne der "Komödie am Kurfürstendamm" in Berlin

Die original «Berliner Pflanze» mit der kratzigen, schrillen Stimme liebt das Publikum, sie liebt den Applaus. «Ich brauche das!», sagt die Schauspielerin im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

«Familie ist mir schon wichtiger als der Beruf», stellt die kleine, zierliche Frau klar. «Aber wenn es um den Job geht, dann ist es das Theater! Man will ja wissen, ob es ankommt, was man macht. Das hat man weder bei Film noch bei Fernsehen.» Leidenschaft funkelt aus Hanckes Augen, wenn sie von ihren Bühnenauftritten erzählt. Es sei so schön, wenn die Menschen im Theater lachen und für zwei Stunden mal ihre Probleme vergessen können. «Das ist genauso viel wert wie die Gage, die wir verdienen.»

An ihren 80. Geburtstag am 14. Oktober will Hancke am liebsten gar nicht denken. Sie stehe nicht gerne im Mittelpunkt und fühle sich auch noch lange nicht so alt wie es in ihrem Pass steht, meint sie. «Wer sieht so aus wie ich mit 80? Und da ist nichts geschnippelt!» Und wenn im Dezember 2009 dann ihr 60-jähriges Bühnenjubiläum ansteht, wird sie «auf jeden Fall verreisen», wie sie betont. Das Alter ist aber dennoch ein Thema für die Grande Dame des Boulevard- Theaters, die mit ihrem Ehemann und Schauspielerkollegen Klaus Sonnenschein (73) unter anderem in dem Stück «Herbstzeitlose» über eine Senioren-WG zu sehen war.

«Ich wünsche mir von den Autoren, dass sie beim Schreiben mehr an die Zeit denken, in der wir leben - eine Zeit mit vielen älteren Leuten. Die Stücke müssen ja nicht im Pflegeheim spielen», sagt Hancke. Aber Probleme von Älteren - wie Einsamkeit oder das Verhältnis zu den Kindern, die oft weit weg leben - seien durchaus auch Themen für Theaterstücke.

Hancke und Sonnenschein sind nun gerade neu in die «Pension Schöller» eingecheckt. In der irren Verwechslungskomödie um ein vermeintliches Irrenhaus und seine Bewohner steht damit nun ein unschlagbares Allstar-Team in den «besten Jahren» auf der Bühne, das die jüngeren Kollegen glatt an die Wand spielt: neben Hancke und Sonnenschein sind das Friedrich Schoenfelder (91), Herbert Köfer (87), Achim Wolff (69), Renate Geißler (68) und Winfried Glatzeder (63).

Und wie entspannt sich die quirlige Schauspielerin, deren markante Stimme übrigens eine Folge einer missglückten Mandel-Operation ist, der sich Hancke im Alter von 8 Jahren unterziehen musste, wie sie erzählt. «Schlafen!», kommt es wie aus der Pistole geschossen. «Wir sind außerdem große Fernreisende», erzählt Hancke, die mit Sonnenschein bereits 38 Jahre zusammen ist und 3 Enkel hat.

An der Schauspielschule war sie damals «wegen Talentlosigkeit» durchgefallen. Drei Wochen später bekam sie jedoch schon ihre erste Filmrolle in Hauptmanns «Biberpelz». Sie spielte am Renaissance- Theaters, am Deutschen Theater, am Schiller-, Schlosspark- und Hansa Theater - zusammen mit Sonnenschein dann 20 Jahre an der Tribüne. «Keine Ehe nach Maß», «Arsen und Spitzenhäubchen», «Mein Vater der Junggeselle» oder «Verzwickte Lügen» heißen nur einige der Stücke, in denen Hancke auf der Bühne stand.

Ihre Lieblingsrolle ist die der Annie Wiesner in dem auch sozialkritischen Stück «Das Fenster zum Flur» von Curth Flatow und Horst Pillau. «Ich habe mir ausbedungen, möglichst alle fünf Jahre mal ein Stück zu spielen, in dem nicht nur Quatsch gemacht wird. Ich will ja auch mal zeigen, dass ich auch noch etwas anderes kann», sagt Hancke. In der «Pension Schöller» ist Hancke noch bis zum 14. September in der Rolle der Schriftstellerin Josephine Zillerthal zu sehen. Nebenbei dreht Hancke schon wieder: Für den ARD-Film «Schaumküsse» steht sie an der Seite von Christine Neubauer vor der Kamera.

www.komoedie-berlin.de

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