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Jahrelanger Streit

Ehefrau erwürgt: Sieben Jahre Haft für 54-Jährigen

Aachen Jahrelang hatte er alles geschluckt: Die Streitereien, ihre Nörgelei, ihre Unzufriedenheit. Doch dann brachte ein 54-Jähriger aus Aachen seine Frau um, packte sie in den Koffer und warf sie in einen Fluss. Vor Gericht zeigt er Reue, ins Gefängnis muss er trotzdem.

Ehefrau erwürgt: Sieben Jahre Haft für 54-Jährigen

Der 54-Jährige, der die Leiche seiner Frau in einem Koffer in einen Fluss geworfen hat, muss sieben Jahre in Haft.

Nach 30 Jahren gaben sie sich immer noch verliebt, hielten in der Öffentlichkeit Händchen, wirkten sehr harmonisch. Hinter der Fassade sah es schon lange anders aus. Dann kam dieser Tag im Sommer 2015. „Am Nachmittag des 25. August reichte es dem Angeklagten. Er war das ständige Lamentieren und die Vorwürfe seiner Frau satt“, schilderte der Vorsitzende Richter des Aachener Landgerichts Arno Bormann am Mittwoch in der Urteilsbegründung.

Vergleichsweise milde Strafe

Der Angeklagte habe seine Frau mundtot gemacht. „Er würgte sie, bis sie sich nicht mehr rührte.“ Vergleichsweise milde siebeneinhalb Jahre Haft verhängte das Gericht. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre gefordert.

54 Jahre ist der Mann alt, wirkte aber in dem Prozess sehr viel älter. „Das Schlimmste ist, dass durch meine Schuld meine Frau ums Leben gekommen ist“, bekannte er in seinem Schlusswort. Er war ein nach Einschätzung von Gutachtern angepasster, kontrollierter, aggressionsgehemmter Mensch. Und alte Bekannte hatten sich vor Gericht gewundert: Die Tat passte nicht zu dem Mann, den sie kannten. Nie sei er aggressiv gewesen.

"Mauern um ihr Innenleben"

Ein alter Freund gab am letzten Verhandlungstag seine Eindrücke der unseligen Entwicklung in der Ehe wieder: Anfang der 1980er Jahre waren sie in derselben Clique. „Er hat gerne gelacht und gefeiert, war ein lebenslustiger Mensch“, erzählte der Zeuge dem Gericht. Mit den Jahren wurde das anders. Diese Frau habe immer im Vordergrund stehen wollen, habe ihn unterdrückt.

Die Ehefrau sei unzufrieden gewesen mit ihrer Arbeit als Hausangestellte, sagte Richter Bormann. Ihrem Mann warf sie mangelndes Verständnis vor, obwohl er nach Lösungen suchte. Freunde zogen sich zurück, das Paar zog sich zurück. „Sie hatten Mauern um ihr Innenleben gebaut“, so der Richter. Und der Ehemann habe alles immer alles runtergeschluckt.

Streit um Banalitäten

Bis zum 25. August im vergangenen Jahr. Das Paar ist gerade vom Urlaub an der Nordsee zurückgekommen. Die Koffer sind ausgepackt, sie haben zu Mittag gegessen. Dann gibt es laut Bormann wieder Streit um eine dieser Banalitäten: Den nicht rausgebrachten Müll. Die Situation eskaliert. Sie schlägt ihn, er schlägt sie. Bei einer Rangelei fallen sie hin. Er will sie zur Ruhe bringen, setzt sich auf sie. Die Frau ist weiter aggressiv.

„Da kommt ihm der Gedanke: Es reicht. Er ist es leid, sich das weiter anzuhören“, sagte Bormann. Er will dass sie den Mund hält und hält ihr den Mund und dann die Kehle zu. Ganze zwei Minuten. Die Richter gehen davon aus, dass der Mann versucht hat, seine Frau wiederzubeleben. Vergeblich.

„Als er festgestellt hat, was er da angerichtet hat, überlegt er, wie er die Tat vertuschen kann“, schilderte der Richter. Er verstaut die Ehefrau in einen großen Koffer, der noch vom Urlaub da steht. Die Leiche ist zu groß, der Koffer geht nicht zu. Er klebt ihn mit Mülltüten und Klebeband zu. Als es dunkel wird, ordert er ein Taxi. Mit der Leiche im Koffer fährt er ins niederländische Maastricht und wuchtet in von einer Brücke aus in die Maas. Tage später taucht der Koffer auf.

Von dpa

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